08.11.2012

Ein Traum von einem Schiff: Zwangspause – aus dem Traum gerissen

Einen Tag später beim Buchhändler und wir hätten bei diesem Titel nur noch einen Platz auf der Warteliste bekommen. Glück (?) gehabt: In unserer Bordbibliothek reiht sich nun das Buch „Ein Traum von einem Schiff“ von Christoph Maria Herbst ein, nämlich die erste Auflage ohne geschwärzte Textstellen wie in einem angekündigten Neudruck. Kreuzfahrtfans wissen, dass der Mime Herbst („Stromberg“) seine fünfwöchige Zeit als Mitglied der Schauspieltruppe – Produktion einer „Traumschiff“-Folge – an Bord der „Deutschland“ und an Land in eben diesem Buch beschreibt. Not amused über den 208-Seiten-Verriss dürften zum Beispiel der TV-Produzent Wolfgang Rademann (in der Beschreibung von Herbst „eine fleischgewordene Knoblauchzwiebel“) oder der 78-jährige Film-Kapitän Siegfried Rauch (Für ihn sei die Kommandobrücke eine Art Sterbeklinik, vermutet der Autor) sein. Eine Einstweilige Verfügung hat den Verkauf gestoppt. Die Bücher wurden aus dem Handel geholt und diverse Passagen sollen nun unleserlich gemacht werden.
Überrascht hat uns das nicht. O.k., die Schreibe ist ja wirklich nicht schlecht. Und Ironie wie auch Sarkasmus als Textwürze sind gut. Anders als in diesem Buch aber mögen wir's lieber fein dosiert. Und bitte auch nicht ausschließlich Witze und Anspielungen auf Kosten von Mitreisenden. Das fällt auf den Schreiber zurück und wirft einige Fragen zu seiner Person auf. Umgekehrt aber scheint das Einstecken nicht leicht zu fallen. Man spürt zwischen den Zeilen, wie sehr es schmerzt, an Bord von einem natürlich ungehobelten Mitreisenden nicht als der ach so berühmte Schauspieler Christoph Maria Herbst erkannt und mit irgendeiner Serien-Figur im Derrick verwechselt zu werden.

Unser Eindruck beim Lesen dieses Buches: (Fast) alle Mitmenschen um Herbst sind aufdringlich und/oder arrogant, unsensibel, intellektuell unterbelichtet, unsympathisch. Wie gut, dass der Autor so anders ist und er nun – man kann ihn nur bedauern – auf den Planken der „Deutschland“ sowie bei den Dreharbeiten an Land so sehr leiden muss. Peinlich, wie raffig manche Kolleginnen und Kollegen sind (oh, ein Hauch von Selbstkritik, hier bezieht sich der schreibende Selbstdarsteller sogar mit ein!), die es sich, wie er böse feststellt, auf Kosten der Produktion gut gehen lassen und, weil kostenfrei, natürlich zum Dinner einen sehr edlen Wein aus dem letzten Jahrtausend bestellen. Nur, lieber Herr Herbst, warum haben Sie dann mit angestoßen, wenn alles so schrecklich war? Warum haben Sie nicht einfach mal die Kolleginnen und Kollegen zu einer Weinrunde eingeladen und somit den Produktionsetat entlastet? Wäre doch mal eine schöne Geste gewesen! Und überhaupt, warum haben Sie die Albtraumreise in die Südsee nur mitgemacht und die Rolle nicht einfach abgelehnt? Jetzt sagen Sie bloß nicht, dass das die alleinige Schuld Ihrer Agentin gewesen sei, die Ihnen das alles eingeredet habe.

Wir vermuten mal, dass das Ihre erste und letzte Kreuzfahrt war. Und, keine Sorge: Wie es aussieht, werden Sie auch so rasch nicht wieder auf das „Traumschiff“ eingeladen. WA
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