März 1, 2026

Das Camp

Rezension Das Camp, Linus Geschke, Piper Verlag. Spannungsgeladene Literatur, die das Böse direkt in die Nähe seiner Protagonisten rückt

März 1, 2026

Das Camp von Linus Geschke setzt die erzählerische Reise der vom Autor sogenannten Donkerbloem-Trilogie dort fort, wo der erste Band „Der Trailer“ endet.  Schon in diesem Vorgänger hatte der Autor den abgelegenen Campingplatz Donkerbloem in den belgischen Ardennen als düsteren, bedrohlichen Schauplatz etabliert, an dem vor vielen Jahren eine junge Frau spurlos verschwand. „Der Trailer“ eröffnete die Serie mit einer doppelten Zeitebene und einem komplexen Puzzle aus Vergangenheit und Gegenwart: Die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke gelangte über einen True-Crime-Podcast zu dem viel zu lange ungelösten Fall der jungen Lisa Martin, die vor 15 Jahren am Campingplatz verschwunden war, und geriet dabei nicht nur auf die Spur eines noch aktiven Täters, sondern auch in ein Geflecht aus kriminellen und emotionalen Verstrickungen, das zu ihrer Suspendierung führt, weil sie mächtigen Menschen zu nahe gekommen ist.

Im jetzt vorliegenden zweiten Teil der Trilogie verlagert Autor Geschke den Fokus von der großen Aufklärungsgeschichte des Cold Cases auf eine mysteriöse Mordserie, die zu einer unmittelbaren Eskalation auf dem Campingplatz führt. Donkerbloem hat eine neue Besitzer- und Betreuungskonstellation bekommen: Wout Meertens, Kölner Kneipier mit belgischen Wurzeln und zwielichtiger Vergangenheit, versucht gemeinsam mit seinem besten Freund, dem ehemaligen Boxer Tayfun einen Neuanfang. Parallel dazu gerät Frieda Stahnke erneut in ein Netz aus tödlichen Ereignissen, weil ein verstörender Killer sein Unwesen treibt und sie selbst ins Visier nimmt. Es kommt zum Showdown auf dem Campingplatz.

Linus Geschke, Journalist mit Stationen bei SPIEGEL Online und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hat schon mit seinem Debüt und früheren Titeln wie „Das Loft“ gezeigt, dass er ein sicheres Gespür für dichte Atmosphäre, klare Sprache und dramaturgische Spannung besitzt. In „Das Camp“ verbindet er diese Qualitäten zu einem Thriller, der auf mehreren Ebenen funktioniert: einerseits als Fortsetzung der bisherigen Geschichte, andererseits als eigenständiges Werk mit eigener Dynamik. Dabei bleibt sein Stil flüssig, präzise und erzählerisch so fokussiert, dass die Seiten nur so dahinzufliegen scheinen.

Im Vergleich zum ersten Band zeigt sich eine deutliche Weiterentwicklung der Charaktere und des Spannungsbogens. In „Der Trailer“ entstand der Spannung oft aus der Ungewissheit zwischen den Zeitebenen und dem geheimnisvollen, bedrückenden Setting. In „Das Camp“ hingegen ist der Spannungsbogen unmittelbarer: Hier eskaliert die Gefahr und die aktive Bedrohung der Hauptfiguren zwingt diese dazu, ständig neue, riskante Entscheidungen zu treffen. Dadurch fühlen sich die Entwicklungen in diesem zweiten Band intensiver und unmittelbarer an. Die Charakterentwicklung ist dabei subtil und glaubwürdig: Figuren, die im ersten Band noch als rätselhaft oder ambivalent erschienen, etwa Wout Meertens oder auch Tayfun, treten in ein helleres, wenn auch nicht zwingend sympathischeres Licht. Die Kommissarin Frieda Stahnke bleibt zentraler Ankerpunkt: Sie ist eine Frau mit Fehlern, einer komplexen Vergangenheit und einem starken, unerschütterlichen Willen, der sie immer wieder in Konflikte führt. Die Dynamik zwischen den Figuren ist im zweiten Band ausgeprägter, nicht nur, weil sie Seite für Seite intensiver verknüpft werden, sondern auch, weil ihre Entscheidungen unmittelbare Folgen haben – sei es im privaten Bereich oder im Kampf gegen das Böse. Die kurzen Kapitel und wechselnden Perspektiven tragen dazu bei, dass der Leser nicht zur Ruhe kommt, sondern förmlich durch die Seiten getrieben wird. Geschkes Schreibstil verzichtet weitgehend auf überflüssige Ausschmückungen, was der Dramatik und dem Tempo des Thrillers zugutekommt, und schafft so einen erzählerischen Rhythmus, der Spannung aufbaut und hält. Gleichzeitig bleibt genug Raum für emotionale Tiefe und reflektierende Momente, in denen etwa die inneren Konflikte von Tayfun oder Wout greifbar werden.

Ein Stück spannungsgeladene Literatur, ein Thriller, der das Böse direkt in die Nähe seiner Protagonisten rückt und damit die Frage nach Vertrauen, Schuld und Überleben mit aller Härte stellt. Sicher ist, dass die Trilogie ihren bisherigen Höhepunkt nicht nur fortsetzen, sondern ausbauen muss.  Der finale Band „Die Schlucht“, der im Sommer 2026 erscheinen soll, ist nach den ersten beiden hervorragenden Bänden der Trilogie als Abschlussband mit sehr hohen Erwartungen konfrontiert.

Das Camp

Linus Geschke

Piper Verlag

Taschenbuch, 416 Seiten, 17 Euro

ISBN: 978-3492068628

https://www.piper.de/buecher/das-camp-isbn-978-3-492-06862-8

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