August 6, 2026

Göta Kanal Kreuzfahrt: Schwedens schönste Reise zwischen Göteborg und Stockholm

Göta Kanal Kreuzfahrt

August 6, 2026

Bei einer Reise auf dem Göta Kanal sinken Adrenalinspiegel und Puls, während das Herz ganz weit wird. Mit allen Sinnen genießen die Gäste auf der historischen „Juno“ eine Fahrt durch den schwedischen Sommer. Für WELCOME ABOARD war Susanne Müller an Bord.

Die „Juno“ erwartet uns am Packhus Kai in Göteborg. Vier Tage lang wird der klassische Passagierdampfer von 1874 unser schwimmendes Zuhause auf dem Götakanal sein. Vor dem Schiff hat sich ein junges Begrüßungskommando aufgebaut. „Herzlich willkommen!“, schüttelt uns eine Schwedin in Uniform die Hand. Tin Tin steht auf ihrem Namensschild. „So heißt der Held bei uns in der schwedischen Version von Tim und Struppi“, lacht sie und macht hinter unserem Namen ein Häkchen auf der Passagierliste. 36 Gäste aus Schweden, Deutschland, Australien, China und der Schweiz gehen diesmal an Bord. Alle sind pünktlich eingetrudelt, Tin Tins Kollegen rollen den roten Teppich zusammen, bauen die Gangway ab und los geht’s in Richtung Stockholm.

Göta Kanal Kreuzfahrt
Die Kreuzfahrt auf dem Göta Kanal startet in Götheborg. Foto: Göran Assner/visit sweden

 

Wer den Göta Kanal selbst erleben möchte, kann die historische Reise zwischen Stockholm und Göteborg heute bequem buchen.

→ Göta-Kanal-Kreuzfahrten entdecken und Termine vergleichen

Die Kabinen sind schnell inspiziert. Ein Schritt und man fällt quasi in sein Bett. Wir stellen die Koffer ab, ziehen den Vorhang vor und begeben uns zu Kaffee und Gebäck aufs Oberdeck. Kurze Zeit später, wir fahren über den Fluss Göta älv und lassen die Industriebauten von Schwedens zweitgrößter Stadt langsam hinter uns, bittet Kapitän Albert Hakansson zu einer kleinen Sicherheitseinweisung in den Salon am Bug des Schiffes.

Göta Kanal Kreuzfahrt
Kabine auf der Juno. Foto: Susanne Müller

 

Göta Kanal Kreuzfahrt

 

„Der Göta Kanal ist eng, manchmal nur gut sieben Meter breit. Unsere Juno ist 6,68 Meter breit“, informiert der Käpt‘n. „Manchmal werden wir Kontakt mit Steinen haben. Das klingt schrecklich, aber Sie brauchen keine Angst zu haben, unser Schiff ist mit Stahl verstärkt und wird heile bleiben.“

Genauso ist es. Wir passieren insgesamt 58 Schleusen auf unserer Fahrt von der Nordsee bis zur Ostsee. Manchmal knarrt es dabei ordentlich im Gebälk. Doch Sorgen macht sich nun wirklich niemand. Nachdem die „Juno“ schon fast 150 Jahre durchgehalten und die Route zwischen Göteborg und Stockholm unzählige Male gemeistert hat, wird sie wohl auch die nächsten Jahre in bewährter Manier überstehen.

Göta Kanal Kreuzfahrt

 

Die alte Lady und der Kapitän

Kapitän Albert Hakansson ist seit 2009 der Chef auf der Brücke. Bis zu seinem 64. Lebensjahr ist er auf Tankern, Frachtern und Fischerbooten gefahren. „Ich hatte nie einen richtigen Beruf“, grinst er augenzwinkernd und erzählt, dass er schon als 15-Jähriger zur See fuhr und seitdem nie mehr davon loskam. Selbst heute, in einem Alter, in dem andere längst dem Ruhestand frönen, reicht ihm die kurze Sommersaison mit der „Juno“ nicht. So bringt er seereisende Urlauber im Winter zu den Polarlichtern und zum Wale begucken. Die „Juno“ aber bleibt trotzdem etwas Besonderes für ihn. „Diese old Lady und ich, wir haben eine spezielle Beziehung zueinander.“

Göta Kanal Kreuzfahrt

Eine der eindrucksvollsten Schleusen ist Trollhättan. Genaugenommen sind es vier Schleusen, die wir hier nacheinander passieren, um die Fallhöhe von 32 Metern zu meistern. Wie die Schweden dieses Meisterwerk im 19. Jahrhundert bauten, erfahren wir im Kanalmuseum, zu dem wir einen kleinen Spaziergang unternehmen. Gegen Abend erreichen wir Schwedens größten See, den Vänersee. Nach einem typisch schwedischen Abendessen im kleinen Salon finden sich alle Gäste schnell wieder auf dem Oberdeck ein, um die Fahrt auf dem Vänern zu genießen. Wer Durst hat, bedient sich selbst an der „Honesty Bar“. Man trägt in eine Liste ein, was man getrunken hat, und bezahlt am Ende der Reise. Vertrauen wird großgeschrieben auf der „Juno“. Schlüssel zu den Kabinen gibt es nicht, entweder man schließt die Tür oder zieht den Vorhang zu oder lässt einfach alles auf.

