Januar 27, 2026

Landgang in Acapulco: Zwischen Glamour, Abgründen und mutigem Neubeginn

Landgang in Acapulco

Januar 27, 2026

Ein Landgang in Acapulco erweist sich als Ausflug durch eine Stadt, die mehr erlebt hat, als die meisten Badeorte der Welt. Unser Guide Rudi, 72 Jahre jung und so agil wie ein Mittdreißiger, klärt uns gleich auf, dass er uns nicht nur die Glanzseiten seiner Heimatstadt zeigen wird. „Ihr sollt alles sehen“, sagt er und kurvt, ohne mit der Wimper zu zucken, mitten durchs Verkehrschaos in ein ärmliches Viertel mit einem lokalen Markt. „Hier kaufen alle ein, die sich den Supermarkt nicht leisten können. Und wisst ihr was? Die Tomaten schmecken hier viel besser!“

Acapulco: eine Stadt der Gegensätze

Unsere Fahrt führt durch Viertel, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite einfache Wohngegenden mit tiefen Schlaglöchern in den Straßen und nur wenige Minuten später passieren wir bewachte Villen, luxuriöse Apartmentanlagen und teure Hotels mit Panoramablick auf die berühmte Bucht von Acapulco.

Die goldene Ära des Glamours

Unweigerlich schweifen die Gedanken zurück in jene Zeit, als Acapulco als Inbegriff von Luxus und Lebenslust galt. In den 1950er- und 1960er-Jahren war die Stadt einer der angesagtesten Urlaubsorte der Welt. Hollywood-Stars, Millionäre und internationale Prominenz flanierten entlang der Küste, während elegante Hotels und exklusive Clubs aus dem Boden schossen.

Elvis Presley drehte hier Szenen für den Film „Fun in Acapulco“ und machte die Stadt endgültig weltberühmt. Auch Schauspiellegenden wie Errol Flynn, Frank Sinatra oder Elizabeth Taylor zählten zu den Stammgästen. Acapulco war ein Symbol für Freiheit, Exotik und mondänen Lebensstil – ein Ort, an dem die Nächte länger und die Träume größer schienen als anderswo.

Der tiefe Fall – und ein schmerzhafter Ruf

Doch Ruhm ist vergänglich. Mit dem Aufkommen neuer Urlaubsziele, wirtschaftlichen Problemen und vor allem der Eskalation des Drogenkriegs geriet Acapulco ab den 2000er-Jahren in einen dramatischen Abwärtsstrudel. Zeitweise galt die Stadt als eine der gefährlichsten der Welt, international bezeichnet sogar als „Hauptstadt der Morde“. Touristen blieben fern, und das einstige Paradies wurde zum Mahnmal für gescheiterte Sicherheitspolitik.

In den letzten Jahren hat sich das Bild erneut verändert. Massive Sicherheitsmaßnahmen, verstärkte Polizeipräsenz und gezielte Investitionen in Tourismus und Infrastruktur zeigen Wirkung. Die Stadt ist heute sicherer als noch vor einem Jahrzehnt. Kreuzfahrtschiffe kehren zurück, und mit ihnen neues Vertrauen.

Die Klippenspringer von La Quebrada 

Den emotionalen Höhepunkt unseres Ausflugs bildet der Besuch der berühmten Klippenspringer von La Quebrada. Hoch über dem tosenden Pazifik stehen die Springer auf schmalen Felsvorsprüngen, bis zu 35 Meter über dem Meer. Unter ihnen öffnet sich eine enge Felsspalte, in die sie sich nur dann stürzen können, wenn die Wellen den Wasserstand für wenige Sekunden anheben.

Diese Tradition reicht zurück bis in die 1930er-Jahre, als junge Männer begannen, ihre Kühnheit und Körperbeherrschung unter Beweis zu stellen. Mit der Zeit wurden die Sprünge immer spektakulärer, die Klippen höher, die Regeln strenger. Viele Springer stammen aus Familien, in denen diese Tradition über Generationen weitergegeben wurde. Einige beginnen bereits als Jugendliche mit niedrigeren Sprüngen und arbeiten sich über Jahre nach oben.

Wenn ein Springer schließlich abspringt und für einen Augenblick scheinbar schwerelos in der Luft schwebt, hält der Atem der Zuschauer an. Dann der Einschlag ins Wasser, Applaus brandet auf – und man versteht, warum La Quebrada weit mehr ist als eine Touristenattraktion. Es ist ein Sinnbild für Acapulco selbst: fallen, überleben und wieder aufsteigen.

Text & Fotos: Susanne Müller

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