September 30, 2025

Expedition Wissen: Mit der „Roald Amundsen“ durch Alaska

Roald Amundsen Alaska

September 30, 2025

Wenn Norma die Explorer Lounge der „Roald Amundsen“ für ihre morgendliche Erzählstunde betritt, verstummt schlagartig das Stimmengewirr. Die 58-Jährige mit dem offenen Lächeln stammt aus Mud Flats, einem 400-Seelen-Dorf an der rauen Beringküste. Für viele Gäste an Bord ist sie die erste Inuit, der sie so nah begegnen. Und sie spüren schnell: Norma ist mehr als eine erzählende Bordunterhalterin. Sie ist eine Brückenbauerin zwischen Welten und Kulturen.

Norma spricht von ihrer Kindheit in einer Landschaft, in der Winter und Sommer nicht nur Jahreszeiten sind, sondern Lebensbedingungen. Von der Jagd, die das Überleben sichert, von Kleidungsstücken, die aus Seehundfell gefertigt und mit feinen Stichen zusammengefügt werden. Das Publikum in der Lounge ist gebannt. Fragen sprudeln: Wie ist es, im arktischen Winter zu jagen? Welche Rituale begleiten das Nähen von Parkas? Wie funktioniert das Zusammenleben in einer Gemeinschaft, die so eng mit der Natur verbunden ist?

Roald Amundsen Alaska

Als Norma gemeinsam mit Mitgliedern des Expeditionsteams einen traditionellen Yup’ik-Tanz aufführt, werden Hände zu Flügeln, Körper zu den Stimmen der Ahnen. Denn dieser Tanz ist eine uralte Form der Erzählkunst und transportiert lehrreiche Geschichten – Geschichten, die sonst verloren gingen. Aus der geplanten morgendlichen Kaffee-Stunde werden fast immer anderthalb. Gebannt hängen die mehr als hundert Passagiere an Normas Lippen, niemand will den Raum verlassen. Denn Norma erzählt nicht nur von ihrer Kultur – sie erzählt von einer Lebensweise, die lehrt, dass das Verhältnis zur Natur keine Nebensache, sondern überlebenswichtig ist.

Roald Amundsen Alaska

Mit der „Roald Amundsen“ durch Alaska

Die 2019 zur Flotte gestoßene Roald Amundsen ist das Aushängeschild von HX, der von Hurtigruten abgespaltenen und jetzt mit Investorenunterstützung eigenständigen Reederei: Das erste Hybrid-Expeditionsschiff der Welt ist dank modernster Technik mit deutlich reduziertem Ausstoß unterwegs. Zwei große Batteriepacks speichern Energie, die Motoren laufen mit besonders sauberem Treibstoff. Kapitän Rune Alme reduziert die Geschwindigkeit, wann immer es geht, und nutzt Wind und Strömung für energiesparende Routen: „Wir fahren zwischen zwölf und vierzehn Knoten, nicht, weil wir müssten – sondern weil wir so sauberer unterwegs sind.“ Nachhaltigkeit ist kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. Neben langsamem Fahren, optimierten Routen und schwefelarmem Kraftstoff sind der Verzicht auf Einwegplastik, Wärmerückgewinnung aus Maschinen, eine intelligente Lichtsteuerung und modernste Abwassertechnik seit Jahren Standard. Auch die Gäste werden sensibilisiert – dabei aber nicht belehrt, sondern inspiriert. „Wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel diese Welt und ihre grandiose Natur auch noch erleben können“, sagt Alme. Seine Worte wirken nicht wie Floskeln, sondern wie gelebte Überzeugung.

Roald Amundsen Alaska

Jetzt buchen: Kurs Nord: 24.7.2026 Kreuzfahrt Alaska-Kanada: Aleuten, Bären, die Inside-Passage 19 Tage

Kurs Süd: 6.9.2026 Kreuzfahrt Alaska-Kanada 17 Tage

Mit Platz für bis zu 500 Gäste bietet die Roald Amundsen elegante Kabinen, Panoramarestaurants und großzügige Decks. Skandinavische Naturmaterialien wie Granit, Eiche, Birke und Wolle wurden verwendet, um stilvolle Kabinen und öffentliche Bereiche zu schaffen. Alle Kabinen sind Außenkabinen, 50 Prozent verfügen über einen eigenen Balkon, und die Eck-Suiten bieten einen privaten Whirlpool im Freien mit Aussicht.

