Es gibt Reisen, die sind mehr als eine Route auf der Landkarte. Als wir in Panama City an Bord der Amera gehen, fühlt es sich an wie ein abenteuerlicher Aufbruch ins Unbekannte. Der Pazifik liegt ruhig da, als wüsste er um die Geschichten, die er seit Jahrhunderten trägt: die von Entdeckern, Händlern und Träumern. Entlang der Küsten von Costa Rica, Guatemala und Mexiko entfaltet sich ein Mosaik aus Dschungelgrün und uralten Kulturen. Und irgendwo hinter dem Horizont wartet sie schon: die Südsee, ein Versprechen aus Licht, Lagunen und Legenden.
Doch bevor es losgeht, bleibt uns ein ganzer Tag, um Panama City zu erkunden. Ein Uber bringt uns für sechs Dollar in die Altstadt. Kopfsteinpflaster, pastellfarbene Kolonialbauten und schmiedeeiserne Balkone erzählen Geschichten aus der Zeit spanischer Eroberer und Piraten. Wir gönnen uns einen frisch gebrühten panamaischen Kaffee in einem Café und bewundern ein wenig später den Ausblick auf die moderne Skyline mit ihren vielen Wolkenkratzern.
Bootstour auf dem Gatún-See
Doch da wir vor allem die Natur lieben, zieht es uns in das nahegelegene Naturparadies auf dem Gatún-See. Bei einer Bootsfahrt gleiten wir über ruhige Wasserflächen, umgeben von üppigem Grün. Affen schauen neugierig aus den Bäumen und ein kleines Kapuzineräffchen hüpft sogar direkt in unser Boot. Außerdem entdecken wir eine große Echse und viele schlafende Fledermäuse an einem Baum. Auf dem Rückweg begegnen uns riesige Frachter, denn der künstliche Gatún See gehört zum Panamakanal, der den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean verbindet.


Am Abend heißt es „Leinen los!“ und zum ersten Mal ertönt für uns die Auslaufmelodie der Amera auf dieser Kreuzfahrt. Viele Mitreisende haben sie schon oft gehört in den vergangenen Wochen, denn die Route von Panama in die Südsee ist eine Teilstrecke auf der 134 Tage dauernden Weltreise, die in Bremerhaven begann. Wir „Neuen“ haben am nächsten Tag erstmal Zeit, die Amera richtig kennenzulernen und uns zu akklimatisieren. Vom Schneechaos in Deutschland hin zu 30 Grad: Diese Herausforderung nehmen wir natürlich nur zu gerne an. Zumal uns auf dem Schiff scheinbar jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird. Die Teams von Kapitän Daniel Valdes, Kreuzfahrtdirektor Holger Winkler und Hoteldirektor Mathias Waschl geben jedenfalls alles, um ihren Gästen eine unvergesslich schöne Zeit zu bereiten.

Im Nebelwald von Costa Rica
„Willkommen in Costa Rica“, schallt am nächsten Tag der Morgengruß von Holger Winkler aus den Lautsprechern. Zwischen Pazifikküste und sattgrünem Hinterland beginnt nun ein Ausflug, der vielleicht zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen Mittelamerikas zählt: eine Reise in den geheimnisvollen Nebelwald mit seinen schwindelerregenden Hängebrücken und einer Vogelwelt, die wie aus einem Farbenrausch entsprungen scheint. Kaum lassen wir die Hafenstadt Punta Arenas hinter uns, verändert sich die Landschaft. Die Straße schlängelt sich durch üppige Vegetation, vorbei an Bananenstauden, Kaffeeplantagen und dichtem Regenwald. Mit jedem Höhenmeter wird die Luft kühler und feuchter. Der Nebelwald verdankt seinen Namen den tief hängenden Wolken, die sich wie ein Schleier um die Baumkronen legen und eine fast märchenhafte und etwas düstere Atmosphäre schaffen.

Ein absolutes Highlight des Ausflugs sind die Hängebrücken von San Ramón, die sich wie in einem Indiana Jones-Film durch den Nebelwald spannen. Schritt für Schritt bewegt man sich hoch über dem Waldboden, auf Augenhöhe mit moosbewachsenen Ästen, Orchideen und Farnen, die an den Bäumen zu schweben scheinen. Unter den Füßen federt die Brücke leicht und es eröffnet sich ein neuer Blick auf den Wald.

