Luxussuiten und „La Dolce Vita“: Die S(ilversea)-Klasse unter den Kreuzfahrtschiffen überzeugt durch allerhöchsten Komfort, legeren Lifestyle und ein umfassendes Inclusive-Konzept.
Vorfreude ist die schönste Freude – oder eine kleine, silberfarbene Schatulle. Drei Wochen vor der Abreise steckt sie im Briefkasten. Umhüllt von raschelndem Seidenpapier und gefüllt mit ledernen Gepäckanhängern, hochglänzenden Bordbroschüren, gewichtigen Dokumentmappen, unserer E-Mail-Adresse an Bord und einem persönlichen Gruß der Reederei. „Dieses Schiff muss etwas ganz Besonderes sein“, befinden wir – und sollen uns schon bald in dieser Vorahnung bestätigt fühlen.
Gründonnerstag auf Mykonos: Es ist der erste Tag unserer Reise und überall auf der Insel riecht es nach sonnenwarmer Luft und wildem Salbei. „Sorry, Silver Shadow, ein paar Stunden musst du wohl noch auf uns Winterflüchtlinge warten. Bereits jetzt in deinem klimatisierten Schiffsbauch zu verschwinden und aufs abendliche Ablegen zu warten, wäre bei diesem Wetter einfach eine Schande …“. Überall wird gepinselt und geschrubbt, gehämmert und ins rechte Frühlingslicht gerückt. Nur noch ein einziger Tag, dann wird mit dem ersten Charterflieger die (Vor)Saison eröffnet. Doch bis dahin bleiben wir die einzigen Fremden in Mykonos-Stadt – die „verrückten Kreuzfahrer“, die sich bei 16 °C den Kaffee im Freien servieren lassen und sogar nach dem Weg zum Strand fragen!

„Silver Shadow gutes Schiff. Immer nur lächelnde Passagiere. Und viiiieel Geld!“, berichtet der Tavernenwirt. Wie Recht er doch hat, erfahren wir nur eine Stunde später am eigenen Leib. „Wo ist bloß mein Koffer“, lautet unsere Frage. „Zu unserem größten Bedauern noch irgendwo zwischen Berlin, Athen und Mykonos unterwegs“, lautet die Antwort des engagierten Concierge, der nach Rücksprache mit der Airline bereits einen Plan ausgearbeitet hat: „Also, vor übermorgen lässt sich da leider nichts machen. Aber natürlich wird Ihnen der Bordschneider noch heute einen Leihsmoking sowie einige Teile aus der Bordboutique anpassen. Und bis alles geändert ist, schätzen wir uns sehr glücklich, Sie auch in Jeans und T-Shirt im Restaurant empfangen zu dürfen.“
Doch an diesem Abend steht uns der Sinn ohnehin eher nach Rückzug und so lassen wir uns das erste Fünf-Gang-Menü dieser Reise eben ganz entspannt in unsere 65,12 qm große Silver-Suite servieren. Der schönste Raum auf so viel Raum? Vielleicht die eigene Teak-Terrasse? Oder das verglaste Schlafzimmer mit Blick vom Bett aufs Meer? Die Whirlpoolwanne im Marmorbad? Oder doch das Sofa im Salon? Schenkt uns See- und Sehtage in dieser Suite, in der allein das Ankleidezimmer schon größer ist, als die Studentenbude unserer Jugend …
Leben wie einst Onassis auf Skorpios
Zwei Tage später liegen wir vor Lefkada. Wir frühstücken auf dem überdachten Freideck vor dem Terrace Café, schlürfen Café au lait aus hauchdünnen Goldrandtassen, knabbern Croissants aus silbernen Körbchen und versenken danach noch ein paar Erdbeeren in Champagner. Ein sanfter Wind und eine beständige Strömung sorgen dafür, dass sich die Silver Shadow währenddessen um die eigene Ankerkette dreht und Fischdörfer, Orangenhaine sowie Bergmassive vor unserem Logenplatz vorbeiziehen. Absolutes Highlight unserer zeitlupenlangsamen „Karusselfahrt“ ist jedoch Skorpios, das sagenhafte Eiland von Aristoteles Onassis. Jede Viertelstunde taucht die dicht bewaldete Privatinsel vor uns aus, zeigt sich kurz in ihrer ganzen Schönheit und verschwindet dann wieder aus dem Blickfeld.

Da das Anlanden auf Skorpios streng verboten ist, hat die Reiseleitung eine kostenlose Annäherung per Ausflugsdampfer für uns organisiert. „Früher“, sagt Dimitri unser Führer, „tobte hier das Leben und es gab kaum eine Sommernacht, an dem es nichts zu feiern gab. An manchen Tagen ließ Aristoteles seine Partygäste sogar mit der eigenen Hubschrauberflotte einfliegen. Dann hingen die knatternden Höllenmaschinen wie ein Moskitoschwarm über der Insel und die Blitzlichter der Paparazzi tauchten das Meer in gewittergleiches Licht.“
Heute ist von soviel High-Life nichts mehr zu spüren. Seit dem Tod des Tanker-Tycoons liegt die Insel im Dornröschenschlaf. Kein Mensch ist zu sehen, als wir Skorpios umrunden. Kaum vorzustellen, dass die Callas hinter dem Haupthaus einst ihre Koloraturen probte, oder dass sich Jackie O. hier allmorgendlich nackt in die Fluten stürzte … Doch genug der Melancholie. Wir wollen feiern – und haben dank des wieder aufgetauchten Koffers auch allen Grund dazu. Vorbei die Zeiten des selbst gewählten Suiten-Asyls! Ab sofort ist „Socializing“ angesagt – und das beginnt auf der Silver Shadow zumeist mit Sundownern und Small Talk an der Pool-Bar. „Where are you from?“, „How was your day?“, „And isn’t that the greatest ship?“ – Rund die Hälfte aller Passagiere stammt aus den USA. Man nennt sich beim Vornamen, verzichtet auf Titel und hat einander auch sonst nichts mehr zu beweisen.