Auf den Feldern duftet das Heu

Spiegelglatt umfängt uns der glitzernde Vänersee auf der Reise in eine helle Nacht. Irgendwann sehen wir kein Land mehr am Horizont. Längst hat sich eine sehr entspannte Atmosphäre auf unserem kleinen Schiff breitgemacht. „Die Juno kann ihre Passagiere glücklich machen“, hatte mir Kapitän Hakansson verraten. Und hinzugefügt: „A happy ship is a good ship.“ Doch die schönste Strecke des Göta Kanals kommt erst noch.

Kreuzfahrt Göta Kanal
Abendstimmung auf dem Vänern See. Foto: Anders Tedeholm/visit sweden

 

Schon vor dem Frühstück am nächsten Morgen nutzen die meisten Gäste die Gelegenheit, an der Schleuse in Godhögen auszusteigen und einen Spaziergang entlang des Göta Kanals zu machen. Es ist schon schön warm jetzt Mitte Juni. Das Heu auf den Feldern duftet und entlang des schmalen Weges blühen Lupinen und Margeriten. Die Australier staunen, wie aufgeräumt das Land wirkt. „Alles ist so sauber, überall gibt es Blumen und jedes Haus ist so schön herausgeputzt“, wundert sich ein Urlauber aus Down Under.

Göta Kanal Kreuzfahrt

 

In Töreboda kreuzt der Kanal die Eisenbahnlinie Göteborg-Stockholm und zum Ärger von Kapitän Hakansson müssen wir aufgrund eines technischen Fehlers warten und verlieren deswegen fast eine Stunde in unserem Fahrplan. Und den so gut wie möglich einzuhalten, zählt zu den größten Herausforderungen auf dieser Strecke mit den vielen Schleusen. Kurz nach dem Mittagessen erreichen wir den magischen See Viken (91 Meter über dem Meer) und danach den Lieblingsabschnitt des Käpt‘ns.

Der Kanal ist nun enger geworden, Bäume säumen seine Ufer und in der Nähe gibt es kleine, mit Seerosen bedeckte Seen. Wir gleiten in Schrittgeschwindigkeit dahin, lassen uns einlullen vom gleichmäßigen Motorengeräusch. Eine leichte Brise streicht über die Haut, Schäfchenwolken treiben am Himmel. Es gibt Kaffee und Erdbeerpralinen mit dunkler Schokolade.

Wird einem langweilig auf so einer Fahrt in Slow Motion ohne viel Entertainment? –Erstaunlicherweise nicht. Man liest, unterhält sich mit den anderen Gästen, staunt über die Schönheit des Landes. Erinnerungen an die Verfilmungen der Astrid Lindgren-Bücher erwachen. Für Menschen mit hohem Blutdruck ist diese Reise wie anno dazumal wahrscheinlich die beste Therapie. Aber eigentlich tut sie uns allen gut.

Wellen auf dem Vätternsee

Dass die „Juno“ auf ihrem Weg quer durch Schweden immer wieder gerne von Passanten am Ufer bestaunt und fotografiert wird, daran haben wir uns längst gewöhnt. Als unsere Ankunft an der Schleuse Forsvik am späteren Nachmittag aber gleich von einem Empfangskommando mit Fähnchen und Musik erwartet wird, lockt dies alle Mitreisenden an die Reling. Die religiöse Familie Kindbom hat sich am Kanal aufgestellt, singt schwedische Volkslieder und wünscht uns Gottes Segen für die Weiterreise – auf dem Göta Kanal und durchs weitere Leben. Unsere Crew reicht Gebäck als Dankeschön, wir winken und setzen die Fahrt fort.

