Lange hat Langkawi ein Schattendasein zwischen Thailand und dem Festland Malaysias geführt. Inzwischen ist die Insel in der Straße von Malakka zu einem beliebten, aber noch nicht überlaufenen Urlaubsziel geworden. Naturliebhaber finden auf Langkawi ein kleines Paradies.
Die Bootsführer von Langkawi kennen das Mangroven-Gewirr ihrer Insel wie die eigene Westentasche. Sicher schleusen sie Besucher auf Kähnen und Kanus durch das herrliche, von Tausenden Kanälen durchzogene Naturreservoir mit seiner einmaligen Flora und Fauna. Doch weil die Touren recht anstrengend und mithin nicht jedermanns Sache sind, steigen die meisten Gäste lieber ins Motorboot. Die Fahrt durch den belebten Hauptkanal ist dann ziemlich rasant und manchmal ein wenig laut – ein mitreißendes Erlebnis im wahrsten Wortsinn.
115 PS produziert der Außenborder von Bootsführer Hafiz, und das reicht auf dem Wasser locker für eine Geschwindigkeit von 50 km/h und mehr. Auf geraden Strecken des Kilim-Flusses und seiner Mündung draußen auf dem Meer sollten die Passagiere sich und ihre Kameras gut festhalten. Denn Fotomotive gibt es im Kilim-Geoforest-Park ohne Ende, und eines ist aufregender als das andere.

Seeadler und Affen ganz nah
Keine halbe Stunde dauert der Bootstrip von der Anlegestelle bei Tanjung Rhu bis zur Fischfarm auf einem Ponton mitten im Fluss, wo sich Pilotfische, kleine Stachelrochen, Snapper und Anemonenfische tummeln. Dass sich unser Guide dort eine Tüte mit Fisch- und Fleischschabfällen füllen lässt, wundert uns nur bis zur nächsten Biegung des Kilim. Da stoppt Hafiz, wirft Brocken für Brocken in die Luft – und plötzlich stürzt sich ein Dutzend Seeadler auf die Beute.

So herrliche Tiere so nah, so lange und beinahe ungestört erleben zu dürfen, wäre allein schon die Tour wert. Doch ein paar Minuten später wartet schon die nächste Überraschung in Form einer kleinen Makaken-Familie. Neugierig kommen die Affen ans Ufer, ein paar besonders freche hüpfen zu uns ins Boot, trinken ein paar Schlückchen aus der Wasserflasche von Hafiz, und verschwinden wieder im Dickicht der Mangroven.

Für eine gehörige Überraschung sorgen auch zwei Sehenswürdigkeiten ganz anderer Art: Die Langkawi SkyCab, eine fast einen Kilometer lange Seilbahn, die zu den längsten freitragenden Bahnen der Welt gehört. Eine Viertelstunde dauert die rund 20 Euro teure Fahrt von der Talstation im Oriental Village auf den Gipfel des gut 700 Meter hohen Machincang. Wer mag und etwas Kondition hat, kann schon an der Mittelstation aussteigen und das letzte Stück zu Fuß nach oben wandern.
Eine Fußmassage nach dem Aufstieg
Dort wartet dann Highlight Nummer zwei: Die SkyBridge, die – der nächste Rekord – mit 125 Metern Länge die längste geschwungene Fußgängerbrücke der Welt ist. Wer sich auf die Brücke wagt, sollte schon schwindelfrei sein, denn die hängt 100 Meter hoch über einer wilden Schlucht und wird nur von einem einzigen, 80 Meter hohen Pfeiler gestützt. SkyBridge wie SkyCab belohnen ihre Besucher mit atemberaubenden Ausblicken auf die umliegenden Inseln bis hin zur Südspitze Thailands – nach dem anstrengenden Marsch auf Wunsch auch mit einer Fußmassage, die geschäftstüchtige Einheimische vor der Bergstation für kleines Geld anbieten.
Die unbestreitbar spektakulärsten Highlights freilich bietet Langkawis Natur. Der Seven Wells Wasserfall zum Beispiel, der entlang seiner sieben Kaskaden auf steinigem, manchmal steilem und oft rutschigem Weg ziemlich mühsam zu erwandern ist. Unser Fahrer Ahmet, den wir bei einer Agentur in der Hauptstadt Kuah für eine Tagestour über die Insel engagiert haben, schätzt uns richtig ein, und bringt uns, freundlich lächelnd, zu einem anderen Wasserfall: dem ebenso eindrucksvollen Durian Perangin, der mit einem ungleich weniger schweißtreibenden Zugang und an seinem Ende sogar mit einem frischen Natur-Pool aufwartet, in dem es sich herrlich herumplanschen lässt.