Silver Shadow: Legerer Luxus for Forty- and Fiftysomethings …
Im Gegensatz zu vielen anderen Schiffen der Oberklasse ist das Publikum an Bord außerdem erstaunlich jung. „Forty- and Fiftysomethings“ bestimmen das Bild und sorgen dafür, dass sich auch nach 22 Uhr im Casino noch die Kugel dreht und der DJ in der Panorama-Lounge alle Platten voll zu tun hat. „Exklusiv und entspannt zugleich“ lautet das Motto sämtlicher Silversea-Schiffe. Hier diniert man eben nicht nur auf höchstem kulinarischen Niveau, sondern auch ohne Tischzeiten und Sitzordnung. Und anstatt sich über so lästige Kleinigkeiten wie Trinkgelder den Kopf zu zerbrechen, genießt man einfach den allumfassenden All-Inclusive-Service, der jedes Kalkulieren mit fremden Bordwährungen oder dem eigenen Budget überflüssig macht. Denn vom Champagner in der Suite über den Wein im Restaurant bis hin zum Wäscheservice ist an Bord fast alles inklusive.

Handgeschöpfte Schokoladeneier
Ostern auf See. Nach einer stürmischen Nacht liegt Griechenland hinter uns und Italien noch einen langen Seetag voraus. Pünktlich zum Frühstück haben sich die Wellen wieder beruhigt. „Lieber einen kleinen Lachsbagel oder doch vielleicht ein paar Bananen-Pancakes mit Sirup? Das Leben ist schön, wenn sich selbst die zweite Wahl als erstklassige Entscheidung herausstellt und dienstbare Geister den Happy-Easter-Brunch mit handgeschöpften Schokoladeneiern versüßen. Später am Morgen stoßen wir beim Stöbern in der Bordbibliothek auf Alessandro Bariccos Legende von „Novecento“ – dem Ozeanpianisten, der sein Schiff so sehr liebte, dass er es zeit seines Lebens nicht verließ. Früher hätten wir eine solche Geschichte als müdes Märchen abgetan. Heute klingt sie jedoch wie eine wunderschöne, vom Takt der Dünung bestimmte Musik, in unseren Ohren.
Kreuzen vor Bella Italia
Ob Schwefelschwaden auf dem Ätna oder dampfende Spaghetti Vongole im Hafenbecken von Sorrento – die beiden folgenden Tage zwischen Sizilien und der Amalfi-Küste bedeuten Bella Italia im Überfluss. Keine Sekunde ohne Sinnestaumel. Keine Minute ohne Postkartenklischee. Per Tenderboot pendeln wir zwischen zwei Traumwelten – der an Bord und der an Land …
Und dann die letzte Nacht der Reise. Noch einmal wie auf Wolken schweben, bevor wir wieder festen Alltagsboden unter den Füßen haben. Ein einziges Mal in seinem Leben dachte Novecento über ein paar Stunden Landgang nach. Er schaffte es bis auf die dritte Stufe der Gangway. Dann machte er kehrt, ging zurück ins Schiff und behauptete fortan, der glücklichste Mensch der Welt zu sein. Irgendwie können wir ihn verstehen …
Silver Shadow
Technische Daten:
Baujahr: 2000
Länge: 186 Meter
Breite: 24,80 Meter
Tiefgang: 6,1 Meter
Geschwindigkeit: 21 Knoten
Passagierdecks: 7
Passagiere: max. 382
Crew: 302
Passagier-Crew-Verhältnis (PCR): ca. 1,3
Bordsprachen: englisch
Flagge: Bahamas
Reederei: Silversea Cruises
Suiten: insgesamt 184, in den Kategorien Owner’s, Grand, Royal, Silver, Medallion, Veranda, Terrace und Vista. Sie verfügen alle über Marmorbäder mit Wanne, Butler-Service und mit Ausnahme der Vista-Suiten auch über eigene Balkone.
Stil & Ambiente: An Bord herrscht eine sehr entspannte und trotzdem elegante Atmosphäre. Das Publikum ist sehr international mit einem Schwerpunkt auf Gästen aus den USA. Man kommt schnell ins Gespräch und fühlt sich mitunter eher wie auf einer sehr luxuriösen Privatyacht, als auf einem Kreuzfahrtschiff.
Restaurants & Bars: Hauptspeisesaal „The Restaurant“, Buffet-Restaurant „La Terrazza“, „Pool Bar & Grill“ für Abendessen unter freiem Himmel, „Le Champagne“ – das einzige Relais&Châteaux-Gourmetrestaurant auf See.
Bordunterhaltung: In der Show Lounge wird abends klassisches Bord-Entertainment geboten. Außerdem gibt es ein Casino, eine Bar, eine Panorama-Lounge sowie die Connoisseur’s Corner für Zigarrenraucher.
Sport & Spa:
Eleganter Spa- und Fitnessbereich mit Beauty- und Massageangebot direkt hinter der Observation Lounge mit großzügigem Freideckbereich. Außerdem gibt es einen Jogging-Track an Bord.
Service: Ebenso freundlich wie hochprofessionell und bestens geschult. Noch besser und aufmerksamer geht es wohl auf kaum einem anderen Schiff zu.
Infos: www.silversea.com
Fotos: Silverseas, Susanne Müller