Göta Kanal Kreuzfahrt
Wunderschön: der Vättern See in Schweden. Foto: Roger Borgelid/visit sweden

 

Eine gute halbe Stunde später legen wir in Karlsborg an und besuchen die dortige Festung. Auch wenn uns die alten Gemäuer nicht wirklich vom Hocker reißen, sind wir ganz froh, uns mal die Füße vertreten zu können. Zurück am Schiff gibt’s dann erst das Abendessen, bevor wir die Fahrt auf dem Vättersee antreten. Der zweitgrößte See Schwedens kann tückisch sein. Wenn seine Wellen zu hoch sind, lässt Kapitän Hakansson seine Passagiere schon mal mit dem Bus zum anderen Ende des Sees bringen, wo sie dann wieder in die „Juno“ einsteigen. Diesmal aber dürfen wir in aller Ruhe das Dinner einnehmen und schaukeln dann über den leicht kabbeligen Vättersee bis Motala, wo wir die Nacht verbringen.

Spaziergang im Klostergarten

Tag drei auf dem Göta Kanal: In Berg muss die „Juno“ sage und schreibe 15 Schleusen und damit 40 Meter bis zum See Roxen passieren. Wir nutzen die Zeit und schauen uns das nahegelegene Vreta Kloster an. Tin Tin hat die Gegebenheiten genau studiert und gibt einen Überblick in drei Sprachen.  Wir genießen vor allem die Atmosphäre im wunderschönen Garten des Klosters. Zurück am Schiff nehmen einige Urlauber die Gelegenheit wahr, im See zu baden. Abends bummeln wir nochmal durch das kleine Städtchen Söderköping, bevor bereits unsere letzte Nacht auf der „Juno“ anbricht.

Die Sonne geht gegen halb elf unter und um halb vier schon wieder auf. Um diese Zeit kreuzt unser Nostalgieschiff im Morgenlicht in den Schären der Ostsee. Bevor wir die Koffer packen, machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Birka, die älteste Stadt Schwedens. Ein als Wikinger verkleideter Führer erzählt uns die Geschichten der Wikinger, die einst hier lebten, die Stadt etwa 1000 nach Christi jedoch wieder aufgaben. Vorbei am Schloss Drottningholm, dem Wohnsitz der schwedischen Königsfamilie, laufen wir pünktlich in Stockholm ein. Irgendwie kommt uns Schwedens Metropole nun ein wenig zu groß, zu laut und zu hektisch vor nach all der Beschaulichkeit auf dem Göta Kanal. Kapitän Hakansson parkt die „Juno“ direkt in der Altstadt ein und alle stoßen noch einmal zusammen mit einem Glas Champagner auf diese besondere Reise an. Allen fällt es ein wenig schwer, die liebgewonnene „Juno“ nun endgültig zu verlassen. Doch es nutzt nichts, der rote Teppich ist schon ausgerollt. Die Crew wartet in Reih und Glied vor dem Schiff. Selbst der Kapitän lässt es sich nicht nehmen, jeden einzelnen per Handschlag zu verabschieden.

Göta Kanal Kreuzfahrt
Ankunft mit der Juno in Stockholm. Foto: Ola Ericson/visit sweden

 

Informationen zur Kreuzfahrt auf dem Göta Kanal:

Die „Juno“ gehört ebenso wie die beiden anderen historischen Kanalschiffe „Wilhelm Tham“ (1912) und „Diana“ (1931) zur Reederei Göta Kanal, die wiederum seit einigen Jahren ein Teil von Strömma Turism & Sjöfart AB ist. Im Jahre 1874 in der Motala Werft am See Vättern gebaut, gilt die „Juno“ als weltweit ältestes registriertes Schiff mit Übernachtungsmöglichkeiten. 1904 nahm die Motala Werkstad umfassende Umbauten am Schiff vor, vor allem wurde die Passagierkapazität erhöht. 1956 wurde die Dampfmaschine durch zwei Dieselmotoren ersetzt und 1963 erhielt das Schiff mit einem helleren Anstrich in Weiß mit schwarzen Akzenten sein jetziges Aussehen. 2003 zuletzt renoviert, steht es seit 2004 unter Denkmalschutz. Mit Ausnahme des erfahrenen Kapitäns besteht die Crew aus ganz jungen Leuten, die auf dem Schiff Erfahrungen für ihr weiteres Berufsleben sammeln. Die Gäste der „Juno“ kommen aus der ganzen Welt. Manchmal fühlt sich das Leben an Bord ein wenig eng an. Doch das zählt auch wieder zum Charme dieser Reise, die Urlauber schon im 19. Jahrhundert ähnlich wie wir heute unternahmen. Dass man Schweden genauso bereist wie einst H.C. Andersen und Henrik Ibsen ist schließlich etwas ganz Besonderes. Beim langsamen Dahingleiten auf dem Göta Kanal – ohne störendes Handygeklingel – können die Passagiere nach allen Regeln der Kunst entspannen.

