25.02.2015

Auf Food Tour durch Miami Beach

Ocean Drive
Sehen uns gesehen werden am Ocean Drive in Miami Beach. Fotos: Susanne Müller

Zum Essen nach Miami? – Das haben wohl die wenigsten auf dem Schirm. Dank günstiger Flugpreise jetten  sie da eher mal zum Partymachen an die South Beach, verdrücken schnell einen Hamburger, rennen den Ocean Drive rauf und runter – und verpassen so einiges. Etwa dass man sich in Miami Beach vortrefflich durch die vielen unterschiedlichen Kultureinflüsse der Sonnenmetropole schlemmen kann. Da erfährt dann nicht nur der Gaumen Neues. Gehend, staunend, essend und trinkend erleben Gäste der „Food Tours“ ein Miami Beach, dass sie nie mehr vergessen werden.

Morgens um elf  holt uns Alex am Hotel ab. Der Slowenier arbeitet den Winter über bei den Food Tours  im warmen Florida und kehrt im Sommer zu Frau und Kind nach Ljubljana zurück.  Nicht nur mit den Lokalitäten seines Wahldomizils kennt er sich bestens aus. „Die Leute hier in Miami Beach finden das Leben einfach nur süß. Sich zu amüsieren ist viel wichtiger, als dauernd zu arbeiten“, erklärt  er uns die Philosophie seiner Mitbürger, während wir die Lincoln Road entlang bummeln. Noch ist nicht viel los auf dem von Geschäften und Restaurants gesäumten  Boulevard. Palmen spenden Schatten, leuchtender Bougainvillea rankt zwischen den Boutiquen. Über unseren Köpfen kreischen grüne Papageien in gehobener Lautstärke. „Zum Glück werden die auch erst nach zehn Uhr wach, so wie wir alle hier“, brummt Alex und biegt nach rechts in die Meridian Avenue ein.

Unseren ersten Food-Stopp in Miami Beach absolvieren wir im Stehen. Abuela’s Cuban Kitchen (1654 Meridian Avenue) erweist sich als der Café-Tipp für Insider. „Hier kommt man her, um sich zu unterhalten, anstatt auf sein Smartphone zu glotzen. WiFi kannst du hier vergessen, und natürlich solltest du etwas Zeit mitbringen“. Während Alex gleichzeitig Erklärungen abgibt und Cuban Colada (2,95 $) durch ein geöffnetes Fenster bestellt, versammeln wir uns auf dem Bürgersteig, wo schon einige Einheimische ihren Tag  bei einem Kaffee und einem gemütlichen Schwätzchen beginnen. In Slowmotion, hat man das Gefühl.

Cuban Colada gegen den Jetlag

 Unser europäischer Miami-Führer gießt den verdächtig tiefschwarzen Kaffee in winzige Styroporbecher und gibt Warnungen dabei aus. „Das ist nichts für Weicheier, Mann, aber probiert einfach, entweder man liebt ihn oder man hasst ihn“. Heiß, stark und süß fährt uns der Cuban Colada in die Glieder. Wer eben noch mit dem Jetlag gehadert hat, ist jetzt hellwach – für den Rest des Tages.  Eine Kubanerin reicht einen Teller mit Pastalitas  (2,05 $) aus dem Fenster. Wir nehmen die dreieckigen Teilchen, die mit Marmelade, Kokosnusscreme oder Schinken und Käse gefüllt sind, einfach in die Hand und beißen ab. Genau das Richtige zum Cuban Colada!

Kubanisch gestärkt kehren wir zurück auf die Lincoln Road und wundern uns, dass auf den Bänken hier nur Männer sitzen und sich augenscheinlich mächtig zu langweilen scheinen. Alex verdreht die Augen. „Das ist jeden Tag dasselbe hier. Guckt doch mal, vor welchem Geschäft die armen Teufel stundenlang warten müssen. Wir gehen jetzt aber auf jeden Fall weiter!“, nimmt er die Frauen unserer Gruppe drohend ins Visier. Zugegeben: Ein kleiner Besuch bei „Victoria’s Secret“ wäre jetzt durchaus auch okay gewesen…

Miami Fusion Cuisine im Bookstore

Dafür wartet unsere nächste Essenstation schon zwei Häuser weiter: The Café at Books & Books (926 Lincoln Road). „Das hier war der erste Buchladen in Miami Beach. Und der Besitzer war der erste, der die Stadt um eine Lizenz bat, Gäste draußen bewirten zu dürfen“, erklärt Alex, während wir uns in einem schattigen Hinterhof niederlassen und der leckeren Dinge harren, die da kommen. Aber erstmal saugen wir die entspannte Atmosphäre auf. Tatsächlich scheinen hier vor allem Einheimische zu frühstücken und dabei in Zeitungen und Magazinen zu blättern und die anderen Leute zu beobachten.  Für uns gibt’s Miami Fusion Cuisine: Guacamole, gerösteten Mais, Hummus aus pürierten Kichererbsen, Ceviche, die lateinamerikanische Version von Sushi. Alles schmeckt köstlich und ist ganz frisch zubereitet.  

