John Ekin ist Kreuzfahrtdirektor an Bord der Seven Seas Splendor – und ein Gastgeber mit ungewöhnlicher Karriere. Der Amerikaner aus Baltimore begann als Zauberkünstler, arbeitete viele Jahre in Walt Disney World und trat bei mehr als 30 offiziellen Veranstaltungen im Weißen Haus für vier verschiedene US-Präsidenten auf. Heute sorgt er bei Regent Seven Seas Cruises dafür, dass aus einer Kreuzfahrt besondere Erinnerungen werden. Welcome Aboard traf ihn an Bord der Seven Seas Splendor.
Wie sind Sie ursprünglich in die Kreuzfahrtbranche gekommen – und schließlich zu Regent Seven Seas Cruises?
Als ich zehn Jahre alt war, entdeckte ich die Zauberei als Hobby für mich. Sie begleitete mich durch meine gesamte Highschool-Zeit, und später arbeitete ich in den Disney-Themenparks in Orlando. Dort brachte mich irgendwann ein Freund auf die Idee, mein Geld als Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen zu verdienen. Er vermittelte mich an seinen Agenten – und dann ging es los.
Im Laufe der Jahre war ich für zwölf oder dreizehn Reedereien unterwegs. Ich hatte das Glück, meistens für Unternehmen im gehobenen und luxuriösen Segment zu arbeiten. Jedes Mal, wenn ich auf einem Schiff von Regent unterwegs war, gefielen mir die besondere Philosophie an Bord und die Einstellung der Gäste. Viele von ihnen haben hart gearbeitet und sich beispielsweise ein eigenes Unternehmen aufgebaut. Jetzt möchten sie das Leben genießen – und sie wissen zu schätzen, was ihnen hier geboten wird.
Außerdem fiel mir auf, dass ich bei meiner Rückkehr an Bord häufig dieselben Crewmitglieder wiedertraf. Das war für mich eine Art „grüne Flagge“: ein Zeichen dafür, dass die Reederei viel dafür tut, ihr gut ausgebildetes Personal langfristig zu halten. Irgendwann ergab sich für mich die Möglichkeit, vom Entertainer zum Cruise Director zu wechseln. Und ich bin sehr glücklich darüber, heute Gastgeber bei Regent zu sein.
Erinnern Sie sich noch an Ihren allerersten Tag als Cruise Director? Was hat Sie damals am meisten beschäftigt?
Ich begann in dieser Position bei Oceania Cruises, unserem Schwesterunternehmen, und arbeitete auf der Insignia. Damals war ich durchaus ein wenig besorgt, ob ich alles richtig machen und ob alles funktionieren würde. Denn tatsächlich trägt man in diesem Beruf viel Verantwortung. Eine falsche Durchsage darüber, wann die Gäste wieder an Bord sein müssen – und schon kann einiges schieflaufen. Meine Arbeit sieht nach außen oft sehr leicht aus. Aber das ist sie nicht immer.
Was beinhaltet Ihr Job als Cruise Director auf der Seven Seas Splendor? Wie sieht ein ganz normaler Tag an Bord aus?
Eine meiner ersten Aufgaben – vor allem an Hafentagen – ist die morgendliche Borddurchsage, meistens gegen acht Uhr. Dann informiere ich die Gäste darüber, dass wir angekommen sind und sie an Land gehen können.
Später stehen Büroarbeit und die Organisation meines großartigen Teams auf dem Programm. Nach dem Mittagessen habe ich häufig ein paar Stunden frei. Dann genieße ich es sehr, selbst an Land zu gehen und mir etwas vom jeweiligen Ziel anzuschauen.
Am späten Nachmittag moderiere ich täglich ein großes Trivia-Quiz oder andere Wettbewerbe für unsere Gäste. Und irgendwann beginnt das Abendprogramm, für das ich verantwortlich bin. Ich begrüße die Gäste zu den Veranstaltungen und verabschiede sie später auch wieder.
Was begeistert Sie bis heute am Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff?
Mein Beruf ist ein Job der Extreme. Das Gute daran ist wirklich extrem gut: Ich bereise die Welt und sehe einige der schönsten Orte überhaupt. Ich lebe auf einem ultra-luxuriösen Schiff, genieße fantastisches Essen und treffe wunderbare Menschen.
Die andere Seite ist, dass ich für lange Zeit weit weg von meiner Familie und meinen Freunden bin. Das Internet macht vieles natürlich einfacher, weil wir heute viel leichter miteinander in Kontakt bleiben können. Mich begeistern aber auch die Entwicklungen in unserer Branche. Ich denke zum Beispiel an die neuen Schiffe, die wir bekommen. Darauf freue ich mich sehr.
Gibt es einen Moment auf See, den Sie niemals vergessen werden?
