Juni 2, 2026

50 Jahre Segelschiff Eye of the Wind

Eye of the wind

Juni 2, 2026

In der internationalen maritimen Szene gilt sie längst als „Legende unter Segeln“: Die Brigg Eye of the Wind umrundete den Globus, führte die wissenschaftliche Expedition „Operation Drake“ unter der Schirmherrschaft von Prince Charles (heute: King Charles III.) an, nahm an Großsegler-Regatten teil und diente bei Hollywood-Filmproduktionen als Kulisse und Handlungsschauplatz. Vor 50 Jahren, genau am 25. September 1976, begann in der Hafenstadt Ramsgate an der englischen Kanalküste nach einer mehrjährigen Komplettsanierung die erste Fahrt des Segelschiffs unter seinem heutigen Namen Eye of the Wind.

Erster Heimathafen Hamburg

In Brake an der Unterweser läuft bei der Lühring Werft im Jahr 1911 ein Gaffelschoner vom Stapel, der unter dem Namen Friedrich im Hamburger Schifffahrtsregister eingetragen und im Südamerika-Handel eingesetzt wird. Nach zwölf Jahren verkauft der Eigner das Fahrzeug nach Schweden, wo man es aus praktischen Gründen schrittweise vom Segel- zum Motorschiff umrüsten lässt – bereits 1926 werden die Masten entfernt und stattdessen wird ein leistungsstarker Motor eingebaut. Unter wechselnden Namen und Eignern befährt das Fracht- und Fischereischiff die Ost- und Nordsee, bevor ein ruhigeres Dasein als Transportschiff für Post und Güter vorgesehen ist. Doch diese Pläne lösen sich in Rauch auf: Im Jahr 1969 vernichtet ein verheerender Schiffsbrand vom Maschinenraum ausgehend die Deckshäuser und das Holzdeck und setzt dem Einsatz auf See damit ein abruptes Ende.

Wiedergeburt als Eye of the Wind

Begeisterte Segelschiff-Liebhaber berührt das Schicksal des Schiffes so sehr, dass sie 1973 mit umfangreichen Umbaumaßnahmen zum Schiffstyp Brigg beginnen. Das triste Dasein als Frachtschiff endet und der Zweimaster ist unter seinem neuen Namen Eye of the Wind nun bereit, großen Abenteuern auf See entgegen zu fahren.

Gleich bei der 1976 beginnenden ersten Fahrt wird der Globus umrundet: Die Weltreise mit Stationen in Australien, der Südsee und einer Rundung des berüchtigten Kap Hoorn ist 1978 kaum beendet, da wartet schon die nächste Herausforderung auf den eindrucksvollen Großsegler: Unter der Schirmherrschaft von Seiner Königlichen Hoheit Prince Charles (heute: King Charles III.)  wird der Eye of the Wind die Ehre zuteil, als Flaggschiff die „Operation Drake“ anzuführen. An dieser knapp zweijährigen Expeditionsreise auf den Spuren des berühmten Seefahrers rund um den Globus nehmen während verschiedener Etappen mehr als 400 internationale Crewmitglieder teil.

Eye of the Wind

Leinen los für den großen Auftritt: die Eye of the Wind begeistert auf der Leinwand

Ihre imposante Erscheinung erregt auch in der Filmbranche Aufmerksamkeit, und so durchkreuzt die Eye of the Wind mehrmals die Gewässer bei Filmsets großer Hollywood-Produktionen. Wie im wahren Leben, so trotzt der Großsegler auch vor der Kamera wilden Stürmen, strandet, brennt aus und sinkt. In dem Abenteuerstreifen „Die Blaue Lagune“ (1980), dem Piratenfilm „Savage Island“ (1983), „Taipan“ (1986) oder „White Squall / Reißende Strömung“ (1996) dient das Schiff als Filmkulisse. Namhafte Hollywood-Stars wie Brooke Shields und die beiden Oscar®-Preisträger Tommy Lee Jones und Jeff Bridges nehmen das Steuerrad in die Hand.

1990 folgt die Eye of the Wind einer Einladung in die Südsee und nimmt an den Festlichkeiten des 200. Jahrestages der Besiedlung der Insel Pitcairn teil, welche im Zuge der bekannten Meuterei auf der Bounty entdeckt und als Zufluchtsort genutzt worden war. Nach einer weiteren Rundung des Kap Hoorn ist der Großsegler dann bis in das Jahr 2000 als Segelschulschiff auf allen Weltmeeren unterwegs und steuert die bekanntesten Häfen der Welt an. Bei Tall Ship Regatten rund um den Globus erhält das Schiff in dieser Zeit mehrfach Auszeichnungen als schönstes maritimes Fotomotiv.

Re-Fit für weitere maritime Erlebnisse

Am 1. April 2009 findet die Eye of the Wind einen neuen Heimathafen bei der FORUM train & sail GmbH, einem Tochterunternehmen der deutschen FORUM Media Group. Seitdem wird sie für Segel- und Charterreisen, exklusive Events und Führungskräftetrainings eingesetzt. In wechselnden Segelrevieren zwischen Nord- und Ostsee, Nordatlantik, Mittelmeer und Karibik ist das Schiff ganzjährig mit Gästen unterwegs. Ein im September 2026 in Kiel beginnender und endender, sechstägiger Jubiläumstörn würdigt den 50. Jahrestag der ersten Reise unter dem heutigen Schiffsnamen Eye of the Wind. Mitreisende jeden Alters sind an Bord willkommen, seglerische Vorkenntnisse sind für eine Törn-Teilnahme nicht erforderlich.

Ab November 2026 durchläuft das Schiff eine mehrmonatige Werftzeit, bei der umfangreiche Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten ausgeführt werden. Mit dieser Maßnahme soll der Erhalt der „segelnden alten Lady“ Eye of the Wind für zehn Jahre und darüber hinaus sichergestellt werden. Frisch restauriert wird das Schiff im kommenden Jahr erneut Kurs auf attraktive Reiseziele nehmen. Das „Comeback“ nach dem Werftaufenthalt ist beim Hamburger Hafengeburtstag 2027 vorgesehen – an jenem Ort, wo die maritime Geschichte des Seglers einst begann.

 

Technische Daten und Ausstattung

 

Baujahr: 1911  |  Länge: 40,23 m  |  Breite: 7,01 m  |  Geschwindigkeit: 8 kn  |  Segelfläche: 750 qm
6 komfortable Kabinen für 12 Gäste  |  Salon mit Bordbibliothek, Decksalon, Sonnendeck

Infos:

www.eyeofthewind.net

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