Spannend: Antigua in Guatemala
Guatemala ist die nächste Station unserer Kreuzfahrt. „Seien Sie vorsichtig. Nehmen Sie keine Wertsachen mit. Guatemala ist gefährlich“, hatte uns der Bordlektor gewarnt. Okay, wir lassen Schmuck und die große Kamera in der Kabine und begeben uns etwas beklommen auf den Landgang. Wir hatten einen Minivan mit Fahrer und Guide gebucht und machen uns auf den Weg nach Antigua, eine der faszinierendsten Kolonialstädte der Neuen Welt. Sie empfängt uns mit einem beinahe unwirklichen Anblick: Kolonialflair, stylische Cafés und die Ruinen einst prächtiger Kirchen, eingerahmt von einer dramatischen Vulkanlandschaft.

Über zwei Jahrhunderte hinweg war Antigua die Hauptstadt des spanischen Königreichs Guatemala und eines der wichtigsten politischen, religiösen und wirtschaftlichen Zentren Mittelamerikas. Doch mehrere schwere Erdbeben im 18. Jahrhundert setzten Antigua so stark zu, dass die spanische Krone ihre Hauptstadt ins heutige Guatemala-Stadt verlegte. Antigua fiel in einen langen Dornröschenschlaf. Genau dieser Umstand bewahrte jedoch ihren einzigartigen kolonialen Charakter. Heute gehört die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist viel sicherer als wir anfangs dachten. Allgegenwärtig sind die Vulkane, die Antigua wie eine monumentale Kulisse umrahmen. Der Volcán de Fuego stößt sogar alle 20 Minuten Rauch, Asche oder kleine Explosionen aus.
Im Sturm nach Mexiko
Einen Tag benötigt die Amera, um die Strecke nach Mexiko zurückzulegen. Der Wind frischt auf und die Wellen nehmen zu. In der Nacht spritzt die Gischt bis hinauf auf die Balkone. „Das war Windstärke 12“, verrät der Kreuzfahrtdirektor am nächsten Morgen. „Wir sind stolz auf Sie, dass Sie diese Nacht so gut überstanden haben.“ Nun ja, die meisten sind froh, im sonnigen Huatulco wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Wer keinen Ausflug gebucht hat, stürzt sich hier in die warmen Fluten des Pazifiks. Denn ein schöner Sandstrand mit Sonnenschirmen und Bars liegt direkt in Fußnähe zum Schiff. Und mittags geht’s ja schon weiter die Küste hinauf.
Acapulco im Wandel
Acapulco heißt der nächste Hafen. Unser Guide Rudi, 72 Jahre jung und so agil wie ein Mittdreißiger, klärt uns gleich auf, dass er uns nicht nur die Glanzseiten seiner Heimatstadt zeigen wird. „Ihr sollt alles sehen“, sagt er und kurvt mitten durchs Verkehrschaos in ein ärmliches Viertel mit einem lokalen Markt. „Hier kaufen alle ein, die sich den Supermarkt nicht leisten können. Und wisst ihr was? Die Tomaten schmecken hier viel besser!“
Unterwegs durch die Stadt mit dem bekannten Namen schweifen unsere Gedanken zurück in jene Zeit, als Acapulco als Inbegriff von Luxus und Lebenslust galt. In den 1950er- und 1960er-Jahren war die Stadt einer der angesagtesten Urlaubsorte der Welt. Hollywood-Stars, Millionäre und internationale Prominenz flanierten entlang der Küste, während elegante Hotels und exklusive Clubs aus dem Boden schossen.

