23.12.2015

Zu den Trauminseln der Karibik

AIDAluna Bonaire
Die "AIDAluna" in Bonaire. Fotos: Susanne Müller

Genau zehn Stunden trennen uns im Winter von Sonne, Wärme, türkisblauen Wasser und palmengesäumten Stränden. Doch die Geduldsprobe im Flugzeug nehmen inzwischen immer mehr Urlauber in Kauf, um einfach mal abzuspannen. Zum Beispiel auf der „AIDAluna“…

Manchmal kommt einem ein Jetlag gar nicht so ungelegen. Etwa wenn man morgens viel zu früh auf der „AIDAluna“ aufwacht. Während Deutschland sich schon langsam aufs Mittagessen vorbereitet, fängt der Tag in der Karibik gerade erst an. Mit einem fantastischen Sonnenaufgang. Einer warmen Brise. Stille, die nur vom leisen Geräusch der Wellen unterbrochen wird.

Ein paar wenige Passagiere haben sich auf den Weg zum Body & Soul-Bereich auf Deck 11 gemacht. Der indische Yoga-Meister Shibi begrüßt sie zum Wake up-Yoga. Mit sanfter Stimme ermuntert er zum Sonnengruß, zu den Asanas, die Körper und Seele in Harmonie zueinander bringen. Seit zwei Jahren fährt Shibi mit AIDA und verhilft Urlaubern zu einer tollen Erfahrung: Dass sie mit Yoga ihren Stress einfach vergessen können – in wenigen Minuten und ganz ohne Medikamente. „In unserer hektischen Welt nimmt sich doch kaum noch jemand die Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen“, bedauert der Yogi, der neben den Gruppenworkshops auch privates Training anbietet.

In Yogi-Manier tief durchatmen hilft auch am Vormittag dieses Seetages angesichts von hundert Prozent belegten Liegen, auf denen sich aber nur höchstens zur Hälfte Urlauber räkeln. Des Rätsels Lösung: Der pfiffige Deutsche reserviert sich frühmorgens gleich zwei Liegen. Eine in der Sonne und eine im Schatten. Da freuen sich alle, die eine Balkonkabine gebucht haben. Oder man umgeht als einfältiger „Nicht-Reservierer“ den Sonnenbrand auf blasser Winterhaut und widmet sich den vielen Unterhaltungsangeboten auf der „Luna“.  Wer richtig Spaß haben und außerdem die unvermeidlich erscheinenden Auswirkungen des sehr guten Buffets auf die Hüften verhindern möchte, wählt wiederum den Weg ins „Body & Soul“. Diesmal ist deutlich mehr ‚action‘ angesagt,  Anita will ihren Gästen Zumba beibringen. Das heißt, die Hälfte der rund 40 Frauen (und ein Mann!) ist offenbar schon zu Hause zumbamäßig unterwegs und brilliert im verspiegelten Sportstudio mit perfektem Hüftschwung. Der engagierten Anita gelingt es aber tatsächlich selbst den talentfreiesten Zumba-Novizinnen die richtigen Schritte und Bewegungen beizubringen. Und wenn es mal danebengeht: auch egal, Spaß macht es trotzdem. Die „Luna“ schaukelt vor der Küste Südamerikas durch die Wellen, Salsa-Rhythmen hämmern aus den Lautsprechern  und ganz klar, man entdeckt es in sich:  das berühmte Temperament der Latinos!

 

Deutlich ernster und ruhiger geht es derweil im Theatrium zu. Galerist Gerald von Hassel bittet zur Kunstauktion. Unter den Hammer kommen Bilder und Skulpturen renommierter Künstler. Mitbieten kann jeder über 18 einfach per Handzeichen. Zum Ersten, zum Zweiten… Erstaunlich in welcher „Bieterlaune“ manche Urlauber sind. Selbst beim „Nur-Zuschauen“ kribbelt es einem im Magen und man spürt die unterschwellige Spannung.  Der Clou sind die so genannten „Blind Dates“. Dabei bietet man auf ein verhülltes Kunstwerk, das erst gezeigt wird, wenn der Hammer zum dritten Mal nieder gesaust ist.  Hop oder top – diesen Nervenkitzel gönnen sich viele, zumal der Einstiegspreis mit zehn Euro übersichtlich ist. Meist gehen die Bilder dann für rund 200 Euro über den Tisch. Unbedingt sehenswert: die Gesichter der Käufer bei der Enthüllung der Kunstwerke.

 

Spa unter den Sternen

 

Als ein besonders Highlight der Reise erweist sich der „Spa unter den Sternen“. Der exklusive Wohlfühlabend beginnt um 19.30 Uhr, muss vorher reserviert werden und ist maximal 80 Personen vorbehalten. Während sich jetzt gerade knapp 2000 Passagiere in den insgesamt sieben Restaurants kulinarisch verwöhnen lassen, haben gerade mal zwölf  Gäste eine Traumwelt wie in einem prachtvollen Maharadscha-Tempel ganz für sich alleine. Luxus pur für 20 Euro! Der Body & Soul Spa-Bereich auf der „Luna“ entführt seine Besucher nach Indien. Wohltuende Ruhe, gedimmtes Licht, betörende Gerüche sind die Zugaben zu Erlebnisaufgüssen, Peelings, Packungen, Obst und Tee. Ein Abend ganz und gar für die Schönheit und das Glück.

