27.02.2016

Die Nebel von Loch Ard Gorge

Loch Ard Gorge  Welcome Aboard
Die Loch Ard Gorge liegt an der Great Ocean Road, etwa sieben Kilometer hinter den Zwölf Aposteln. Foto: Susanne Müller

Von den 54 Passagieren und der Mannschaft an Bord der „Loch Ard“ überlebten nur zwei: Tom Pearce, der Schiffsjunge, und Eva Carmichael, ein irisches Mädchen, das mit seiner Familie nach Australien auswandern wollte. Ich entdecke ihre Gesichter auf einem Schild hoch über der Schlucht, die nach dem Segelschiff ebenfalls „Loch Ard“ heißt. Blutjung waren die beiden als das Unglück passierte, gerade mal 18. Heute brennt die Sonne von einem wolkenlos blauen Himmel. Als ich die Geschichte der  Überlebenden lese, stehe ich fast genau an jener Stelle, wo es einst passierte. Die Brandung bricht wie ein Donner in die enge Schlucht, und die Gischt spritzt meterhoch.

Die Loch Ard Gorge liegt an der Great Ocean Road, etwa sieben Kilometer hinter den Zwölf Aposteln. Obwohl das Thermometer mehr als 30 Grad Celsius anzeigt, fröstelt es mich, als ich auf die scharfkantigen Felsen schaue.   

Am 1. Juli 1878 herrschte dichter Nebel. Der Klipper hatte England vor drei Monaten verlassen, und die Menschen an Bord konnten es wahrscheinlich kaum abwarten, endlich ihre neue Heimat zu betreten – jetzt, da sie die Küste so nah vor Augen hatten. Die schlechte Sicht, die tückischen Felsen, alles kam zusammen und besiegelte das Schicksal der „Loch Ard“. Sie lief auf Grund, fast alle Passagiere ertranken.

 Tom Paerce hatte Glück. Er hielt sich über Stunden unter einem Rettungsboot in der stürmischen See und wurde irgendwann an den Strand gespült. Von dort aus sah er Eva Carmichael, die sich an einem Stück Holz festhielt, im Wasser treiben. Mit letzter Kraft schwamm er noch einmal hinaus und rettete sie.

Auch wenn es die Zeitungen damals gerne so gehabt hätten: aus den beiden wurde kein Liebespaar. Tom bekam eine Medaille, und Eva kehrte zurück nach Großbritannien. Ihre Geschichte jedoch lebt fort und berührt jeden, der die Stufen hinunter an den Strand von „Loch Ard“ folgt.

 Dort gab es früher einen steinernen Bogen, den Island Archway. Er stürzte im Juni 2009 ein. Nun sind nur noch zwei einzelne Felsenpfeiler übrig geblieben. Sie heißen seit dem Einsturz offiziell Tom und Eva.                                        S.M.

Loch Ard Gorge in Victoria/Australien.             Foto: Susanne Müller

 

Infos: Die Region an der Great Ocean Road heißt nicht umsonst die Küste der Schiffswracks. 638 Schiffe sollen vor den Küsten Victorias untergegangen sein. Die schönste Panoramaroute Australiens schlängelt sich südlich von Melbourne über 253 Kilometer in Richtung Westen. Wer eine Kreuzfahrt in Melbourne startet oder sie dort beendet, sollte sich eine Tour auf der Great Ocean Road auf keinen Fall entgehen lassen. Mehr Infos: http://de.visitmelbourne.com/

Die Top-Ziele von Victoria in Australien: Hier gibt es Tipps und Infos: http://susandewinter.de/2017/02/21/victoria-in-australien-die-besten-reiseziele/http://susandewinter.de/2017/02/21/victoria-in-australien-die-besten-reiseziele/

 

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