Roald Amundsen Alaska

 

Roald Amundsen: Passagiere als Forscher

Das Herzstück der Expeditions-Erlebnisse an Bord ist das Science Center, bestückt mit modernster Technologie und Hightech-Geräten wie starken Mikroskopen, Touchscreens und wissenschaftlicher Ausrüstung wie einer eigenen Unterwasserdrohne. Hier treffen sich die Gäste und das Expeditionsteam und schaffen ein tieferes Verständnis für die Gebiete, die Sie erkunden. An Bord der Roald Amundsen geht Wissenschaft nicht am Gast vorbei – sie holt ihn mitten hinein. „Citizen Science“ bedeutet, dass Passagiere nicht nur Zuschauer sind, sondern Teil der Forschung werden. Sechs Projekte stehen während dieser Reise zur Auswahl. Mit „iNaturalist“ fotografieren Gäste Tiere und Pflanzen. Jede Beobachtung wird hochgeladen, von Wissenschaftlern weltweit verifiziert und fließt in globale Datenbanken ein. Ein eigener Folder für diese Reise sorgt dafür, dass die Expedition digital dokumentiert wird.

Roald Amundsen Alaska

 

Ausflug im Science Boat

Mit dem „NASA-Cloudobserver“ fotografieren Passagiere Wolken, die später mit Satellitenbildern abgeglichen werden. So verbessert die NASA langfristig ihre Wettervorhersagen. „eBird“ ist das globale Vogel-Monitoring-System, bei dem selbst kleinste Sichtungen von Möwen oder Seeadlern wichtig sind. Mit „orca.org“ und „Happywhale“ werden Sichtungen von Meeressäugern erfasst, anhand der Flossenmuster können einzelne Tiere identifiziert werden. Besonders eindrucksvoll ist das „Phytoplankton-Monitoring“: Gäste fahren in „Science Boats“ genannten Zodiacs hinaus und werfen Planktonnetze unterschiedlicher Stärke ins Meer. Forschung in Gummistiefeln – nahbar, greifbar, und oft mit Aha-Effekt. Die Plätze sind limitiert und heißbegehrt, immerhin 38 Passagiere können an sechs Ausfahrten teilnehmen. Die hochgezogenen Proben aus unterschiedlichen Wassertiefen werden gesichert und abends per Mikroskop im brechend vollen Science Center von den Experten analysiert und für alle sichtbar auf große Bildschirme eingespielt. Winzige Organismen, unsichtbar fürs bloße Auge, erscheinen plötzlich groß und farbig.

Roald Amundsen Alaska

Jetzt buchen:  20 Prozent Ermäßigung auf den Reisepreis sowie zusätzlich 500 Euro Vorteil pro Person. Ein außergewöhnliches Angebot für zwei besondere Abfahrten am 1. Mai 2026 und 13. Juni 2026. Das Angebot ist limitiert, Änderungen und Zwischenverkauf vorbehalten.

Mehr Informationen zur Reise gibt es hier: Infos.

Mit forschenden Wissenschaftlern an Bord wird die „Roald Amundsen“ zum schwimmenden Labor. Internationale Forscher von renommierten Forschungseinrichtungen nutzen das Schiff zur Durchführung eigener Untersuchungen. Im vergangenen Jahr hat HX acht Projekte mit 19 Wissenschaftlern gesponsert, flottenweit waren es auf allen fünf Schiffen 20 Projekte und 87 Forscher, die von Freikabinen und Einrichtungen profitierten. In Vorträgen präsentieren die Wissenschaftler den Gästen ihre Arbeit und erklären Sinn sowie Zweck. Bei einigen Projekten dürfen die Passagiere unter Anleitung auch selbst Hand anlegen und Wasserproben einholen oder Messungen durchführen. So bleibt Forschung nicht hinter verschlossenen Türen, sondern wird direkt erlebbar.

Alaska vom Feinsten

Die Route ist ein Best-of der nordamerikanischen Wildnis. In den Misty Fjords spiegeln sich 900 Meter hohe Granitwände im Wasser. Über den Gästen in den Zodiacs ragen die steilen Wände empor, alles ist von Moosen und Nadelwald überwuchert, durchzogen von Wasserfällen, die wie Silberfäden in die Tiefe stürzen. Die Misty Fjords gehören zum Tongass National Forest, dem größten zusammenhängenden Regenwald Nordamerikas. Das flächenmäßig mit Abstand größte National Monument der USA umfasst die Spitze des Alaska Panhandle, des südlichsten Teils Alaskas. Schriftsteller John Muir pries die Gegend einst als „eine der schönsten Landschaften der Erde“.

