10.09.2021

Ein Kapitän ändert seine Meinung

Manfred Kohn steuert die Katharina von Bora. Foto: Kröger

Manfred Kohn ist Seemann durch und durch. 1962 wurde er im brandenburgischen Anklam geboren, schon als 16-Jähriger begann er seine Ausbildung und nur drei Jahre später hatte er das Kapitänspatent. Gern wäre Kohn auf den Meeren dieser Welt unterwegs gewesen, aber er hatte West-Verwandtschaft. Da blieb nur die Binnen-Schifffahrt. Knapp zehn Jahre lang befehligte er die Mannschaften von Frachtschiffen, mit denen es durch Flüsse und Kanäle der DDR und der sozialistischen Nachbarländer ging, dann war Schluss - der Familie wegen - und weil die Binnenschifffahrt kurz nach der Wende unter Auftragsmangel litt.

Kohn sattelte um und arbeitete fortan in einer Wasserbau-Firma, 14 lange Jahre lang. Dann aber stieg er dort aus, hatte genug davon. Die Schifffahrt machte dem Kapitän wieder schöne Augen. Der Sohn, inzwischen erwachsen, lebt sein eigenes Leben. Und die Ehefrau stimmte zu: "Wenn du es willst, versuche es." Kohn hatte Glück. Die Schweizer Reederei „Excellence“ heuerte ihn als Kapitän an. Die Patente hatte er ja schon, ein paar zusätzliche - wie die Berechtigung zur Personenbeförderung - holte er nach. Alles kein Problem.

Chef auf der „Katharina von Bora“

Inzwischen befehligt der Brandenburger seit zwei Jahren die für nicko cruises fahrende „Katharina von Bora“. Mit der erlebte er nun eine Premiere, denn erstmals schipperte das kleine Kreuzfahrtschiff vorrangig über deutsche Kanäle von Potsdam nach Münster. „Der Kanal ist langweilig", wusste der mittlerweile 59-Jährige vor Fahrtantritt. Ein Problem erkannte er nur durch die vielen niedrigen Brücken, weswegen zum Ende der Reise hin das Sonnendeck komplett geschlossen werden musste. Eine besondere Herausforderung, da war Kohn sich sicher, sollte die 470 Kilometer lange Reise mit sechs Schleusen nicht werden. „Wer ist denn auf die Tour gekommen?", stellte er eine unbeantwortete Frage und rechnete entsprechend mit wenig Begeisterung bei seinen Gästen. Die aber belehrten ihn eines Besseren. Und Kohn änderte seine Meinung: „Ich war früher nur mit Frachtschiffen auf den Kanälen unterwegs, und das war wirklich nicht anspruchsvoll. Aber die Passagiere haben entdeckt, was die Kanäle alles zu bieten haben. Sie interessieren sich für das Wasserstraßensystem und natürlich für die Flussquerungen."

Davon gab es gleich drei, denn die Elbe, die Leine und die Weser wurden vom nicko cruises-Schiff jeweils überfahren. „Und das ist ja schon spannend, wenn unter dem Schiff ein Fluss zu sehen ist", erklärte Kohn. Besonders das Wasserstraßenkreuz in Minden hatte es seinen Gästen angetan, denn die Weser fließt dort 13 Meter unter dem Kanal. Die Schachtschleuse ermöglicht Schiffen in Westfalen zudem einen Wechsel der Wasserstraßen. „Das ist schon beeindruckend", sagte Kohn.

Übrigens: Wenn der Kapitän sich auch davon überzeugen ließ, dass der Kanal durchaus spannend sein kann, so hat er doch einen Lieblingshafen, der fast an der offenen See liegt. Es ist der des mecklenburgischen Barth am Barther Bodden, der wiederum mit der Ostsee verbunden ist. Die Frage, warum er gerade diesen Hafen so mag, erklärt Manfred Kohn mit einem breiten Lächeln im Gesicht: „Da wohne ich." Und deswegen wohl auch ist seine Lieblingsroute die von Potsdam nach Stralsund, denn auf der kommt er daheim vorbei. Und damit ist auch endgültig geklärt, warum die Kanäle ihn zunächst nicht so reizten.

Wie die Fahrt von Potsdam nach Münster läuft, welche Höhepunkte sie bietet und was die „Katharina von Bora“  ausmacht - all das ist im nächsten WELCOME ABOARD zu lesen. Ab dem 5. November ist das Magazin erhältlich.

 

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