Mal gleiten seine Finger über die Tasten, streicheln sie förmlich, dann wieder hackt er mit allem, was zur Verfügung steht – einschließlich der Füße – auf das Piano ein: das ist Mister Red Shoes, ein Pianoakrobat, wie er selten zu finden ist. 88 Tasten bedeuten sein Leben – und das verbringt Klaus Friedrich Debusmann zum großen Teil auf Schiffen. Auf der „Europa“ begann seine Tournee auf den Ozeanen, später war er zu Gast auf der „Hanseatic“, der „Bremen“, der „Deutschland“, der „Berlin“, der „Columbus“, der „Delphin“, der „Daphne“, der „Ocean Majesty“, der „Arkona“ und der „Hamburg“.
Klaus Friedrich Debusmann: der Piano-Akrobat
Geboren in Höxter, aufgewachsen in Albaxen, führte ihn der Weg schnell die Weser hinauf. Über Holzminden ging’s nach Hameln, wo er eine Lehre als Buchhändler bestritt. Aber die gar nicht einmal so heimliche Leidenschaft gehörte von Kindesbeinen an dem Klavier. Seine Mutter war es, die ihm mit einem Finger das erste Rock’n’Roll-Motiv auf den weiß-schwarzen Tasten zeigte. Dann tauchte auf dem Fernsehbildschirm Jerry Lee Lewis auf, der diese Musik in Perfektion zelebrierte, und um den jungen Klaus Friedrich Debusmann war es geschehen. Er kaufte alles, was der Südstaaten-Musiker veröffentlichte, wurde selbst zum Rock’n’Roller und ist nach dem Tod von Ted Herold vielleicht der letzte Deutsche dieses Genres.
„Ich brauche die Bühne“
Den ersten Auftritt erlebte Debusmann als Jazz-Pianist in Hannover, dann „floh“ er vor der Bundeswehr nach Berlin, wo ihm das Glück hold war. Durch Privatkonzerte gab es für den Ostwestfalen günstigen Wohnraum, zudem entstanden schnell Kontakte zu Theatern, die auch seine Künste als Komponist zu schätzen wussten. Debusmann arbeitete an der Oper, am Theater, in seiner Debby Lee-Band – alles gleichzeitig. „Ich brauche die Bühne“, erkannte er schnell und spielte fortan auch zehn Jahre lang in einem Klavier-Duo und kreierte dessen Stilistik unter der Bezeichnung „KlaVierhändigen BaRock“.
Debüt bei Hapag-Lloyd Cruises
Ein Talentscout von Hapag-Lloyd wurde in Bremen auf den großen blonden Mann aufmerksam und führte ihn in das Reich der Kreuzfahrtschiffe ein. An Bord begeistert er das Publikum regelmäßig – nicht nur mit bekannten Klassikern, die er stets neu arrangiert und gern vom Dreiviertel- in den Siebenachtel-Takt überführt, sondern vorrangig mit Eigenkompositionen. Dabei bezieht er das Publikum stets mit ein, nimmt es an Bord der Schiffe mit auf eine zusätzliche Reise. Die Versuche, die Rock’n’Roll-Gitarre durch das Klavier zu ersetzen, gestalteten sich ebenfalls erfolgreich. Die ihm gestellte Aufgabe, den Buddy-Holly-Klassiker „That’ll be the day“ fürs Klavier umzuschreiben, muss allerdings noch erledigt werden.
Mr. Red Shoes
Aber wie wurde aus Klaus Friedrich Debusmann, der sich rund drei Monate im Jahr auf einem Schiff aufhält, eigentlich Mister Red Shoes? „Dafür konnte ich selbst gar nichts“, antwortet er. 1999 war es, als auf der „Deutschland“ eine Gruppe amerikanischer Reisegäste auf seinen Auftritt wartete. Dem Ansager war der eigentliche Name des Pianisten zu kompliziert und innerhalb von Sekunden kündigte er ihn einfach als „Mister Red Shoes“ an. Der Name blieb. Und Debusmann pflegt sein Image. „Inzwischen habe ich 64 Paar rote Schuhe“, berichtet der Mann, der schon mit Little Richard, Chuck Berry, Shakin‘ Stevens und Jerry Lee Lewis gemeinsam auf der Bühne stand.
Vier Stichwörter für Mister Red Shoes:
Das Lieblings-Schiff: „Das war für mich die ,Europa‘ – da begann ja auch alles für mich.“
Das Lieblings-Reisegebiet: „Ganz klar: Ich fahre unglaublich gern nach Norwegen.“
Der Lieblings-Hafen: „Da muss ich nachdenken. Aber ich bin immer begeistert, wenn wir in Funchal auf Madeira einlaufen.“
Der Lieblingsplatz auf dem Schiff: „Am Piano. Oder irgendwo, wo ein Blick auf die Natur möglich ist.“
Text & Fotos: Dirk Kröger