Die „Georg Büchner“ steuert auf ein ungewisses Schicksal zu: „Monatlich fallen immerhin Kosten an in Höhe von rund 25.000 Euro für Wachpersonal, Heizung, Strom, Wasser etc.“, sagt uns Rostocks Hafenkapitän Gisbert Runke. Er war einst auf diesem Schiff gefahren und weiß also wovon er spricht, wenn er den erforderlichen Aufwand für eine Restaurierung mit „etwa vier Millionen Euro“ schätzt.
Zum Jahreswechsel berichtete die „Ostsee-Zeitung“, dass das Schiff vermutlich an einen Abwracker in Litauen verkauft sei und „im Januar 2013“ seinen Liegeplatz verlassen werde. Spätestens in diesen Tagen wurden die Schiffsliebhaber aktiv – vornean einige belgische Enthusiasten. Dazu muss man wissen, dass die „Georg Büchner“ vor ihrem Einsatz als Frachter der Deutschen Seereederei Rostock, dann als Ausbildungsschiff und zuletzt als schwimmendes Hotel nicht nur ein Stück ostdeutscher Geschichte ist, sondern noch davor als Mitglied einer aus fünf baugleichen Einheiten bestehenden Schiffsfamilie der in Antwerpen ansässigen Compagnie Maritime Belge unter Kennern viel Beachtung gefunden hatte. Mit ihrem Erstnamen „Charlesville“ 1951 in Dienst gestellt, war sie als Kombi in einem Frachter, Tanker und Passagierschiff mit 120 Gästebetten und pendelte damals im Liniendienst zwischen Antwerpen und den einstigen belgischen Kolonien Kongo und A ngola.
Ulrich Kunze, Pressechef der Stadt Rostock – ein hervorragender Schiffskenner, wie wir während unseres Telefongesprächs registrierten –, konnte noch Mitte Januar nichts Genaues über das weitere Schicksal der „Georg Büchner“ sagen. Da standen noch Gespräche mit belgischen Interessenten und Denkmalschützern an.
Letztere haben nun soeben festgestellt, dass die „Georg Büchner“ denkmalgeschützt ist und nicht einfach so entsorgt werden kann. O-Ton: „Einer Verschiffung ins Ausland und einer eventuellen Verschrottung kann auf Grundlage der vorliegenden Unterlagen nicht zugestimmt werden. Nach § 6 Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern ist der Eigentümer verpflichtet, das Schiff im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten. Der Verein (der bisherige Betreiber, d. Red.) kann sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf Unzumutbarkeit berufen, da die Denkmalbehörden Kenntnis darüber haben, dass gegenwärtig Dritte die Übernahme des Schiffes zwecks Erhalt prüfen. Im Fortgang des Verfahrens hat für die Denkmalbehörden der Erhalt des Denkmals Priorität.“ Das könnte das Schiff retten. Jetzt müsste noch die Kostenfrage geklärt werden. Wir hoffen, dass ein Weg gefunden wird.
Tö