Wer mit der Autofähre reist, muss sich nicht mit langweiligen Schnellrestaurants zufriedengeben. Die beiden Moby-Flagschiffe Moby Fantasy und Moby Legacy sind mit einem innovativen gastronomischen Konzept zwischen dem italienischen Festland und Sardinien unterwegs. Dazu gehört ein Gourmet-Restaurant ebenso wie eine eigene Käserei. Jürgen Gebhard hat es sich schmecken lassen.
Um 5.30 Uhr ist die Nacht vorbei. Über die Bordlautsprecher werden die wenigen Passagiere geweckt, die an diesem Mittwoch im Mai an Bord der Moby Fantasy unterwegs sind. Freundlich informiert eine Stimme auf Italienisch und Englisch über das Frühstücksangebot auf Deck neun. Um sieben Uhr soll die Fähre im Hafen von Olbia anlegen, Autofahrer werden gebeten, sich rechtzeitig zu ihren Fahrzeugen zu begeben. Ich drehe mich noch einmal um. Gerade als ich wieder eingeschlafen bin, meldet sich der Bordlautsprecher ein zweites Mal. Jetzt gebe ich auf. Ich verschwinde im Bad, packe meinen Koffer und ziehe die Kabinentür hinter mir zu. Ich gönne mir einen Cappuccino und ein mit Pistaziencreme gefülltes Croissant. Ich genieße es – bis die grüne Creme auf mein weißes T-Shirt tropft.

Der Urlaub beginnt an Bord
Es gibt viele Möglichkeiten, ans Mittelmeer zu reisen. Für die meisten Urlauber ist das Flugzeug die schnellste. Die Fähre ist aber wohl die schönste. „Bei uns beginnt der Urlaub schon an Bord“, sagt Raoul Zanelli Bono von Moby Lines. Mit dem Bau der beiden Schwesterschiffe Moby Fantasy (2022) und Moby Legacy (2024) habe Reeder Vincenzo Onorato Einzigartiges schaffen wollen: Kreuzfahrt-Feeling kombiniert mit einem gastronomischen Konzept, das eilige Gäste, Familien und Genießer gleichermaßen anspricht. Weltweit sei das wohl einzigartig.

Zwischen Livorno und Olbia
Das kulinarische Angebot auf den nahezu baugleichen Schiffen, die täglich zwischen Livorno auf dem italienischen Festland und Olbia auf Sardinien verkehren, überrascht mich. Ein ganzes Deck ist der Kulinarik gewidmet. Statt eines großen Schnellrestaurants setzt Moby Lines auf ein modernes Food-Court-Konzept mit italienischer Erlebnisgastronomie – mit Pinseria, Grill, Pasta-Stationen, Obsttheke und als Höhepunkt einem Gourmet-Restaurant. Automatische Kassen und die Serviceroboter „Amico“ unterstützen das Bordpersonal. Viele Gerichte werden in offenen Küchen zubereitet, sodass die Gäste den Köchen direkt bei der Arbeit zusehen können. Selbst Pasta und Mozzarella entstehen direkt an Bord.

Mozzarella vom Feinsten
Für den Mozzarella ist Francesco Sannino verantwortlich. Der Käsemeister stammt aus der Region Neapel, der Heimat des Mozzarellas. Von dort kommen auch die Zutaten für den Büffel- und Kuhmilchmozzarella, den er täglich frisch herstellt. Bis zu neun Kilogramm werden in einer halben Stunde produziert – Käse, der wenig später Pizzen, Salate und zahlreiche andere Gerichte an Bord verfeinert. Wie groß der Unterschied zu Supermarktware ist, merke ich sofort, als mir Francesco Sannino eine Kostprobe reicht. Der Mozzarella schmeckt deutlich aromatischer als alles, was man gewöhnlich aus deutschen Kühlregalen kennt.

Gourmetküche auf dem Weg nach Sardinien
Besonders beeindruckt mich das Gourmet-Restaurant. Die Speisekarte verbindet moderne mediterrane Küche mit kreativen Fine-Dining-Ideen. Zur Auswahl stehen etwa „Rindfleisch-Tataki mit Mandelcreme, gebratenen Artischocken, Minzsauce und Pecorino Romano“, „Gebratener Fisch mit argentinischen Garnelen und paniertem Gemüse“ oder „Black-Angus-Carpaccio mit Rucola-Pesto, Kirschtomaten-Confit und Balsamico-Kaviar“. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche weitere Spezialitäten der zeitgenössischen italienischen Küche – in einer Qualität, die man auf einer Fähre kaum erwarten würde – und das zu fairen Preisen.