Roald Amundsen Alaska

Nur zwei Tage später schlängeln sich die Zodiacs zwischen Eisschollen hindurch, das Eis knistert und knackt, wenn es gegeneinanderstößt. Robben dösen auf Schollen, Eisberge mit bizarren Formen und Farben von glasklar bis mittelblau treiben auf dem Wasser, kippen plötzlich.  Am Horizont erhebt sich der mächtige Mount St. Elias, mit 5.489 Metern der vierthöchste Berg der USA. Vier Gletscher – Guyot, Yahtse, Tyndall und Issa – säumen den Fjord. Wenn ein Gletscher kalbt, donnert eine gewaltige Menge Eis ins Meer. Die Wucht ist körperlich spürbar.

Roald Amundsen Alaska

 

Landgang in Alaska

Der erste Landgang führt nach Wrangell, einer Kleinstadt mit 2.500 Einwohnern. Sie liegt an der Mündung des Stikine River und ist die einzige Stadt Alaskas, die nacheinander von vier Nationen regiert wurde: von den Tlingit, von Russland, von England und schließlich von den USA. Überall in der Stadt finden sich Totempfähle. Auf Chief Shakes Island steht ein Stammeshaus der Tlingit, gefüllt mit Decken, Werkzeugen, Masken. Nördlich der Stadt befindet sich der Petroglyph Beach, in dem Felszeichnungen zu sehen sind, die 8.000 Jahre alt sind. Es gibt rund 40 Petroglyphen, aber die meisten sind bei Flut überschwemmt. Die Bedeutung ist immer noch nicht geklärt, es wird angenommen, dass sie für religiöse oder schamanistischen Rituale genutzt wurden.

Roald Amundsen Alaska

 

Roald Amundsen Alaska

 

Sitka: Russisch-Amerika …

Sitka, die Hauptstadt von Russisch-Amerika ist ein Ort voller Geschichte. Hier gründete Alexander Baranow Ende des 18. Jahrhunderts die russische Siedlung Nowo-Archangelsk, das 1808 zur Hauptstadt wurde.1867 wurde hier Alaska von Russland an die USA übergeben – für 7,2 Millionen US-Dollar, ein Geschäft, für das der damalige Außenminister verspottet wurde, „Seward’s Folly“. Heute weiß man: Es war einer der besten Deals der amerikanischen Geschichte, denn die riesigen Bodenschätze wie Erdöl, Erdgas, Kohle, Metalle und Mineralien entpuppten sich als Multi-Milliarden-Geschäft. In Sitka steht noch die-russisch-orthodoxe Bischofskirche, die St. Michael’s Cathedral, und eine pittoreske Häuserzeile in der Altstadt.

Roald Amundsen Alaska

 

Waisenhaus für Bärenkinder

Eine häufig übersehene Attraktion, ist das etwas außerhalb der Stadt gelegene „Fortress of the bear“ – ein Waisenhaus für Bärenkinder, deren Mutter getötet oder schwer verletzt wurde. Das privat geführte Bärenrettungszentrum, das von Spenden lebt, holt verwaiste Bären aus ganz Alaska und setzt sie im Erwachsenenalter entweder wieder aus oder vermittelt die Bären an Zoos weltweit. Derzeit leben acht verwaiste Bären in drei separaten Großgehegen. Diese Gehege sind der natürlichen Umgebung nachempfunden, mit Bachläufern und Graswiesen. Besucher haben einen großen, überdachten Hochstand und können von dort oben fotografieren.

Roald Amundsen Alaska

 

Die Bären von Kodiak Island

Weiter nördlich warten noch zahlreichere Begegnungen mit Bären – auf Kodiak Island, der zweitgrößten (8975 km²) Insel der USA, leben rund 3.500 Kodiaks, im Katmai-Nationalpark mehr als 2.000 der riesigen Braunbären. Wenn die Lachse im Sommer die Flüsse hinaufwandern, ist Festzeit: Bären versammeln sich an Stromschnellen, stellen sich ins Wasser und schnappen mit beeindruckender Präzision nach den springenden Fischen. Ab Mitte Juli ist das Bären-Buffet eröffnet und die massigen Raubtiere tummeln sich am Ufer und vor Stromschnellen. Bis Ende August ist Hochsaison, so lange wandern die Lachse zahlreich die Flüsse hinauf. Und versorgen die Braunbären in wenigen Wochen mit dem Proteinbedarf eines ganzen Jahres.

Gemessen am Gewicht der gefangenen Fische (> 350.000 t/Jahr) ist Dutch Harbour der größte Fischereihafen der USA. Hier liegen auch die Boote der Krabbenfischer, die unter härtesten Bedingungen nach der riesigen King Crab fischen. Gut zu sehen in der US-Dokuserie „Der Fang des Lebens“ auf DMAX.

Die Krabbenfischerflotte von Dutch Harbour.

