Juni 19, 2026

Mit der Seabourn Ovation zwischen Feuer, Fjorden und Freiheit

Seabourn Ovation

Juni 19, 2026

Es ist Juni als ich in Reykjavik an Bord der Seabourn Ovation gehe und zu dieser Zeit hat die Nacht auf Island kaum noch Bedeutung. Die Sonne verschwindet erst kurz vor Mitternacht hinter dem Horizont und geht schon drei Stunden später wieder auf. Während das Schiff entlang der rauen Küsten des Nordatlantiks gleitet, begleitet uns ein Licht, das nie ganz erlischt. Es legt sich wie ein silberner Schleier über Fjorde, Basaltfelsen und die scheinbar endlosen Weiten des Meeres. Schon nach kurzer Zeit fühlt sich diese Kreuzfahrt an wie eine Reise durch eine andere Welt.

Aufbruch zur Kreuzfahrt in Reykjavik.

 

Am Sonntagmorgen öffne ich die Balkontür meiner Suite und trete hinaus. Die Luft ist klar und salzig. Direkt vor mir erhebt sich eine gewaltige Basaltwand aus dem Meer. Tausende Seevögel besetzen die schmalen Felsvorsprünge, ihre Rufe erfüllen die Stille. Wir liegen vor Heimaey, der größten Insel der Vestmannaeyjar, auf Reede. Über die steilen Klippen ziehen Möwen und Papageitaucher ihre Kreise, während tief unten die Brandung gegen die Felsen schlägt. Kaum zu glauben, dass seit dem Einschiffen in Reykjavik nicht einmal 20 Stunden vergangen sind. Vielleicht liegt es am magischen Sommerlicht Islands, vielleicht aber auch daran, dass man mit dem Betreten der Seabourn Ovation in eine andere Welt eintaucht – und zwar in eine ausgesprochen komfortable.

Basaltfelsen vor Heimaey / Island.

Vulkane, Gletscher und eine unvergessliche Zimtschnecke

Dabei hatte der Tag in Reykjavik ganz bodenständig begonnen. Im sehenswerten Perlan Museum bekam ich einen ersten Eindruck von Islands spektakulärer Natur: Vulkane, Gletscher, Lavafelder und Eishöhlen. Und dann war da noch diese Zimtschnecke aus dem bunten Brauð & Co Café. Eigentlich nur als kleiner Snack gedacht, entwickelte sie sich zu einem echten kulinarischen Highlight. Warm, herrlich duftend und großzügig mit Zimt und Kardamom gewürzt – wer nach Reykjavik kommt, sollte unbedingt mal bei diesem Café vorbeischauen.

Brauð & Co Café
Das Brauð & Co Café in Reykjavik.

 

Auf der Seabourn Ovation warten die Deck-Stewards Nana und Keven vor der Suite mit Champagner, Macarons und einer Auswahl duftender Seifen, natürlich alles Designermarken. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie ausgezeichnet der Service und die exzellente Gastfreundschaft auf der Seabourn Ovation noch überzeugen werden. Das Schiff verabschiedet sich von Reykjavik und mein erster Abend an Bord gehörte dem Solis, Seabourns neuem Restaurant, das sich den mediterranen Speisen widmet. Die Dorade mit Pesto und gegrilltem Gemüse? – Ein Traum. Das Tiramisu zum Dessert direkt am Tisch zubereitet. Wenn das so weiter geht, werde ich an ausgedehnten Aufenthalten im Fitnesscenter kaum mehr herumkommen.

Suite auf der Seabourn Ovation
Suite auf der Seabourn Ovation.

 

Seabourn Ovation
Im Restaurant The Patio kann man auch draußen speisen.

Heimaeys Geschichte

Und nun also Heimaey. Die kleine Insel vor der Südküste Islands wirkt friedlich, doch der Eindruck täuscht. Kaum ein Ort in Island erinnert eindrucksvoller daran, wie eng Schönheit und Naturgewalt miteinander verbunden sein können. In der Nacht zum 23. Januar 1973 wurde die Bevölkerung von Heimaey jäh aus dem Schlaf gerissen. Am Rand der Stadt öffnete sich die Erde. Feuerfontänen schossen in den Himmel und Lava strömte talwärts. Der neue Vulkan Eldfell – auf Deutsch „Feuerberg“ – war entstanden. Was folgte, ging als eine der dramatischsten Naturkatastrophen Islands in die Geschichte ein. Innerhalb weniger Stunden wurden fast alle Bewohner evakuiert. Monatelang kämpften die Menschen gegen die Naturgewalten, pumpten Meerwasser auf die glühenden Lavaströme, um deren Ausbreitung zu bremsen. Eine verzweifelte Maßnahme, die jedoch dazu beitrug, den Hafen zu retten. Noch heute sind die Spuren dieser Ereignisse überall sichtbar. An manchen Stellen ragen die Überreste verschütteter Häuser aus den erkalteten Lavamassen hervor. Doch Heimaey erzählt nicht nur von Feuer, sondern auch vom Leben. Die Insel beherbergt eine der größten Papageitaucher-Kolonien der Welt. Jedes Frühjahr kehren Hunderttausende der bunten Vögel aus dem offenen Nordatlantik zurück, um hier zu brüten.

