15.04.2019

Grönland: Von bunten Häusern, einem besonderen Gesangsbuch und einem Skelett

Bunte Häuser in Aasiaat (Grönland). Foto: Dirk Kröger

Kangerlussuaq und Sisimiut - Namen von zwei Städten, die hierzulande die wenigsten Menschen kennen. Beide Orte aber zählen zu den Standard-Haltepunkten von Kreuzfahrtschiffen in Grönland, beide gehören auf der größten Insel der Welt nahezu zu den Metropolen. Aber wenn es ans "Eingemachte" gehen soll, dann stehen  - vor allem für kleinere Schiffe – Häfen auf dem Plan, die vom Tourismus noch wenig berührt sind. Dazu gehört Aasiaat an der Westküste im südlichen Bereich der Diskobucht mit rund  3.100 Einwohnern.

Noch heute lebt Aasiaat zu großen Teilen vom Fischfang mit Schleppnetzen,  Krabben- und Shrimps-Fischerei. Für Besucher werden Walbesichtigungstouren, Kajak- und Hundeschlittenfahrten angeboten.  Aasiaat hat aber auch Einkaufsmöglichkeiten, ein Hotel, ein Restaurant, eine Kirche, einen Kindergarten, eine Tagespflegestation, ein Krankenhaus, ein Altersheim, eine große Bibliothek, einen Jugendtreff und eine Sporthalle.

 

Landgang in Aasiaat

 

Der Hafen von Aasiaat ist klein, die meisten Schiffe müssen hier auf Reede liegen, Landgänge sind somit nur bei Nutzung von Tendern möglich. Aber  wenn denn im Hafen von Aasiaat nur wenig los ist, dann kann es auch an die Pier gehen. Das macht den Landgang natürlich einfacher und streckte den Zeitrahmen dafür. Aber: Nach zwei, drei Stunden hat der Besucher alles gesehen, was es hier in der fünftgrößten Stadt Grönlands zu sehen gibt.

Die Kirche von Aasiaat.

Zu sehen sind in erster Linie die vielen bunten Holzhäuser, die aus Dänemark nach Grönland geliefert wurden und gerade in Aasiaat ein bemerkenswertes Bild abgeben, dessen Optik nur durch die vielen Überland-Wasserleitungen gestört wird. Einen Besuch wert ist auch die von außen wenig spektakulär wirkende schwarz gestrichene Kirche des Ortes mit ihrem neben dem Hauptgebäude errichteten Glockenturm, dem Unterkiefer eines Wals und einem großen Anker, der an die Opfer erinnern soll, die auf See geblieben sind.

Das Innere des Gotteshauses aber ist mehr als einen Blick wert: Da hängen Modelle von Fischerbooten von der Decke, da gibt es einen interessant gestalteten Altar und an der ihm gegenüber liegenden Wand Bilder grönländischer Künstler, die biblische Motive in die Inuit-Welt versetzen. Aber besonders schön ist es, einige Blicke in die Gesangsbücher für Kinder zu werfen - auch hier gibt es biblische Geschichten, die aber in Grönland angesiedelt sind. Neben der Kirche ist ein Grassodenhaus zu sehen, das bis vor einigen Jahren noch bewohnt gewesen sein soll. Durch die Fenster sind noch ein Bett, eine Tranlampe und mehrere Robbenfelle zu sehen.

Grassoddenhaus.

Wal-Beobachtung

 

Wer gut zu Fuß ist, der sollte auch die Anhöhen von Aasiaat erklimmen, um den wunderbaren Blick auf die Bucht zu genießen. Oftmals können von hier aus auch Wale beobachtet werden. Nach dem Abstieg geht es  vorbei am Hafen und Richtung Seemansheim, wo das Skelett eines Zwergwals zu sehen ist. Allerdings muss das erst einmal gesucht werden - gefunden werden die Walfischknochen zumeist eher zufällig. 

Wal-Skelett.

Aasiaat hat auch ein Touristenbüro, das sich in einem roten Holzhaus befindet. Was es dort gibt, ist eher übersichtlich: Ein paar Landkarten, ein paar Postkarten, etwas Handwerkskunst. Grönländer dagegen werden kaum angetroffen. Entweder sind die alle zur Arbeit oder sie verkriechen sich in ihren Häusern.

Das Touristenbüro.


Die Sehenswürdigkeiten des Ortes sind also schnell abgehandelt, wobei die größte eigentlich der Ort selbst ist. All die vielen bunten Häuser, die größtenteils auf Felsen gebaut sind und oftmals nur über interessante Treppen-Konstruktionen erreichbar sind, stellen für mitteleuropäische Augen etwas Unbekanntes-Faszinierendes dar.

                                                         Dirk Kröger (Text & Fotos)

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