 

Miami Beach gilt als Schmelztiegel der Kulturen. Hier leben Exil-Kubaner, Latinos, Weiße, Afro-Amerikaner und Asiaten, und damit gibt es auch kulinarisch so viele Angebote wie in kaum einer anderen Stadt. Während wir zufrieden spachteln, erteilt Alex uns weiteren Unterricht in Sachen ‚So ist das Leben in Miami Beach‘. „Es ist toll, keine Frage. Aber wenn du hier eine Freundin haben willst, musst du echt Kohle haben.“  Wir wundern uns ein bisschen, denn die Gerichte auf der Speisekarte liegen gerade mal zwischen sieben und 13 Dollar. Aber da folgt schon die Erklärung. „Hier ist immer so viel los. Kein Mensch liegt da abends auf der Couch und guckt Fernsehen. Alle gehen ständig raus `was trinken – also das wird auf die Dauer ganz schön teuer…“

Das weibliche Mitleid hält sich in Grenzen, und wir wechseln erneut die Lokalität. Zum Glück können wir nun mal ein paar Schritte weiter laufen und dabei die Häuser im Art Decó-Stil bewundern. Im Prinzip sind es aber auch nur ein paar Minuten und schon stehen wir vor „El Chalan on the Beach“ (1580 Washington Avenue). Von außen ist das peruanische Restaurant nicht unbedingt ein Hingucker, aber sobald wir zur Tür hereinkommen, dringt uns eine Mischung aus emsiger Betriebsamkeit, Gelächter, Geplauder und verführerischer Gerüche entgegen. Der Laden ist rappelvoll, und obwohl ein Tisch für uns reserviert ist, müssen wir warten. Alex zuckt entschuldigend mit den Schultern, „das ist hier immer so – die Einheimischen wissen eben, wo es gut schmeckt.“

Springendes Fleisch beim Peruaner

Und das erfahren wir auch wenig später, als die typischen Speisen Perus auf großen Platten auf unserem Tisch landen.  Zum Beispiel Lomo saltado (12,50 $), was übersetzt so etwas wie „Springendes Fleisch“ bedeutet. „Das mochten schon die Gauchos“, schmunzelt Alex und macht sich beherzt über sein geschnetzeltes Rindfleisch mit Pommes und Reis, Tomaten und Zwiebeln, gewürzt mit Aji verde, her. Daneben gibt es marinierten Fisch: Ceviche de Pescado und Gemüse.

Es ist gerade mal mittags als wir uns aus dem familiengeführten Restaurant mehr oder weniger „heraus rollen“ und vor zwei elektrischen Golfcarts stehen. „Swoop“ heißt das Taxiunternehmen, dass kostenlose Fahrten (Trinkgeld wird allerdings erwartet) innerhalb South Beach offeriert. Obwohl es für die Figur eindeutig besser wäre zu gehen, düsen wir jetzt also mit Frischluftzufuhr dem nächsten Food-Hotspot entgegen.  „The Frieze“  (1626 North Michigan Avenue) heißt unser letztes Ziel, und laut Alex soll es hier nicht nur das beste Eis von Miami geben, sondern gleich von der ganzen Welt. „Vergesst die Kalorien, genießt es einfach nur“, lautet sein abschließender Tipp bevor wir uns ins eiskalte Vergnügen stürzen.

Seit 25 Jahren werden die Eiscremes und Sorbets der Familie Warren jeden Tag frisch fertig gemacht, mit besten Zutaten und selbstverständlich ohne künstliche Farben und Geschmacksverstärker.  Schade, dass wir uns nicht durchs ganze Programm arbeiten können, es schmeckt einfach herrlich. Doch die Food Tour hat uns geschafft, jetzt hilft nur noch eins: ab an den Strand.

                                                                                                     Susanne Müller

 

 

Informationen:

Die Miami Food Tours starten täglich um elf Uhr in der Lincoln Road in South Beach und dauern etwa drei Stunden. Kostenpunkt: 53 $ pro Person. www.miamifoodtours.com

Übernachtungstipp in Miami Beach: Angler’s Hotel. In diesem netten Boutique Hotel trank schon Hemingway seinen Mojito. Das kleine Hideaway heimste bereits zahlreiche Preise ein u.a. für sein Brunch-Angebot. Der Strand und Lincoln Road sind fußläufig erreichbar. (www.anglershotelmiami.com)

Übrigens: Die besten Tipps für einen Landgang in Miami Beach lesen Sie im Kreuzfahrtmagazin WELCOME ABOARD 2015.  

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