Das norwegische Start-up Nor Cruises will mit der neuen Luxus-Kreuzfahrtmarke Norsemen in den Markt einsteigen und plant dafür den Bau von bis zu fünf Schiffen in China. Das Unternehmen hat mit der Shanghai Waigaoqiao Shipbuilding eine Absichtserklärung über zunächst zwei Neubauten sowie Optionen für drei weitere Schiffe unterzeichnet. Bei der Vereinbarung handelt es sich allerdings noch nicht um einen verbindlichen Bauvertrag. Als Start für den Kreuzfahrtbetrieb nennt Nor Cruises das Jahr 2028.
Die Schiffe sollen eine Vermessung von jeweils rund 82.000 BRZ haben und unter der Marke Norsemen Cruises fahren. Das Konzept richtet sich an das Luxussegment und sieht ausschließlich Suiten vor. Die kleinere Elysium Sky Suite soll rund 50 Quadratmeter Wohnfläche und eine elf Quadratmeter große Veranda bieten. Die größere Celestial Oasis Suite ist mit etwa 99 Quadratmetern sowie einer mehr als 20 Quadratmeter großen Außenfläche geplant. Auch bei der Gestaltung der Schiffe spielen private Außenbereiche eine zentrale Rolle.
Emissionsfreie Kreuzfahrt angestrebt
Norsemen Cruises bezeichnet sein Konzept als „Sustainable Luxury Cruising“. Neben dem exklusiven Raumangebot setzt das Unternehmen dabei auf neue technische Lösungen und einen möglichst ressourcenschonenden Betrieb. Vorgesehen ist eine Kombination aus LNG-Motoren und großen Batteriespeichern. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Schiffe dadurch bis zu 25 Stunden im Hafen und bis zu 16 Stunden bei langsamer Fahrt ausschließlich mit Batteriestrom betrieben werden können. Nor Cruises stellt zudem deutliche Einsparungen beim Energieverbrauch und bei den Treibhausgasemissionen in Aussicht. Gegenüber herkömmlichen Kreuzfahrtschiffen sollen der Kraftstoffverbrauch um bis zu 66 Prozent und die Treibhausgasemissionen um bis zu 79 Prozent sinken. Diese Werte stammen aus den Angaben des Unternehmens und sind bislang nicht unabhängig überprüft. Langfristig verfolgt Norsemen nach eigenen Angaben das Ziel einer emissionsfreien Kreuzfahrt.
Gebaut werden sollen die Schiffe bei Shanghai Waigaoqiao Shipbuilding. Die chinesische Werft war bereits am Bau der ersten beiden großen Kreuzfahrtschiffe aus China beteiligt, der „Adora Magic City“ und der „Adora Flora City“. Das Design für die Norsemen-Schiffe wurde nach Angaben des Unternehmens von Fincantieri adaptiert. Nor Cruises ist bislang noch nicht im Kreuzfahrtgeschäft aktiv. Auf seiner Website präsentiert das Unternehmen das Norsemen-Projekt als neue Luxusmarke, konkrete Reisetermine, Preise oder Routen gibt es derzeit noch nicht.
Hinter dem Start-up stehen mehrere Manager mit Erfahrung in der Schifffahrts- und Kreuzfahrtbranche. CEO Terje Berg Adolfsen ist Kapitän und verfügt nach Unternehmensangaben über mehr als 30 Jahre Erfahrung auf See. Finanzmanager Knut Abrahamsen kommt aus der maritimen Dienstleistungsbranche. Für die Neubauprojekte ist Christer Karlsson verantwortlich, der zuvor unter anderem bei Norwegian Cruise Line und Star Cruises an Schiffbauprojekten beteiligt war. Als nächste Schritte stehen die endgültigen Bauverträge und die Festlegung der technischen Details an. Erst danach wäre der Weg für den tatsächlichen Bau der ersten Schiffe frei. Ob und wann Norsemen Cruises den geplanten Betrieb 2028 aufnehmen kann, hängt damit auch vom weiteren Verlauf der Verhandlungen mit der chinesischen Werft ab.
Ingo Thiel ist Reisejournalist, Buchautor und Kreuzfahrtexperte. Seit mehr als 25 Jahren veröffentlicht der Lübecker Reportagen in Tageszeitungen, Magazinen und Fachzeitschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf zahlreichen Reisen und Expeditionen lernte er viele Kreuzfahrtschiffe verschiedener Reedereien kennen.