01.09.2015

Milos: Der vergessene Schatz der Kykladen

Milos, Welcome Aboard
Milos: Mal leuchtet der weiße Tuffsteinfels mit dem blauen Wasser um die Wette, dann färbt er sich rötlich und seine vorher glatte Oberfläche verwandelt sich in eine raue Felswand. Fotos: Sarah Kaiser

Langsam verschwindet das vorher so klare Wasser unter mir. Mit jedem Schwimmzug kommen die Wände näher, und die seichten Wellen klatschen gegen den sauber ausgehöhlten Felsen. Ein Hauch Panik steigt auf, doch hinter mir folgen weitere Schwimmer. Dann endlich strahlt Licht in den Tunnel bei Kleftiko, und das Wasser leuchtet wieder azurblau.

 

Kein Wunder, dass die Piraten der ägäischen See die Tunnel und Höhlen der griechischen Insel Milos für Verstecke und Hinterhalte nutzen, denn hinter dem Tunnel erstreckt sich eine flache, gut geschützte Bucht, für kleine Segelschiffe leicht befahrbar. Die direkte Sicht in die Bucht versperrt ein spitzer Tuffsteinfelsen.

Durch einen vom Meer ausgehöhlten Bogen erhasche ich immer wieder einen Blick auf das Segelboot, das uns nach Kleftiko gebracht hat. Einige der mitgereisten Australier schnorcheln dicht am Rumpf der „Aphrodite“, um die angelockten Fische zu beobachten, andere liegen einfach nur an Deck und genießen die malerische Kulisse.

Als wir wieder an Bord klettern, begrüßt uns Joana, die den ganzen Tag für unser leibliches Wohl sorgt, mit einem perfekten Mittagessen. Dann setzen wir unsere Tour entlang der Insel fort. Das hufeisenförmige Milos liegt auf einem Vulkangürtel in den Kykladen. Vom Meer aus entdeckt man alle paar Meter wieder neue Felsformationen und Gesteinsarten. Mal leuchtet der weiße Tuffsteinfels mit dem blauen Wasser um die Wette, dann färbt er sich rötlich und seine vorher glatte Oberfläche verwandelt sich in eine raue Felswand. Viele der Bewohner der Insel leben vom Bergbau, denn dank der vulkanischen Aktivitäten finden sich nicht nur heiße Quellen auf der Insel, sondern auch wertvolle Mineralien. Am Profitis Ilias, dem höchsten Berg, fand sich sogar Gold, dessen Abbau mit schädlichen Chemikalien aber von den Bewohnern verhindert werden konnte.

 

Die Venus von Milos

 

Wer meint den Namen der Insel Milos schon einmal im Zusammenhang mit einem kulturellen Schatz gehört zu haben, irrt nicht: Die legendäre Venus von Milo wurde tatsächlich auf der Insel gefunden, allerdings unter dem Namen Aphrodite von Milo. Heute steht sie im Louvre in Paris.

Nach einem weiteren Stopp an einer Badebucht dreht unsere „Aphrodite“ langsam wieder ab in Richtung Adamantas. Der Ort zählt zu einem der geschütztesten natürlichen Häfen und liegt im Innern der Insel. Auf unserem Weg dorthin passieren wir das Fischerdorf Klima. Weiße Häuser schmiegen sich dicht am Meer an den Felsen. Lediglich ein kleiner Steinweg trennt die Gebäude vom Wasser. Das Besondere: die bunten Garagentore für die Fischerboote. In zahlreichen Farben strahlen sie im Abendlicht der Sonne, und alle an Bord zücken schnell ihre Fotoapparate, um diese einzigartige Atmosphäre in einem Bild festzuhalten.

 

Wer gerne seinen Landgang aufs Wasser verlegen möchte, kann die Bootstouren rund um die Insel im Hafen von Adamantas buchen. Zahlreiche Skipper bringen von hier aus Touristen zu Zielen, die oft nur vom Wasser erreichbar sind.

Der Tagesausflug kostet ab 60 Euro pro Person. Die Route kann je nach Wetterlage etwas variieren, dennoch eine lohnenswerte Investition.

                                                                                       Sarah Kaiser (Text & Fotos)

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