Still liegt die Amera auf der Reede, als die ersten Tender Kurs auf Nuku Hiva nehmen. Schon aus der Entfernung wirkt die Insel wie ein grünes Versprechen mitten im endlosen Blau des Pazifiks: schroffe Berge, tiefe Täler, Wasserfälle, die sich wie silberne Fäden aus dem Dschungel lösen. Wir sind auf der größten Insel der Marquesas, einem der abgelegensten Archipele der Welt.
Ankommen am Ende der Welt
Nuku Hiva gehört zu Französisch-Polynesien und liegt rund 1.400 Kilometer nordöstlich von Tahiti. Hier draußen, fernab klassischer Südseeromantik mit Lagunen und Palmenstränden, zeigt sich Polynesien von seiner ursprünglichen Seite. Die Küsten sind steil und das Inselinnere wild und exotisch.
Unser Guide Richard begrüßt uns am Kai mit einem rustikalen Pick-up und dem Versprechen uns seine Heimat bei einer unvergesslichen Rundfahrt zu zeigen. Doch bevor es zu Aussichtspunkten oder historischen Stätten geht, lädt er uns überraschend zu sich nach Hause ein. Wie cool, einfach so, auch ein Stück Alltag kennenzulernen. Richards Haus liegt eingebettet in üppiges Grün. Sein Garten ist ein kleines Paradies: Mangobäume mit schweren, reifen Früchten, Bananenstauden, die sich im warmen Wind wiegen, dazwischen leuchtende exotische Blumen. Stolz zeigt er uns seine Vanillepflanzen, die er vor einigen Jahren selbst angelegt hat – ein Geduldsspiel, denn Vanille braucht Zeit, Pflege und Erfahrung.
Nuku Hiva mit allen Facetten
Dann beginnt die Fahrt über Nuku Hiva. Die Straße schlängelt sich durch tiefe Täler und hinauf auf aussichtsreiche Höhen. Immer wieder hält Richard an – und jedes Mal raubt uns der Blick den Atem. Steilküsten fallen dramatisch ins Meer ab, Wolken treiben über die Berge und zu unseren Füßen glitzert der Pazifik.
Ein Höhepunkt des Ausflugs ist der Besuch einer uralten Zeremonienstätte, eines sogenannten Marae. Moosbedeckte Steinplattformen, kunstvoll behauene Tiki-Figuren und eine fast mystische Atmosphäre erzählen von einer Zeit, als die Marquesas ein kulturelles Zentrum Polynesiens waren. Diese Stätte – stellvertretend für viele archäologische Orte auf der Insel – wurde vor gut einem Jahr Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Ein Blick zurück
Die Geschichte Nuku Hivas ist bewegend: Einst lebten hier Zehntausende Marquesaner. Mit der Ankunft europäischer Entdecker im 18. Jahrhundert – darunter auch James Cook – kamen Krankheiten und Umbrüche, die die Bevölkerung dramatisch schrumpfen ließen. Später besuchten Schriftsteller wie Herman Melville und Robert Louis Stevenson die Südsee-Insel und schwärmten von ihrer Schönheit. Heute sind es die Touristen, die sich vom Charme Nuku Hivas verzaubern lassen ind die Erinnerung an diese ganz besondere Insel mit nach Hause nehmen.
S.M.