Die Seabourn Ovation vor Heimaey.
Die Seabourn Ovation vor Heimaey.

 

Das Lotsenboot begleitet uns vor Heimaey.

Mit dem Bike über die Landebahn

Am nächsten Tag liegen wir vor Djúpivogur auf Reede. Eigentlich hatte ich hier eine Kajaktour geplant, aber die See ist zu stürmisch, weshalb der Touranbieter einen Rückzieher macht und mir stattdessen ein Mountainbike vorschlägt. Keine schlechte Idee! Schon ein paar Hundert Meter hinter der Siedlung grast eine Herde Rentiere auf einer Anhöhe. Ich folge ihren Spuren und plötzlich finde ich mich auf der Start- und Landebahn des kleinen Flughafens von Djúpivogur wieder. Eine schnurgerade Asphaltpiste zieht sich durch die Ebene. Es ist kein Flugzeug zu sehen oder zu hören, nur der Wind und das leise Surren meiner Reifen. Wann bekommt man schon die Gelegenheit, mit dem Fahrrad über eine Landebahn am Ende der Welt zu fahren?

 

Djupivogur

 

Doch das eigentliche Highlight wartet noch. Vor mir taucht das Meer auf. Zunächst nur als schmaler Streifen am Horizont, dann immer gewaltiger. Schließlich endet der Weg an einem Strand aus tiefschwarzem Vulkansand. Keine Menschenseele ist zu sehen. Ich steige ab und gehe die letzten Meter zu Fuß. Vor mir rollt der Nordatlantik heran, wild und ungezähmt. Die Wellen hinterlassen weiße Linien auf dem schwarzen Sand, während über den Bergen einzelne Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke brechen. In einer Welt, in der selbst abgelegene Orte oft von Besuchern belagert werden, fühlt sich dieser Moment wie ein Geschenk an.

 

Djupivogur auf Island.
Djupivogur auf Island.

Piano Man im Club

Mit einem Highlight ganz anderer Art verabschiedet sich der Tag an Bord. Cruise Director Nick Martland, der seine Karriere einst als Sänger im Entertainmentteam begonnen hatte, zelebriert eine Billy Joel/Elton John-Show in der Bar ‚The Club‘. Es ist gerappelt voll, als Nick und seine Band die größten Hits der Weltstars absolut gekonnt interpretieren. Bei Piano Man und Rocket Man singen alle mit und die Seabourn Ovation scheint noch ein bisschen mehr über das Meer zu tanzen.

Seabourn Ovation
Täglich wird grandiose Livemusik auf der Seabourn Ovation geboten.

Ein Tag auf See

Ein Tag auf See steht an und zum Glück präsentiert sich der Nordatlantik von seiner harmlosen Seite. Jetzt ist also endlich mal Zeit, das Gym zu besuchen, im Whirlpool zu plantschen und am Seabourn Square, dem kommunikativen Treffpunkt im Herzen des Schiffes, einen Cappuccino zu trinken und ein Buch zu lesen. Da so gut wie alle Getränke bei Seabourn schon im Reisepreis enthalten sind, braucht man sich über diese Nebenkosten schonmal keine Gedanken zu machen. Dann schon eher über die Qual der Wahl, ob man heute Abend lieber ins Hauptrestaurant geht, nochmal ins Solis, oder doch lieber ins Sushi oder ins The Colonnade. Natürlich ist das Essen überall fantastisch, aber in jedem Restaurant gibt’s jeden Abend unterschiedliche Themen, die sich oft an den Regionen der Kreuzfahrt orientieren.

Seabourn Ovation
Ein Cocktail lässt sich besonders gut im Whirlpool genießen …

 

Seabourn Ovation
Blick aufs Sonnendeck der Seabourn Ovation.

 

Seabourn Ovation
Immer schön: Vom Balkon der Suite auf den Nordatlantik schauen. Vielleicht lässt sich ja ein Wal sehen?

 

Im Puffin Express über die Shetlands

Früh am nächsten Morgen erreichen wir die Shetland Inseln, die – wie wir erfahren – näher an Norwegen liegen als an Schottland. Ich ergattere einen Platz im Puffin Express, der mich quer über die Insel zu einem ganz besonderen Schauplatz bringt: zum Sumburgh Head. Der Leuchtturm im Süden von Mainland (der Hauptinsel) erweist sich als sensationeller Beobachtungspunkt für Papageientaucher, die hier zuhauf an den Klippen nisten.