Strände wie aus dem Bilderbuch
Ahmet nimmt uns auch die Qual der Wahl zwischen Langkawis schönsten Stränden ab. Kilometer lang und Dutzende Meter breit sind sie alle, ihr wunderbar feiner und weicher Sand wird wie im Bilderbuch von Palmen gesäumt. Patai Cenang, Tengah und Tanjung Rhu heißen die beliebtesten; Ahmet empfiehlt den Tanjung Rhu, weil der am ruhigsten ist und ein paar Blicke in die Luxushotels und Villen am Rand des Strands ermöglicht.

Lang unterwegs ist man auf Langkawi nicht, schließlich ist die Insel gerade mal 30 Kilometer lang und 25 Kilometer breit. Von Tanjung Rhu in die Hauptstadt Kuah braucht unser Auto keine Stunde. Ob man das Städtchen unbedingt gesehen haben muss, ist Ansichtssache. Die meisten Besucher kennen es bloß, wenn sie am dortigen Fährhafen anlegen. Ferienanlagen hat Kuah nicht, weil die Kapitale keine Strände besitzt; das Nachtleben beschränkt sich auf einige Bars und Restaurants, die auf (allerdings ausgezeichnete) Meeresfrüchte spezialisiert sind.

Immerhin sind da auch zahllose Souvenirläden und vor allem der Dataran Lang, der bei jeder Inseltour angesteuert wird. Mittelpunkt des Adler-Platzes ist die imposante, zwölf Meter hohe Statue eines Seeadlers – dem Wahrzeichen der Insel (siehe Foto ganz oben). Er hat Langkawi sogar den Namen gegeben. Wortwörtlich übersetzt, heißt die Insel nämlich rotbrauner Adler – zusammengesetzt aus den altmalayischen Worten Lang (Adler) und kawi (rotbraun).
Der Fluch der schönen Mahsuri
Zum Abschluss empfiehlt Ahmet seinen Gästen noch einen Abstecher ins nahe Kota Mahsuri, und der geht tief in die Insel-Mystik. Mahsuri, die schöne Ehefrau eines Langkawi-Fürsten, wurde nach der Legende einst fälschlicherweise des Ehebruchs beschuldigt und auf Geheiß des Schwiegervaters hingerichtet. Den Dolch in der Brust, soll die sterbende Mahsuri die Insel verflucht und ihr für sieben Menschen-Generationen Leid und Elend gewünscht haben.
Die Bewohner Langkawis erzählen die Geschichte noch heute gern und ausführlich. Schrecken kann sie der Fluch nicht mehr, denn sie leben dank des Tourismus recht gut und haben sicherheitshalber auch genau nachgerechnet: Mahsuri starb vor 200 Jahren, ihr Fluch ist also spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts abgelaufen.
Text & Fotos: Joachim Hauck
Reisetipps für Langkawi
Klima und beste Reisezeit: Es herrscht ganzjährig ein gemäßigtes tropisches Monsunklima. Die trockenen Monate von Dezember bis Anfang April warten mit Tageshöchstwerten um 30 Grad auf. Die Wassertemperatur liegt beständig zwischen 27 und 29 Grad.
Anreise: Große Veranstalter bieten Pauschalreisen an. Flüge gehen von vielen deutschen Airports via Kuala Lumpur oder Singapur (z.B. mit Air France ab 720 Euro) auf die Insel. Langkawi ist auch Bestandteil mehrerer Kreuzfahrten der Flotten von Tui Cruises (MeinSchiff) und Aida.
Mehr Infos unter www.naturallylangkawi.my, der offiziellen Website der Tourismusbehörde