Doch Ruhm ist vergänglich. Mit dem Aufkommen neuer Urlaubsziele, wirtschaftlichen Problemen und vor allem der Eskalation des Drogenkriegs geriet Acapulco ab den 2000er-Jahren in einen dramatischen Abwärtsstrudel. Zeitweise galt die Stadt als eine der gefährlichsten der Welt und die Touristen blieben fern. In den letzten Jahren hat sich das Bild erneut verändert. Die Stadt ist heute sicherer als noch vor einem Jahrzehnt. Auch die Kreuzfahrtschiffe kehren langsam zurück.
Den Höhepunkt unseres Ausflugs bildet der Besuch der berühmten Klippenspringer von La Quebrada. Hoch über dem tosenden Pazifik stehen die Springer auf schmalen Felsvorsprüngen, bis zu 35 Meter über dem Meer. Unter ihnen öffnet sich eine enge Felsspalte, in die sie sich nur dann stürzen können, wenn die Wellen den Wasserstand für wenige Sekunden anheben. Wir halten den Atem an, als ein Springer schließlich abspringt und für einen Augenblick scheinbar schwerelos in der Luft schwebt. Dann der Einschlag ins Wasser, Applaus brandet auf und wir können uns wieder entspannen.

Eine Woche auf dem Pazifik
Eine ganze Woche dauert die Überfahrt von Mittelamerika in die Südsee. Zeit für den Deckchair, für ein paar gute Bücher und jede Menge Sport. Da geht’s schon frühmorgens mit Qi Gong für Anfänger los und anschließend kennt Silvia vom Phoenix-Team in ihren diversen Kursen – von Yoga bis Pilates – kein Erbarmen. „Kommt schon – ein bisschen geht noch!“ In Anbetracht der hervorragenden Küche auf der Amera und wohlwissend, dass es Dinge wie den bayerischen Frühschoppen, das Wiener Kaffeehaus mit üppigen Kuchen und Gala-Abendessen gibt, muss man dann einfach die Zähne zusammenbeißen und noch ein paar Situps überstehen. Weniger schweißtreibend und noch dazu spannend sind die Spaziergänge rund ums Schiff auf Deck 7. Allein der Blick aufs Meer, die fantastischen Sonnenuntergänge und die fliegenden Fische sind es wert, dass man hier immer wieder seine Runden dreht.

Wenn es Nacht wird auf der Amera, schlägt fast täglich die Stunde des Showensembles. Ob Musical-Melodien, Tanz oder Artistik – die Qualität der Darbietungen sorgt Abend für Abend für ein volles Haus in der Atlantik Showlounge. Darüber hinaus unterhalten Gastkünstler wie der Schlagerstar Pablo Grande und die Klarinettistin Sabine Grofmeier das Publikum. Und wenn’s mal ganz leger sein soll? – Dann setzt man sich zum Kino unter den Sternen nach draußen, guckt sich den Queen-Film Bohemian Rhapsody auf der großen Leinwand an und futtert dabei eine Tüte warmes Popcorn – serviert vom Kreuzfahrtdirektor höchstpersönlich.



Endlich: Mit der Amera in die Südsee
Land in Sicht! Nach einer Woche, in der man nur Wasser um sich herum sieht, ist es direkt ein abenteuerliches Gefühl, am Morgen die ersten Umrisse einer Insel am Horizont auszumachen. Kurze Zeit später haben wir Nuku Hiva erreicht. Wir sind auf der größten Insel der Marquesas, einem der abgelegensten Archipele der Welt. Bei unserer Tour mit einem einheimischen Guide erleben wir schroffe Berge, tiefe Täler und Wasserfälle, die sich wie silberne Fäden aus dem Dschungel lösen.



Doch Nuku Hiva ist erst der Auftakt unserer Entdeckungsreise durch die Marquesas. Schon am nächsten Morgen taucht am Horizont Ua Huka auf – eine Insel, die fast noch ursprünglicher wirkt. Die Landschaft ist trockener, offener, und die Hügel erinnern eher an weite Savannen als an tropischen Dschungel. Wildpferde grasen auf den Höhen, und im kleinen Dorf scheint die Zeit langsamer zu laufen. Wir unternehmen einen Spaziergang und schwimmen im badewannenwarmen Meer.
Weiter geht es nach Hiva Oa und zur kleinen Nachbarinsel Tahuata. Hiva Oa ist bekannt als letzter Rückzugsort des französischen Malers Paul Gauguin, dessen Grab hier hoch über der Bucht liegt. Auch ein anderer berühmter Europäer fand hier am Ende seines Lebens eine Art Zuflucht: der belgische Chansonnier Jacques Brel. Er zog sich in den 1970er-Jahren auf diese abgelegene Insel zurück, weit weg von den großen Bühnen Europas. Er lebte hier erstaunlich bodenständig, flog mit seiner kleinen Maschine „Jojo“ zwischen den Marquesas-Inseln hin und her und übernahm sogar Transporte für die Einheimischen: Post, Medikamente oder einfach Menschen, die von einer Insel zur nächsten mussten. Nur eine kurze Überfahrt entfernt liegt Tahuata, eine kleine Insel, die uns besonders herzlich empfängt. Schon beim Anlanden werden wir mit duftenden Blumengeschenken begrüßt. Polynesier stehen am Strand und blasen auf großen Muschelhörnern, deren tiefer Klang über die Bucht hallt.