Shetlands
Landschaft auf den Shetlands.

 

Papageientaucher auf den Shetlands.
Papageientaucher auf den Shetlands.

 

Shetlands

Zurück in der kleinen Hauptstadt Lerwick schlendere ich noch ein wenig durch die urigen Gassen, vielen bestimmt bekannt aus der TV-Serie Mord auf Shetland. Es gibt jede Menge unabhängige Shops, die Pullover und Schals aus selbstgestrickter Wolle verkaufen, nette Pubs und Cafés und sogar einen Straßenmusiker, der dem Regenschauer trotzt und seine wohltönende Stimme durch den Ort schallen lässt.

Lerwick

In den Highlands

All die Bilder, die man vor Augen hat, wenn man an Schottland denkt, begegnen mir am nächsten Tag. Im Hafen von Invergordon warten kernige Männer im Schottenrock auf ihre Gäste, die Touren in die Highlands gebucht haben. Ich will gerade lächelnd auf einen zusteuern, als mich eine kleine, ältere Dame in einem lilafarbenen Hosenanzug abfängt: June. Mein Tourguide. „Los geht’s, meine Liebe. Kennen Sie die Serie ‚Outlander‘?“  Wer kennt die nicht, denke ich und setze mich zu ihr ins Auto. „In den nächsten Stunden werden Sie lauter Schauplätze entdecken, die Sie im Film gesehen haben“, plaudert June munter drauflos und steuert zunächst die Clava Cairns an. Mystische Steine, die der Wissenschaft noch immer Rätsel aufgeben. Fast direkt nebenan schlendern wir über das berühmte Schlachtfeld von Culloden. Am 16. April 1746 gipfelte hier der letzte Jakobitenaufstand in einer der erschütterndsten Schlachten der britischen Geschichte. Anhänger der Jakobiten, die die Stuart-Monarchie auf den britischen Thronen wiederherstellen wollten, versammelten sich, um gegen die Regierungstruppen des Duke of Cumberland zu kämpfen. Es war die letzte offene Feldschlacht auf britischem Boden; in weniger als einer Stunde kamen rund 1.600 Männer ums Leben – 1.500 von ihnen waren Jakobiten.

Die Clava Cairns in der Nähe von Inverness.
Die Clava Cairns in der Nähe von Inverness.

 

Das Schlachtfeld von Culloden.
Das Schlachtfeld von Culloden.

 

Die Gärten von Clawdor Castle

Als weit weniger gruselig erweist sich das wunderschöne Schloss Clawdor Castle, das wir als Nächstes anschauen. Noch mehr als das Anwesen an sich begeistern mich allerdings die faszinierenden Gärten um das Castle herum. Noch schnell ein Tee und Scones im Schlosscafé, dann geht’s schon weiter. Wir fahren durch grüne Wiesen mit zotteligen Hochlandrindern darauf, passieren den berühmten Loch Ness und machen Station in Inverness, der Hauptstadt der Highlands.

Clawdor Castle

 

Als June mich am späten Nachmittag wieder pünktlich zum Schiff bringt, würde ich am liebsten noch ein wenig dableiben. Doch die SEABOURN OVATION will weiter. Es wartet noch ein Seetag darauf, die vielen Annehmlichkeiten an Bord zu genießen, und dann endet die Kreuzfahrt schon wieder. Unglaublich, was man in einer Woche alles erleben kann. Und wie gut man sich erholt, wenn einem so ziemlich jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird. Als wir am nächsten Morgen die weißen Klippen von Dover sehen und wenig später in diesem englischen Hafen anlegen, muss ich eines zugeben: Ein wenig beneide ich die gutgelaunten Gäste, die jetzt einfach an Bord bleiben und sich auf die nächste Etappe der Reise freuen.

Seabourn Ovation

Text & Fotos: Susanne Müller

Informationen:

Die Seabourn Ovation ist ein Ultra-Luxus-Kreuzfahrtschiff, das 2018 in Dienst gestellt wurde. Sie bietet Platz für rund 600 Passagiere in 300 Suiten, alle mit privater Veranda. Bei einem exzellenten Crew-Gast-Verhältnis von über 1:1,6 zeichnet sie sich durch All-Inclusive-Leistungen, erstklassige Gastronomie und eine entspannte Atmosphäre aus. Die meisten Gäste kommen aus den USA, ein großer Teil aus UK und ganz Europa. Bordsprache ist Englisch und Bordwährung ist der US-Dollar.

Information und Buchung: Seabourn, 7 Tage Karibik ab Barbardos/bis Sint Maarten im Dezember 2026 ab 3.098 Euro. www.seabourn.com

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