Von Indien zurück in die Karibik. Jeden Tag eine andere Trauminsel „vor der Haustür“, da lässt sich den Landgang natürlich niemand nehmen. Den Anfang macht Aruba. Die kleinste der drei „ABC-Inseln“ ist nur 30 Kilometer lang und maximal neun Kilometer breit. Staatsoberhaupt ist der niederländische König, und auch die Amtssprache ist niederländisch.  Wer direkt von der „Luna“ aus nach rechts spaziert, gelangt in den Wilhelminapark. Nur ein paar Schritte von der Statue der Namensgeberin entfernt, schlägt die Stunde der Naturfotografen. Um die 50 Leguane sonnen sich hier im Gras, huschen aus dem Gebüsch  und stürzen sich gierig auf den Weißkohl, den jemand für sie ausgelegt hat. 

Zu Fuß oder mit der Bimmelbahn lässt sich anschließend die kleine Hauptstadt Oranjestad erkunden. Auch sie erweist sich als Fest für Fotografen: pastellfarbene Häuser im holländischen Kolonialstil, mit Stuck verzierte Balkone und über allem der azurblaue, karibische Himmel. Im Cocoplum Restaurant in der Main Street gibt’s Vitamine in ihrer reinsten Form. Ananas, Kiwis, Orangen und Erdbeeren werden frisch gepresst und eisgekühlt serviert. Gäste sitzen in Korbmöbeln unter Palmen, eingelullt von Reggeamusik, und vielleicht fragt sich manch einer, ob Bobby Farrell hier auch schon gechillt hat. Schließlich war der inzwischen verstorbene Kultsänger von Boney M ein Sohn der Insel.

 

 Nach so viel „Sightseeing“  werden am Nachmittag die Badesachen hervor geholt. Sämtliche Taucher auf der „AIDAluna“ hat es ohnehin längst unter Wasser gezogen. Schon vor über 20 Jahren wurde die Unterwasserwelt rund um Aruba unter Naturschutz gestellt. Seitdem zählt die Insel zu den bekanntesten Tauchgebieten der Welt. Vom Cruiseterminal aus fährt der Inselbus in einer Viertelstunde (2,30 $) zum Palm Beach. Wer jetzt zur Hauptsaison einsames Strandleben a la ‚blaue Lagune‘ erwartet, erlebt einen mittelschweren Kulturschock. Hier gibt’s Hotels und Bars, laute Musik, Trubel, alle Arten von Wassersport und – ach ja: Palmen, Meer und weißer Sandstrand sind natürlich schon vorhanden. Für alle, die es ruhiger lieben, sei der näher am Hafen gelegene Eagle Beach empfohlen, wo der Bus ebenfalls hält.

Cheers mit Blue Curaçao

Das „C“ der ABC-Inseln steuert die „Luna“ tags darauf an. Curaçao, die Heimat des berühmten, blauen Likörs, den alle kennen, die in den 80er Jahren schon auf der Welt waren und in die Disco durften. Damals zählte der Orangenlikör aus der Karibik zu den angesagtesten Getränken. Wer erinnert sich? – Mit Orangensaft gemixt, hieß  der Cocktail  „grüne Wiese“.  Etwas verdutzt gucken die meisten Kreuzfahrer allerdings, als sie erfahren, dass „ihr“ Blue Curaçao eigentlich gar nicht blau ist, sondern braun. Weil die Europäer blau aber schöner finden, wird er extra vor dem Export noch hübsch eingefärbt.   

Vom Schiff aus ist es wiederum nur ein kleiner Spaziergang in die Hauptstadt, in diesem Fall Willemstadt (Foto oben). Die Königin-Emma-Brücke verbindet die beiden Stadtteile Punda und Otrabanda. Ganz egal in welchem Teil man sich gerade befindet und die bunt bemalten Häuser im Kolonialstil bestaunt, es wundert sich niemand, warum die UNESCO Willemstad zum Weltkulturerbe erklärte. Wer sich sattgesehen hat an den fröhlichen Fassaden, kann beim zollfreien Einkauf ein paar Scheinchen loswerden, zusehen, wie auf dem „Schwimmenden Markt“ Obst und Gemüse direkt aus den Booten verkauft werden oder an der Ufer-Promenade  ganz entspannt einen Espresso trinken. Ein lautes Klingeln kündigt an, dass sich die Fußgänger auf der Königin-Emma-Brücke besser beeilen sollten. Ein Schiff nähert sich, deshalb öffnet sich die Ponton-Brücke, um den Weg in den Hafen frei zu machen. Stadtbesucher nehmen in dieser Zeit einfach eine der kostenlosen Fähren über die St. Anne-Bucht, um zurück zur AIDA zu gelangen.  Badenixen, Schwimmer und Schnorchler peilen auf Curaçao gern den Mambo Beach an. Vom Pier zum Strand sind es nur 15 (Auto-)Minuten, und das mit vier Personen besetzte Taxi kostet 20 US-Dollar.