Papageienfische und weiße Strände
Nach den wilden Marquesas verändert sich die Landschaft. Wir gelangen nach Rangiroa im Tuamotu-Archipel. Anders als die hoch aufragenden Vulkaninseln der Marquesas besteht dieses Atoll fast nur aus schmalen Koralleninseln, die eine riesige Lagune umschließen. Schon vom Schiff aus leuchten die Farben in unglaublichen Abstufungen: milchiges Türkis über den Sandbänken, tiefes Blau in den Kanälen und dazwischen das helle Grün der Palmen. Es ist genau dieses Bild, das man im Kopf hat, wenn man an die Südsee denkt. Bei unserer Schnorcheltour wird dieses Farbenspiel noch intensiver. Kaum sind wir im Wasser, umgeben uns Schwärme tropischer Fische. Gelbe Falterfische, schillernde Papageifische und unzählige kleine, blitzende Schwarmfische ziehen zwischen den Korallen vorbei. Das Wasser ist so klar, dass man beinahe vergisst, wie tief die Lagune eigentlich ist – ein Moment pures Südsee-Feeling, den man am liebsten für immer festhalten möchte.


Als Nächstes steuert die Amera die Gesellschaftsinseln an. Als wir Moorea erreichen, verstehen wir sofort, warum diese Insel so viele Besucher verzaubert. Smaragdgrüne Bergspitzen ragen aus der Mitte der Insel, umgeben von einer Lagune, deren Farben von Türkis bis tiefblau wechseln. Für uns wird Moorea schnell zu einem Lieblingsort der Reise – vielleicht wegen der entspannten Atmosphäre, vielleicht wegen der perfekten Mischung aus Natur, Lagunen und kleinen, freundlichen Dörfern.


Die Kreuzfahrt führt weiter nach Uturoa auf der Insel Raiatea, dem spirituellen Herzen Polynesiens. Hier befindet sich das heilige Marae Taputapuātea, ein uralter Zeremonialplatz, von dem aus einst große polynesische Seefahrer ihre Reisen über den Pazifik begannen. Wir steuern eine der umliegenden Motus an und genießen das Strandleben. Am folgenden Tag folgt ein Name, der seit jeher nach Südsee-Traum klingt: Bora Bora.


Schon die Einfahrt in die Lagune ist spektakulär. Der markante Berg Otemanu erhebt sich dramatisch aus der Inselmitte, während rundherum kleine Motus mit weißen Stränden liegen. Das Wasser scheint hier fast unwirklich klar, und man versteht, warum Bora Bora zu den berühmtesten Inseln der Welt gehört. Unsere Kreuzfahrt endet schließlich in Papeete auf Tahiti. Zum Abschluss erwartet uns noch ein besonderes Erlebnis: ein Schnorchelausflug in der Lagune. Unter uns gleiten bunte Fische durch Korallengärten, Sonnenstrahlen tanzen im Wasser, und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.
Text & Fotos: Susanne Müller
Infos:
Die nächste Weltreise der Amera von Phoenix Reisen startet am 21. Dezember 2026 in Hamburg und endet am 15. März 2027 in Bremerhaven. In 143 Tagen geht es einmal um die Welt. Der Einstiegspreis liegt bei 18.499 Euro und natürlich lassen sich auch Teilabschnitte dieser Kreuzfahrt buchen (auch die Südsee und Panama wie in unserer Reportage). Mehr Infos gibt es hier: Phoenix Reisen.
