27.09.2016

Am Ende gewinnt das „Traumschiff“

Amadea
Die "Amadea" ist das neue ZDF-Traumschiff. Foto: Tönnishoff

Über die ersten Dreharbeiten auf dem neuen Traumschiff, der „Amadea“, hatten sich viele Passagiere gefreut und sogar als Statisten zur Verfügung gestellt. Einige aber hatten sich beschwert, weil sie sich von der Geräuschkulisse, verursacht durch die große Filmcrew, die regelmäßigen Durchsagen per Megafon sowie das Hämmern und Sägen für die verschiedenen Szenen belästigt fühlten. Ein älteres Ehepaar, das von Vietnam nach Neuseeland mitgefahren war, hatte nach der Rückkehr beim Amtsgericht Bonn eine Schadensersatzklage (Az.: 111 C 42/15) eingereicht. Ihre Begründung: wären sie vorher über die Dreharbeiten informiert worden, hätten sie diese Reise nicht gebucht.

Die Amtsrichterin gab nach gescheiterten Vergleichsverhandlungen den Klägern im Prinzip recht und sprach ihnen 20 Prozent Minderung des Reisepreises für zwölf Drehtage zu. Gegen das aufsehenerregende Urteil legte der Reiseveranstalter, Phoenix Reisen, beim Landgericht Bonn Berufung ein, die Anfang September 2016 zu seinen Gunsten entschieden wurde.

Die Begründung des Landgerichts: Die Unannehmlichkeiten, die durch die Dreharbeiten entstanden sind, waren nicht groß genug um einen echten Reisemangel darzustellen. Auf dem Traumschiff gebe es genügend ruhige Plätze, selbst während der Dreharbeiten. Und übrigens: Jetzt erfährt jeder, der eine Reise mit der „Amadea“ bucht, ob und wann auf dem Traumschiff gedreht wird. Eine Liste für freiwillige Statisten, die sich später im Fernsehen sehen möchten, liegt an Bord aus.

Keine Freude über Upgrade

Nicht über Lärm, sondern über die Aussicht beschwerte sich eine Passagierin im nächsten Fall: Die weite Sicht auf den Horizont mildert die Seekrankheit. Diesen weisen Rat wollte eine Frau beherzigen, die deshalb  zusammen mit ihrem Mann eine Balkonkabine mit freiem Meeresblick gebucht hatte. Nach der Einschiffung stellte sich jedoch heraus, dass an Bord des Kreuzfahrtschiffes keine Balkonkabine mehr verfügbar war. Das Ehepaar wurde deshalb ohne Zuzahlung in einer Suite im Bug des Schiffes untergebracht, die eigentlich 2.410 Euro mehr gekostet hätte. Sie war größer und schöner als die gebuchte Kabine, hatte allerdings keinen Balkon. Dafür gab es einen Zugang zu einer kleinen Sonnenterrasse mit Liegen.

Eigentlich ein guter Deal, sollte man meinen. Das sah die während der gesamten Reise von Seekrankheit geplagte Frau allerdings anders. Sie bemängelte vor allem, dass sich die Seitenfenster der Suite nicht öffnen ließen und verklagte nach ihrer Rückkehr die Reederei vor dem Amtsgericht Rostock (Az.: 47 C 180/15) auf eine Minderung des Reisepreises um 40 Prozent und mindestens 1.000 Euro Schmerzensgeld. Das Gericht gab der Klägerin teilweise recht. Ihr stehe ein Anspruch auf Reisepreisminderung in Höhe von zehn Prozent zu, denn die Kreuzfahrtreise sei mangelhaft gewesen, da die Reiseveranstalterin nicht die gebuchte und damit vertraglich vereinbarte und geschuldete Balkonkabine zur Verfügung gestellt habe.

Josef H. Mayer

(Unser Redaktionsmitglied Josef H. Mayer, hauptberuflich als Anwalt tätig, analysiert aktuelle Gerichtsentscheidungen zum Kreuzfahrtrecht.  Weitere Artikel von ihm lesen Sie in unserem Kreuzfahrtmagazin WELCOME ABOARD, das Sie hier bestellen können.)

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