Meine Wahl fällt auf einen Tintenfisch-Burger mit knusprigen Kartoffelchips und cremigem Stracciatella-Käse für 25 Euro. Zum Dessert bestelle ich ein Tiramisu – und werde mit einer stilvollen Präsentation überrascht: Serviert wird es in einer kleinen auseinandergeschraubten Mokkakanne. Im unteren Teil befindet sich die luftige Mascarponecreme, im oberen wird frisch gebrühter Espresso gereicht, dazu gibt es klassische Löffelbiskuits.
Natürlich kann man an Bord – wie es viele Trucker tun, die mit ihren Lastzügen Waren auf die zweitgrößte Insel des Mittelmeeres bringen – auch das eingepackte Butterbrot essen oder die zuhause gut gefüllte Tupperdose leeren. Angesichts der kulinarischen Vielfalt an Bord sollte man sich das als Urlauber allerdings sehr gut überlegen.


Mit den Hunden nach Sardinien
Bevor ich mir zum Abschluss des Tages noch einen Drink gönne, treffe ich ein italienisches Ehepaar, das mit Wohnmobil und drei Hunden unterwegs nach Sardinien ist. Gäste mit ihren vierbeinigen Freunden sind an Bord willkommen, erfahre ich. Extra für sie stehen 46 der insgesamt 441 Kabinen in unterschiedlichen Kategorien bereit. In der Hauptsaison sind sie schnell ausgebucht.

An der Außenbar auf Deck elf ist die Auswahl an Cocktails und Longdrinks beeindruckend. Ein Foto der Getränkekarte schicke ich per WhatsApp an meine Tochter zu Hause. Ihre Antwort kommt prompt: Mojito. Mit dem kühlen Cocktail in der Hand lasse ich den Abend entspannt im Licht des Sonnenuntergangs ausklingen.

Fotos: Jürgen Gebhard
(Einen Artikel über Urlaub auf Sardinien lesen Sie hier.)
Infos zur Fähre: Moby Lines
Das Unternehmen
Zur Moby-Gruppe gehören die Marken Moby Lines, Tirrenia-CIN und Toremar unter der Leitung der Onorato Armatori S.r.l.. Als italienisches Familienunternehmen ist die Gruppe nach eigenen Angaben seit über fünf Generationen im Mittelmeerraum als führende Kraft in der Personen- und Frachtschifffahrt etabliert.
Die Schiffe
Die beiden Flaggschiffe Moby Fantasy und Moby Legacy sind eingesetzt auf der Strecke Livorno-Olbia-Livorno. Siezählen zu den größten und umweltfreundlichsten Fähren im Mittelmeer. Beide sind vorbereitet auf den Betrieb mit Flüssigerdgas (LNG).

Moby Fantasy: Neubau 2022. Kapazität 3000 Passagiere und 1300 Autos. 441 Kabinen in unterschiedlichen Kategorien (auch für Reisende mit Beeinträchtigungen sowie für Reisende mit Hunden), Liegesessel-Bereich, freies Internet. Kulinarik: unterschiedliche Angebote, u.a. Pinseria, Gourmet-Restaurant, Pasta-Shop mit Produkten, die an Bord zubereitet werden, Cocktailbar, Nonstop-Service während der gesamten Fahrt.
Moby Legacy: Neubau 2024, Ausstattung vergleichbar
Die Schwesterschiffe sind auch technisch fast identisch: Länge etwa 237 Meter, Breite etwa 32 Meter, Reisegeschwindigkeit 23 bis 25 Knoten. Sie verkehren unter italienischer Flagge, der Heimathafen ist Neapel. Zur Besatzung gehören je nach Saison mindestens 120 Personen, hauptsächlich italienische Staatsbürger.

Die perfekte Reisezeit
Die Moby Fantasy und die Moby Legacy verkehren ganzjährig zwischen Livorno und Olbia. Die Saison beginnt regelmäßig zu Pfingsten mit den ersten Wohnmobilen aus Deutschland. Mitte Juni bis Mitte September sind Schulferien in Italien. Dann ist Hauptsaison, und die Fährtickets für maximal 3000 Passagiere und 1300 Autos sollten rechtzeitig reserviert werden. Als perfekte Reisezeit für Sardinien wird der Herbst mit seinen angenehmen Temperaturen empfohlen.

Die Kosten der Überfahrt
Abhängig von der Saison und Unterbringung, zum Beispiel: 2 Erwachsene mit Auto (bis 5 Meter Länge), 16. Juli 2026, 9.30 Uhr, Hinfahrt von Livorno (keine Kabine); 30. Juli 2026, 22 Uhr, Rückfahrt von Olbia (2-Bett-Außenkabine): ab 473 Euro (Rückfahrt im Liegesessel ab 328 Euro; Hin- und Rückfahrt in V-Class Juniorsuite 913 Euro)
Mehr Infos: www.mobylines.de
