06.06.2018

Landgang in Grönland: Unterwegs
zum Inland-Eis

Russel Gletscher Grönland
Gewaltig: das Inland-Eis am Russel-Gletscher in Grönland.

Kangerlussuaq – vor Antritt einer Reise nach Grönland wird manch Kreuzfahrer Probleme haben, den Namen dieses Orts richtig auszusprechen. Ein Landgang hier, wo auch der internationale Flughafen der größten Insel der Welt beheimatet ist, bietet sich aber förmlich an, denn es gibt Besonderes zu sehen.

 

Kangerlussuaq – die dänische Bezeichnung lautet Søndre Strømfjord – hat sage und schreibe etwas mehr als 500 Einwohner und ist entsprechend übersichtlich. Der Ort liegt in etwa auf Höhe des Polarkreises am Ende des 170 Kilometer langen Fjords gleichen Namens, der „langer Fjord“ bedeutet, an der Westküste Grönlands. Das Inlandeis ist 25 Kilometer von Kangerlussuaq entfernt.

Stützpunkt des Militärs

Kangerlussuaq geht auf einen US-amerikanischen Armeestützpunkt zurück, der vom 7. Oktober 1941 bis zum 27. April 1951 genutzt wurde. Dem Flughafen des Ortes fiel 1948/1949 eine tragende Rolle während der Berlin-Blockade zu, da die Versorgung mit Gütern, die für die Luftbrücke nach Berlin bestimmt waren, über diesen Stützpunkt abgewickelt wurde. Teile des Flughafens werden immer noch vom amerikanischen Militär genutzt. So unterhält die New York Air National Guard hier einen Stützpunkt, von dem aus Hercules-Maschinen starten, die mit Kufen zur Landung auf dem Inlandeis ausgerüstet sind. Ziele sind mehrere Forschungsstationen, wo in den Sommermonaten für Soldaten ein Überlebenstraining im Eis durchgeführt wird.

Kangerlussuaq: nicht besonders aufregend

Kangerlussuaq verfügt über einen nur während der Sommermonate benutzbaren Seehafen, ein Hotel, einen Supermarkt, ein Tagungszentrum, eine Schule und einen Sportclub. Eine Straßenverbindung zu anderen grönländischen Orten existiert nicht. In den Wintermonaten kann das 170 Kilometer entfernte Sisimiut per Hunde- oder Motorschlitten erreicht werden.
Es ist nicht der Ort selbst, der auf Interesse stößt, denn aufregend ist er gewiss nicht, und selbst ein kleiner Abstecher zu einer Farm mit Grönlandhunden, die an ihren Ketten und einem warmen Sommertag mit Temperaturen über zehn Grad wenig glücklich wirken, vermag nicht zu begeistern. Mit merkwürdig aussehenden Allrad-Bussen geht es an eine Brücke, unter der ein Fluss über mehrere Steinschwellen dahin schießt. „Alles Schmelzwasser", ist zu erfahren. Pflichtschuldigst werden die ersten Fotos geschossen.


Schöner wird es erst, wenn Kangerlussuaq selbst verlassen ist und es mit den ungewöhnlichen Gefährten einen Berg empor geht. Da kann schon mal auf halbem Wege eine kurze Pause eingelegt werden, um eine Herde von Moschusochsen zu beobachten.  Oben auf dem Berg wird es beeindruckend, denn die Landschaft mit ihren kleinen Seen und den vielen Gipfeln erweist sich – zumindest bei Sonnenschein  – als wunderschön. Lediglich die oberirdisch verlegten Stromleitungen stören die Optik ein wenig.

Unterwegs sieht man eine Herde Moschusochsen.


Schneehasen und Moschusochsen
Und dann geht es weiter, über die mit 35 Kilometern längste Straße Grönlands, Richtung Inland-Eis. Bald schon wird klar, warum wir in derart ungewöhnliche Busse eingestiegen mussten, denn die Straße ist sicherlich nicht damit zu vergleichen, was der gemeine Mitteleuropäer darunter versteht. Vielmehr handelt es sich um eine Schotterstrecke, die quer durch die Tundra mit ihren niedrigen Sträuchern und hügeligem Terrain führt. Links taucht plötzlich ein weißer Schneehase auf, rechts an einem kleinen See erneut eine Herde von Moschusochsen.

Karg, aber wunderschön: Landschaft in Grönland.

Und auch Rentiere verstecken sich nicht. Dazu kommt eine beeindruckende Landschaft mit versprenkelt gebauten, kleinen bunten Holzhäusern. Ja, das ist schon wirklich Grönland, wie der Kreuzfahrer es sich vorgestellt hat. Dass es hier sogar einen Golfplatz gibt – der nördlichste der Welt! – wussten die meisten zuvor auch nicht. Nun aber haben sie ihn gesehen.
Blumen blühen am Gletscher
Und dann erreichen wir am Russel-Gletscher das Inland-Eis. Vorne Blumen, dann ein Fluss und dahinter eine gigantische, rund 80 Meter hohe Eiswand – das stellt eindeutig einen ersten Höhepunkt dar. Man muss sich das nur vorstellen: Die grönländische Eisplatte erstreckt sich über 2.500 Kilometer von Norden nach Süden und ist bis zu 3.200 Meter dick. Am Russel-Gletscher hat das Eis eine West-Ost-Ausdehnung von rund 700 Kilometern. Und das bedeutet, dass es auf einer Strecke, die der von Hamburg nach München vergleichbar ist, nur Eis gibt. Eis, Eis und nichts als Eis. Unglaublich. 

 



Nun geht es zurück, wobei es durchaus passieren kann, dass auf halber Strecke der Bus gewechselt wird, weil der ursprünglich genutzte andere Fahrgäste aufnehmen muss, die mit einem normalen Bus kommen – ohne Allrad-Antrieb ist der Gletscher aber nur schwerlich zu erreichen. Bald aber erreichen  wir den Hafen und dort wartet das Kreuzfahrtschiff, das mit Tendern erreicht wird. In Erinnerung bleibt der Besuch des Inland-Eises, das von einigen Abenteurern bereits gequert wurde. Für den normalen Urlauber aber ist die Busfahrt dorthin schon Abenteuer genug.  Die beeindruckenden Gletscher mit ihren seitlichen Moränen haben uns ein Gefühl der Winzigkeit vermittelt.  

                                                                                Text & Fotos: Dirk Kröger

 

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