Wow, da gibt es viele! Eine meiner ersten Kreuzfahrten führte nach Monaco, und alles war unglaublich luxuriös. Als ich später zum ersten Mal mit Regent dorthin kam, legten wir nicht direkt im Hafen an, sondern blieben vor der Küste auf Reede. Die Gäste mussten mit Tenderbooten an Land fahren. Zunächst war ich enttäuscht und dachte: „Hey, wir wollen doch die Besten sein – warum liegen wir dann nicht direkt im Hafen?“
Doch dann stellte sich heraus, dass an diesem Abend in Monaco ein großes internationales Feuerwerksfestival stattfand. Das Feuerwerk wurde direkt an der Pier veranstaltet – und von unserem Ankerplatz aus hatten wir die allerbeste Sicht. Die Gäste trugen Smoking, tranken Champagner und genossen dieses fantastische Schauspiel. Es war einfach großartig.
Besondere Momente entstehen aber auch, wenn Gäste bei uns ein wichtiges Jubiläum feiern. Oder wenn jemand eine schwere Krebsdiagnose erhalten hat und noch einmal eine ganz besondere Reise erleben möchte. Ich empfinde es als Privileg, dass wir dazu beitragen dürfen, diesen Menschen unvergessliche Erinnerungen zu schenken.

Welches ist Ihr liebster Platz an Bord der Seven Seas Splendor?
Ich liebe die Bibliothek. Dort ist es immer ruhig, und sie hat eine wunderschöne Atmosphäre. Abends mag ich besonders die Observation Lounge. Dort einen Cocktail zu trinken und dabei die Aussicht zu genießen, ist einfach fantastisch.
Wie verändert einen das ständige Reisen persönlich?
Wenn ich zu Hause bin, treffe ich entweder Menschen, die ebenfalls viel reisen, oder Menschen, die überhaupt nicht reisen. Ich finde es tatsächlich schwierig, mich einen ganzen Abend lang mit jemandem zu unterhalten, der keinerlei Interesse am Reisen hat.
Wer überhaupt nicht neugierig darauf ist, was außerhalb seiner eigenen Umgebung passiert, hat eine völlig andere Einstellung zum Leben als ich. Gerade in den USA gibt es Menschen, die sagen: „Ich bin hier geboren, ich lebe hier, ich war noch nie woanders und ich werde auch hier sterben.“ Das ist vollkommen in Ordnung. Aber ich bin einfach ganz anders.
Für mich passt ein berühmter Gedanke sehr gut: Die Welt ist wie ein Buch – wer nicht reist, lernt nur einen kleinen Teil davon kennen.
Welche Rolle spielen Emotionen und „Gänsehautmomente“ in Ihrem Job?
Ich versuche ständig, solche Gänsehautmomente für unsere Gäste zu schaffen. Wenn wir beispielsweise Kotor verlassen und durch die Bucht von Kotor fahren, spielen wir Andrea Bocellis „Time to Say Goodbye“. Manche Gäste haben dann tatsächlich Tränen in den Augen.
Oder nehmen Sie den Valentinstag: Dann kommen die Gäste zusammen, der Kapitän ist dabei und Paare können ihr Eheversprechen erneuern. Das ist jedes Mal sehr berührend.
Besonders schön finde ich außerdem, dass Regent so viele Stammgäste hat. Wenn diese wieder an Bord kommen und Crewmitglieder oder andere Gäste wiedersehen, entstehen oft sehr emotionale Momente. Das ist wunderbar.
Worauf sind Sie heute am meisten stolz?
Auf unsere Crew. Man kann immer größere, modernere oder bessere Schiffe bauen – aber am Ende macht die Crew den Unterschied. Und die Regent-Crew ist einfach phänomenal.
Wir haben zum Beispiel eine Crew-Show, die unglaublich ist. Wenn ein Gast Geburtstag hat und gerade auf Landgang ist, nutzt die Crew manchmal diese Zeit, um seine Suite wunderschön zu dekorieren.
Oder nehmen Sie unser Laundry-Team: Manche Gäste sind regelrecht verblüfft, wenn sie ihre frisch gewaschene Wäsche zurückbekommen. Jedes einzelne Kleidungsstück ist sorgfältig in hauchdünnes Papier eingeschlagen und alles zu einem wunderschönen Paket zusammengestellt. Genau solche Details sind es, die den Unterschied ausmachen.
Das Interview führte Susanne Müller. Fotos: Susanne Müller
Hier geht es zu einer Kreuzfahrt-Reportage mit der Seven Seas Splendor.
Susanne Müller ist Reisejournalistin und Kreuzfahrtexpertin. Seit 2011 prägte sie als Chefredakteurin das Kreuzfahrtmagazin Welcome Aboard und verantwortet heute das gleichnamige Onlinemagazin. Seit vielen Jahren ist sie auf den Weltmeeren unterwegs und berichtet aus eigener Erfahrung über Schiffe, Routen und Reiseziele.