Venedig könnte den Zugang zur historischen Altstadt für Tagesgäste ab 2027 deutlich verteuern. Im Gespräch ist eine Gebühr von bis zu 30 Euro an besonders stark frequentierten Tagen. Auch eine Ausweitung der gebührenpflichtigen Zeiträume und eine höhere Übernachtungssteuer werden diskutiert.
Nach drei Jahren Testbetrieb will Venedig das System der Tagesgebühr ab 2027 neu ordnen. Der für Haushalt und Steuern zuständige Stadtrat Michele Zuin stellte gegenüber der italienischen Tageszeitung „Il Gazzettino“ eine deutliche Erhöhung in Aussicht. Als mögliche Größenordnung nannte Zuin bis zu 30 Euro. Zuvor seien sogar Beträge von bis zu 50 Euro diskutiert worden. Die derzeit geltenden fünf beziehungsweise zehn Euro hätten nach seiner Einschätzung an besonders stark besuchten Tagen nicht mehr die gewünschte Lenkungswirkung.
Nach Angaben des offiziellen Portals der Stadt Venedig müssen die zuständigen Gremien zunächst über die Fortführung des Zugangssystems nach dem Ende der Testphase 2026 entscheiden. Für die endgültige Ausgestaltung ist zudem ein Austausch mit der italienischen Regierung und dem Parlament erforderlich.
Höherer Preis soll Besucherströme steuern
Zuin begründet die Überlegungen vor allem mit der Steuerung des Tagestourismus. Die Gebühr soll demnach nicht in erster Linie zusätzliche Einnahmen für die Stadtkasse bringen, sondern Besucher dazu bewegen, besonders stark frequentierte Tage zu meiden. Besonders an Tagen mit erwarteten Besucherspitzen könnte ein deutlich höherer Preis zum Einsatz kommen. Als Beispiel wurde der 1. Mai genannt. Die Stadt möchte damit vor allem den kurzfristigen Tourismus wie Tagesausflüge ohne Übernachtung beeinflussen.
2026: 60 Tage mit Zugangskontrolle
Im laufenden Jahr wurde das System an insgesamt 60 Tagen angewendet. Der Zugang zur historischen Altstadt war dabei jeweils zwischen 8.30 und 16 Uhr kostenpflichtig. Die Gebühr betrug 2026 fünf Euro bei frühzeitiger Zahlung. Wer erst in den letzten Tagen vor dem Besuch bezahlte, musste zehn Euro entrichten. Die Regelung galt ausschließlich für die historische Altstadt; zahlreiche kleinere Inseln der Lagune waren davon ausgenommen.
Gebührenzeitraum könnte ausgeweitet werden
Neben einer höheren Gebühr wird auch über einen längeren Anwendungszeitraum gesprochen. Bisher konzentrierte sich die Regelung 2026 auf die Monate April bis Juli.
Für 2027 steht laut Zuin unter anderem eine Ausweitung auf im Raum. Auch Vertreter der Hotellerie hätten eine Erweiterung des Zeitraums angeregt. Gleichzeitig muss die Stadt berücksichtigen, dass zusätzliche Gebührentage auch höhere Kosten für Kontrolle, Personal und Polizei verursachen.
Auch Übernachtungssteuer soll steigen
Nicht nur Tagesgäste könnten künftig stärker zur Kasse gebeten werden. Nach den aktuellen Überlegungen könnte auch die Übernachtungssteuer angehoben werden. Im Gespräch ist insbesondere eine höhere Abgabe für Luxushotels. Medienberichten zufolge könnte die Steuer für Fünf-Sterne-Hotels künftig bei bis zu acht oder neun Euro pro Person und Nacht liegen.
Damit würde Venedig zwei unterschiedliche Gruppen stärker erfassen: Tagesbesucher über den Zugangspreis und Übernachtungsgäste über die bereits bestehende Tourismusabgabe. Damit sind derzeit mehrere Varianten möglich: eine höhere Gebühr, unterschiedliche Preise je nach erwarteter Auslastung, zusätzliche gebührenpflichtige Tage oder eine Kombination dieser Maßnahmen.
Die offizielle Zahlungs- und Registrierungsplattform der Stadt Venedig ist das Portal Contributo di Accesso unter https://cda.veneziaunica.it/de