Mit dem Deutschlandgeschäft erweitert die Reederei ihre bisherige Präsenz in Europa. Ambassador ist bislang vor allem im britischen Markt aktiv, hat sich zuletzt aber auch in Frankreich etabliert. Deutschland soll nun als weiterer wichtiger Quellmarkt erschlossen werden.
Neues Schiff für den deutschen Markt
Die künftige Ambella wurde 1999 gebaut und gehört zur sogenannten R-Klasse. Das Schiff war zunächst unter dem Namen R Four für Renaissance Cruises im Einsatz, bevor es später zu Princess Cruises wechselte. Seit 2016 fährt es als Sirena für Oceania Cruises. Das rund 670 Gäste fassende Schiff soll im Frühjahr 2028 an Ambassador übergeben werden. Bis dahin bleibt es noch für Oceania Cruises im Einsatz. Für den Wechsel wird das Schiff unter anderem einen neuen Namen und eine auf den deutschen Markt zugeschnittene Positionierung erhalten.
Ambassador setzt dabei bewusst nicht auf einen Neubau oder ein großes Schiff mit mehreren tausend Passagieren. Stattdessen soll die Ambella mit ihrer überschaubaren Größe ein persönlicheres Kreuzfahrterlebnis ermöglichen.
Ab Kiel und Bremerhaven unterwegs
Im Sommer 2028 soll die Ambella erstmals für deutsche Gäste in See stechen. Als Ausgangshäfen sind Kiel und Bremerhaven vorgesehen. Geplant sind mehrere Kreuzfahrten, die vor allem nach Nordeuropa und ins Baltikum führen. Auch Reisen in Richtung Südeuropa sind vorgesehen. Durch die vergleichsweise geringe Größe des Schiffes kann Ambassador zudem kleinere Häfen ansteuern, die für große Kreuzfahrtschiffe nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind.
Für den deutschen Markt soll das gesamte Angebot deutschsprachig ausgerichtet sein. Das betrifft sowohl die Kommunikation an Bord als auch das Kreuzfahrterlebnis insgesamt.
Adults-only-Konzept bleibt bestehen
Wie bei den bisherigen Ambassador-Angeboten richtet sich auch die neue deutsche Marke ausschließlich an Erwachsene. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere erfahrene Kreuzfahrer und Reisende ab 50 Jahren. Das Konzept kombiniert eine kleinere Schiffgröße mit einem umfangreichen Bordangebot und einem stärker auf die Reiseziele ausgerichteten Programm. Damit will sich Ambassador von den großen Kreuzfahrtschiffen abheben, die zunehmend auf hohe Passagierzahlen, zahlreiche Unterhaltungseinrichtungen und ein möglichst breites Massenmarktangebot setzen. Die Ambella soll dagegen stärker für Ruhe, persönlichen Service und intensive Reiseerlebnisse stehen.
Ambassador Cruise Line wurde 2021 gegründet und nahm 2022 den Kreuzfahrtbetrieb auf. Die beiden ersten Schiffe, Ambience und Ambition, wurden zunächst vor allem auf den britischen Markt ausgerichtet. Mit der Übernahme der französischen Compagnie Française de Croisières baute Ambassador seine Präsenz in Europa weiter aus. Das französische Geschäft wird inzwischen unter dem Namen Ambassador Croisières geführt. Mit der Expansion nach Deutschland folgt nun der nächste Schritt. Dabei setzt die Reederei auf unterschiedliche Markenauftritte für die jeweiligen Quellmärkte. Während das britische Angebot auf britische Gäste zugeschnitten ist und Ambassador Croisières französische Kunden anspricht, soll Ambassador Kreuzfahrten ein eigenständiges deutschsprachiges Produkt erhalten.
Im Winter wird das Schiff zum Campus
Auch für die Monate außerhalb der deutschen Kreuzfahrtsaison gibt es bereits Pläne. Ambassador will die Ambella künftig unter anderem für das Bildungsprogramm Semester at Sea einsetzen. Dabei dient das Schiff als schwimmender Campus, auf dem Studierende während einer mehrmonatigen Reise verschiedene Länder und Kulturen kennenlernen. Der Einsatz der Ambella für das Programm ist ab Herbst 2028 vorgesehen. Damit soll das Schiff auch während der Wintermonate genutzt werden, während es in der europäischen Sommersaison für deutsche Kreuzfahrtgäste im Einsatz ist.
Buchungsstart für Ende 2026 geplant
Die ersten Reisen der neuen Marke sollen im November 2026 in den Verkauf gehen. Weitere Einzelheiten zu den Routen, Reiseverläufen und dem konkreten Angebot will Ambassador vor dem Buchungsstart bekannt geben. Für die Reederei ist der Deutschlandstart ein wichtiger Schritt beim Aufbau einer europäischen Kreuzfahrtgruppe. Nach Großbritannien und Frankreich soll nun auch Deutschland mit einem speziell auf den jeweiligen Markt zugeschnittenen Angebot erschlossen werden.
Die Ambella übernimmt dabei eine doppelte Rolle: Sie ist das erste Schiff der neuen deutschen Marke und zugleich der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung von Ambassador Kreuzfahrten in Deutschland. Ob künftig weitere Schiffe hinzukommen, lässt die Reederei zunächst offen. Fest steht jedoch, dass Ambassador mit dem Start im Sommer 2028 erstmals mit einem vollständig deutschsprachigen Kreuzfahrtprodukt auf dem deutschen Markt antreten will.
Ingo Thiel ist Reisejournalist, Buchautor und Kreuzfahrtexperte. Seit mehr als 25 Jahren veröffentlicht der Lübecker Reportagen in Tageszeitungen, Magazinen und Fachzeitschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf zahlreichen Reisen und Expeditionen lernte er viele Kreuzfahrtschiffe verschiedener Reedereien kennen.