Die Reise mit der historischen Juno ist besonders für alle interessant, die Schweden auf ungewöhnliche und entschleunigte Weise kennenlernen möchten.

→ M/S Juno und Göta-Kanal-Reisen ansehen 

Schiffsinfos:

Die insgesamt 29 Kabinen des Schiffes verteilen sich auf das Hauptdeck, das Brückendeck und das Shelterdeck. Auf dem Zwischendeck (Shelterdeck) liegen Speisesaal und Salon. Auf dem Brückendeck ermöglicht ein überdachtes Achterdeck bei jedem Wetter einen geschützten Ausblick auf die Landschaft. Das Interieur mit seinen Textilien und Details aus Messing spiegelt den Stil des späten 19. Jahrhunderts wider – jener Zeit, als die „Juno“ gebaut wurde.  Die Größe der Kabinen entspricht etwa der eines Schlafwagenabteils in einem Zug. Jede Kabine besitzt einen Waschtisch mit warmem und kaltem Wasser sowie Etagenbetten. Die einzige Ausnahme bildet die „Hochzeitskabine“ auf dem Hauptdeck: hier gibt es ein 120 cm breites „Queensize“-Bett. Wer eine der sechs Kabinen auf dem Brückendeck gebucht hat, darf sich auf Champagner, Obst und einen Bademantel bei der Ankunft freuen. Außerdem haben die Gäste Zugang zu einer gemeinsamen Toilette und einer Dusche. Auf dem Shelterdeck gibt es zwei Toiletten, davon eine mit Dusche. Auf dem Hauptdeck (15 Kabinen) befinden sich vier Toiletten und zwei Duschen.  Das Frühstück wird in Buffetform angerichtet, die mehrgängigen Mittag- und Abendessen werden am Platz serviert und bestehen aus typisch schwedischen Gerichten (z.B. Köttbullar). Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen auf dem Brückendeck.

Die „Juno“ fährt in der Zeit von Mitte Mai bis Ende August in beiden Fahrtrichtungen zwischen Göteborg und Stockholm hin und her.

Kreuzfahrt Göta Kanal

Die Geschichte des Göta Kanals

Der Göta Kanal gilt als Schwedens größtes Bauprojekt. Er führt quer durchs Land von der Nordsee bis zur Ostsee, ist 190 km lang und verfügt insgesamt über 58 Schleusen. 87 km der Strecke wurden von Hand mit Holzspaten ausgegraben. Bauherr war Baltzar von Platen, Graf, Seeoffizier und Staatsrat. 1806 legte er eine Abhandlung über Kanäle vor, woraufhin er den Auftrag erhielt, einen Vorschlag für den Bau des Göta Kanals zu machen. Er nahm sich den besten Kanalbauer Europas, den Schotten Thomas Telford, als Helfer. Am 11. April 1810 genehmigte König Karl XIII. der Göta Kanalgesellschaft den Kanal zu bauen und gab ihr die notwendigen Arbeitskräfte, Grundstücke und Wälder. Im Mai 1810 erfolgte bei Motala der erste Spatenstich.  Fortan wurde der Kanal innerhalb von 22 Jahren von rund 60.000 Mann, einschließlich einer Pionierkompanie russischer Fahnenflüchtiger und privater Arbeiter gebaut. Am 26. September 1832 wurde der Götakanal in Mem mit großer Pracht und im Beisein von Schwedens König Karl XIV. Johan eingeweiht. Baltzar von Platen war es nicht vergönnt, die Krönung seines Lebenswerkes zu erleben. Er starb 1829, drei Jahre vor der Einweihung

Kreuzfahrt Göta Kanal
Der Göta Kanal aus der Vogelperspektive. Foto: Per Petersson / visit sweden

 

Während des gesamten 19. Jahrhunderts hatte der Kanal zwar eine große Bedeutung als Transportstrecke für Waren und Passagiere, doch langfristig war er wenig erfolgreich, weil die Eisenbahn und Lastwagen seine Rolle als Transportmittel übernahmen.  Doch immerhin: Der Götakanal verwandelte sich stattdessen in eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Schwedens. An zahlreichen Orten entlang des Kanals kann man heute Boote, Kanus und Kajaks leihen. Segler aus aller Welt lieben die Strecke. Der alte Treidelpfad am Ufer gilt zudem als beliebte Fahrradroute. Außerdem gibt es jede Menge guter Wanderwege.

 

Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn Sie über einen dieser Links buchen, erhalten wir eine Provision. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten, jedoch unterstützen Sie dadurch unsere Arbeit für Sie.  Unsere Empfehlungen bleiben davon unberührt.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Dann jetzt teilen auf Facebook, LinkedIn und X