 

Die Navy Air Base

Im 2. Weltkrieg vervierfachte sich die Einwohnerzahl schlagartig, die Navy Air Base wurde 1941 fertiggestellt, später kam ein U-Boot-Hafen dazu. Ein Jahr später erlangte Dutch Harbour traurige Berühmtheit: Bis heute ist das Städtchen neben Pearl Harbour das einzige Territorium der USA, welches nach Staatsgründung jemals von einem Kriegsgegner angegriffen wurde: Am 3. und 4. Juni 1942 tauchten japanische Jagdflieger und Bomber auf, die von zwei Flugzeugträgern starteten. Flugplatz, Flugzeuge, Munitionslager, Nachschubdepots, Funkanlagen und Mannschaftsbaracken wurden zerstört. Die US-Truppen wurden am ersten Tag im Schlaf überrascht, es gab keinerlei Warnung, 43 Tote und mehr als 50 Verwundete waren zu beklagen.

Die nördlichste Station ist Saint Paul, größte der Pribilof-Inseln. Im 19. Jahrhundert bevölkerten noch Millionen Seebären (Northern Seal Furs) die Strände der Insel und zogen hier ihre Jungen auf. Russische und später amerikanische Jäger erschlugen die Tiere wegen ihrer Pelze in Massen. Den Tieren wurde auf der Insel ein Denkmal errichtet, heute sollen es immerhin noch Zehntausende sein, die jedes Jahr für ein paar Monate herkommen, mehr als 50 Prozent der weltweiten Population.  Die Jagd ist mittlerweile gesetzlich verboten.

 

Wale und Delfine gesichtet

Am vorletzten Tag der Reise stellt das Expeditionsteam die Ergebnisse der Citizen Science-Projekte vor. Zunächst werden Bilder gezeigt, die von der Unterwasserdrohne in Sitka, Uyak Bay (Kodiak)und in Kinak Bay (St.Paul) aufgenommen wurden. Am Pier von  Sitka beeindrucken vor allem Seeanemonen, -igel und -sterne, Quallen ziehen pulsierend Wasser ausstoßend vorbei. In den Seegraswäldern von Uyak Bay verstecken sich Nadelfische in Kinak Bay sind es vor handtellergroße Krabben, die die Zuschauer begeistern.

Die Zahlen der Citizen Science-Projekte beeindrucken: 181 von 270 Passagiere haben bei der Dokumentation mitgemacht und ihre Fotos auf die Plattform iNaturalist hochgeladen. Bei 1.104 Beobachtungen konnten 379 Arten zugeordnet werden. Via eBird App wurden 81 Spezies erkannt, der NASA wurde per GlobeObserver mit Bildern aus acht Erkundungen geholfen, jeweils 20 Zoo- und 20 Phytoplankton-Proben wurden genommen. Über Happywhale sind 33 Buckelwale, 17 Tümmler, 8 Delfine, jeweils 7 Sperm- & Finnwale sowie ein Grauwal gemeldet.

 

Diese Expeditionsreise war mehr als Urlaub

Die Zahlen verdeutlichen, die „Roald Amundsen“ ist kein Kreuzfahrt- oder Expeditionsschiff im klassischen Sinn. Sie ist ein schwimmendes Versprechen: dass Reisen mehr sein kann als das Betrachten schöner Landschaften – ein Beitrag zu tieferem Verständnis, so Kapitän Rune Alme beim Abschiedscocktail in der Explorer Lounge: „Expedition bedeutet nicht nur, entlegene Orte zu sehen, sondern auch zu lernen – von Kulturen, von der Natur.“ Und während draußen das Meer im Abendlicht glänzt, wird klar: Diese Expeditionsreise war mehr als Urlaub. Es war eine eindringliche Lektion in Staunen und Verstehen, ein Abenteuer, das nachwirkt.

Ingo Thiel (Text & Fotos)

Roald Amundsen Alaska

Über www.Eisexpeditionen.de  profitieren Gäste von einem exklusiven Special: Bis zu 20 Prozent Ermäßigung auf den Reisepreis sowie zusätzlich 500 Euro Vorteil pro Person. Ein außergewöhnliches Angebot für zwei besondere Abfahrten am 1. Mai 2026 und 13. Juni 2026. Das Angebot ist limitiert, Änderungen und Zwischenverkauf vorbehalten.

Mehr Informationen zur Reise: Infos.  

Zwei kürzere Alaska-Reisen mit HX: 10 Tage oder

12 Tage

(Wussten Sie, dass Sie auf der Roald Amundsen einen Pol-zu-Pol-Whisky testen können? – Hier geht’s zum Bericht.)

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