17.11.2012

Queens Days

Gern gesehen: die "Queen Mary 2" in Hamburg. Foto: Tönnishoff
Tatort oder „Queens“? Als Shiplover entschieden wir uns natürlich für die NDR 3-Sendung mit zwei Cunard-Linern am 15. Juli zur besten Fernsehzeit ab 20.15 Uhr. „Treffen der Königinnen“ lautete der Titel des 120-Minuten-Streifens. Die meisten unserer Leser wissen es sicher: An diesem Sonntag hatten zum ersten Mal gleich zwei „Queens“ in Hamburg gethront; die Ehre gaben sich „Mary 2“ („QM2“) und „Elizabeth“.
Wer gerne schöne Schiffsbilder sieht, kam voll auf seine Kosten. Wirklich großartig die Aufnahmen von den eleganten Riesen im für ihre Reederei typischen schwarz-weiß-roten Outfit. Höhepunkte waren die Hamburg-Einfahrten der voll beleuchteten Schiffe in den frühen Morgenstunden, das Wendemanöver der „Elizabeth“ vor dem Grasbrookkai, der folgende, für ein Fotoshoot ig wirkungsvolle Auftritt beider „Queens“ Heck-an-Heck, ein Feuerwerk und das abschließende Auslaufen der „Elizabeth“ zu einer Nordlandkreuzfahrt.

 Alles sehr schön anzusehen. Nur die Textbeiträge der Sendung liefen manchmal aus dem Ruder. Da erfuhr der Zuschauer zum Beispiel, dass die Oceanliner in Frankreich gebaut wurden, was aber nur für „Mary 2“ zutrifft. Die „Elizabeth“ entstand dagegen wie ihre baugleiche Schwester „Victoria“ in Italien, während alle Cunard-Liniendienst-Klassiker bis zur „QE2“ (1969) made by John Brown & Company im schottischen Clydebank waren. Der Hinweis, dass die neuen Schiffe nun mit Propellern statt mit Schrauben angetrieben werden, stimmt sicher nicht nur Hersteller moderner Pod-Technik traurig.

 Traurig könnte auch „QM2“-Captain Kevin Oprey sein, dass es an Bord seines Schiffes kein Kapitänsdeck gibt, wie im Film erwähnt, und sich seine Brücke auf dem (namenlosen) Deck 12 befindet. Okay - das ist alles very special. Aber warum wird auf die im klassischen Oceanliner-Stil gehaltene Inneneinrichtung, auf die zahlreichen Bars, Restaurants, die Bibliothek oder wohnlich eingerichteten Kabinen verwiesen ohne sie im Film zu zeigen? - NDR-Teams waren wiederholt an Bord der Cunard-Liner, Material satt dürfte also im Archiv vorliegen. Und Zeit dafür hätte bei einem zweistündigen Film drin sein müssen. Ebenso für die überaus wechselvolle Geschichte der Traditionsreederei Cunard. Warum die Beschränkung auf nur ein paar Bilder der ersten „Queen Mary“ mit einigen wenigen Schnappschüssen vom Bordleben? Und warum kein Interview mit der Chefin des Cunar d-Büros in Hamburg, Anja Tabarelli? Sie hätte mehr über „ihre“ Schiffe sagen können als die Gäste von Moderator Hinnerk Baumgarten mit nur wenig „Queen“-Er-fahrung.

Den Grund, warum wir uns nicht ausgeschifft haben, nannten wir bereits: wirklich schöne Schiffsbilder. 



Infos: www.cunard.de
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