Manchmal führt einen das Leben zurück zu den Ursprüngen – und das ist nicht immer das Schlechteste. Jedenfalls empfand Holger Winkler das so, als er 2025 als Kreuzfahrtdirektor auf die Amera wechselte. 19 Jahre lang hatte er zuvor auf der Amadea gearbeitet – zunächst als Barmanager, später als Hotelmanager und ab 2019 als Kreuzfahrtdirektor. Mit dem aktuellen ZDF-Traumschiff hat er die Welt achtmal umrundet und war fast ebenso oft auf Teilstrecken der Weltreisen unterwegs. Doch mit der Amera verbindet den Baden-Württemberger eine ganz besondere Beziehung.
Karrierestart auf der Royal Viking Sun
„Mit diesem Schiff bin ich in die Seefahrt eingestiegen“, erzählt er und taucht mit seinen Erinnerungen ins Jahr 1989 ein. Damals begann er als Barkellner auf der gerade in Dienst gestellten Royal Viking Sun – der heutigen Amera. Während seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann hatte ihn einer seiner Lehrer für die Seefahrt begeistert. Der Mann, der lange Zeit für die renommierte Cunard Line gearbeitet hatte, sprach immer mit soviel Feuer für die Kreuzfahrt, dass Holger Winkler gar nicht anders konnte, als sich bei einer Reederei zu bewerben. Und die Royal Viking Line galt damals als elitäres Unternehmen, verkörperte Glanz und Glamour.
Holger Winkler und seine damalige Freundin (und heutige Ehefrau) fuhren drei Jahre lang gemeinsam mit der Royal Viking Sun über die Weltmeere. Dann wechselte Winkler zu Silversea, danach zu Hapag-Lloyd Cruises, zu den Superfast Ferries und schließlich zu Phoenix Reisen. Seine Frau ließ die Schiffsplanken schon nach drei Jahren hinter sich und leitet heute zwei Anlagen für betreutes Wohnen nahe Heilbronn. Ihr Mann pendelt zwischen den Schiffen und dem Ländle. Seine Lieblingsfahrgebiete sind Norwegen und die Arktis. „Die gemäßigten bzw. kühlen Temperaturen dort sind mir doch etwas lieber“, lächelt er, während wir bei gut 30 Grad auf dem Pazifik Richtung Südsee fahren.

Holger Winkler: Als Kreuzfahrtdirektor ist einem nie langweilig
Sein Alltag als Kreuzfahrtdirektor wird dem Hohenloher auch nach so vielen Jahren niemals langweilig. „Ich bin Frühaufsteher“, sagt er und nimmt einen Schluck Espresso. „Um halb sieben setze ich mich ins Büro und beantworte E-Mails. Dann gehe ich meine Runde über Schiff und schaue, ob alles in Ordnung ist. Den Tag über gibt’s dann Besprechungen mit dem Kapitän, dem Hoteldirektor und anderen Mitarbeitern. Ich plaudere mit Gästen und versuche, bei den Veranstaltungen dabei zu sein. Spätabends nach der Show ist dann Feierabend.“
Ob auf der Amadea oder der Amera – es gibt vieles, für das Holger Winkler dankbar ist. „Man sieht die Welt und trifft nette Leute. An Bord herrscht eine tolle Kollegialität. Wir sind hier 28 verschiedene Nationen und alle verstehen sich super.“
Und wie sieht’s mit den besonderen Herausforderungen aus, die der Job mit sich bringt? Holger Winkler muss nicht lange überlegen. „Verlorenes Gepäck!“, seufzt er. „Gerade auf einer Weltreise ist das für die Betroffenen natürlich gar nicht lustig. Wir versuchen dann selbstverständlich alles, um ihnen zu helfen, aber das ist nicht immer einfach. Außerdem stellen wetterbedingte Umroutungen und medizinische Notfälle Probleme dar, um die ich mich kümmern muss.“
Alaska steht auf der Bucketlist
Während viele der Amera-Gäste sich gerade auf eine besondere Destination ihrer persönlichen Bucketlisten freuen – nämlich die wunderschönen Südseeinseln – hat Holger Winkler die meisten Sehnsuchtsziele bereits kennengelernt. Eins fehlt noch auf seiner Liste. „Ich möchte unbedingt mal nach Alaska“, sagt er und schnappt sich einen von den drei Keksen auf seinem Teller.
Apropos Kekse. Wie schafft man es eigentlich bei dem ausgezeichneten Essen auf der Amera so beneidenswert schlank zu bleiben? „Das ist zwar gar nicht sooo einfach“, gibt der Kreuzfahrtdirektor zu, verrät dann aber doch sein Geheimnis: „Ich frühstücke überschaubar, nehme ein leichtes Mittagessen zu mir und esse abends ganz normal. Auf Schokolade versuche ich zu verzichten und zweimal pro Woche powere ich mich im Fitnessraum aus. Was aber ganz bestimmt auch hilft, sind die gut 17.000 Schritte, die ich jeden Tag auf dem Schiff zurücklege.“ Sagt’s und begibt sich auf die nächste Runde über die Decks.
Text & Fotos: Susanne Müller
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