 

Paradies für Taucher

 

 Bonaire, die mittlere der drei ABC-Inseln, kann im Vergleich zu Aruba und Curaçao auf den ersten Blick weniger punkten. Die Hauptstadt Kralendijk zeugt zwar ebenfalls vom holländischen Stil des 19. Jahrhunderts, ist aber weit weniger eindrucksvoll als Oranjestadt und Willemstad. Doch dafür begeistert die Insel auf den zweiten Blick: durch die Taucherbrille geschaut. Für 20 US-Dollar fahren die Wassertaxis, die direkt neben der „Luna“ anlegen, zur Nachbarinsel Klein Bonaire. Da gibt es zwar weder Schattenplätze noch eine Bar, aber was stört das die Schnorchler und Taucher? Sie gleiten durch glasklares Wasser und entdecken eines der schönsten Korallenriffe der Welt.

Wer sich zum Einstimmen auf den AIDA-Törn einen oder gleich alle Teile von „Fluch der Karibik“ angetan hat, fühlt sich auf  St. Vincent wie zu Hause.  Bei einem Schiffsausflug räkeln sich die Urlauber im Netz eines Katamarans, der elegant auf den Wellen tanzt. Links reicht das Meer bis zum Horizont, rechts zeigt sich St. Vincent genau so, wie es die Arawak-Indianer schon vor 300 Jahren sahen. Schroffe Felsen, steile Klippen, tiefgrüner Dschungel. Diesmal sind die AIDA-Gäste wirklich allein an einem palmengesäumten Karibikstrand mit schwarzem Lavasand und vielen bunten Fischen im türkisgrünen Wasser. Später schlagen sie sich zu Fuß durch den Regenwald, hangeln sich über eine Hängebrücke aus Bambusholz. „Ist etwa so wie in diesem Indiana Jones-Film, Sie wissen schon….“, hatte es im Vorfeld geheißen, was bei dem ein oder anderen für Schweißausbrüche und Herzrasen sorgte. In Wirklichkeit erweist sich die Hängebrücke als völlig harmlos. Obwohl, geschickt fotografiert, könnte man mit den Bildern zu Hause Eindruck schinden… Wer die „Herausforderung“ mit der Brücke mutig gemeistert hat, darf sich zur Belohnung unter einem tropischen, warmen Wasserfall duschen. Nach einem karibischen Mittagessen auf der offenen Veranda eines Strandrestaurants geht es im Minibus bergauf, bergab die Serpentinenstraße an der Küste entlang. Kinder in Schuluniformen sind zu Fuß unterwegs und starren mit großen Kulleraugen in die Busse. „White people!!“, kreischen die kleinen Mädchen mit ihren Pippi Langstrumpf-Zöpfen und lachen sich kaputt über die deutschen Touris, die durch ihr Dorf  rumpeln. Die Kreuzfahrer sind hier heute eindeutig die Inselattraktion.

 

Fluch der Karibik

Bereits an „Weiße“ gewöhnt ist man in Walilabou Bay, immerhin war Johnny Depp bereits da – nebst Gefolge natürlich. Die Regisseure von „Fluch der Karibik“ hatten monatelang nach einem passenden Drehort gesucht, bevor sie auf dem ursprünglichen  St. Vincent fündig wurden. So kam es dann, dass der coole Captain Jack Sparrow  in der idyllischen Bucht Walilabou Bay in einen Sarg verfrachtet und ins Meer geschoben wurde. Die Filmrequisiten inklusive der Holzsärge und der Zeitpläne der Schauspieler können besichtigt werden.

Ein Hauch von Muskat, von Gewürznelken und Zimt liegt in der Luft, als die „AIDAluna“ in St. George’s, der Hauptstadt von Grenada, anlegt. Der Ort hat schon einiges mitgemacht. Im Herbst 2004 zerstörte der Hurrikan Ivan 95 Prozent seiner Häuser. Auch in späteren Jahren zogen immer wieder heftige Wirbelstürme durch die Stadt. Doch heute ist alles friedlich, sonnig, windstill und warm. Auf dem Markt lassen sich die besten Gewürze für ein karibisches Essen auswählen, das später an die AIDA-Kreuzfahrt erinnert. Von der Kirche oben auf dem Berg liegt einem ganz St. George’s zu Füßen. Und man trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Typen namens Sugarboy.

 „Du kommst aus Germany? Dann bisse du meine Freund!“

„Okay, danke! Aber wir kaufen nichts!“

„Du brauche nix zahlen, my friend. Wir fahren über Insel zu Wasserfall. Du baden, und dann schau: Affe sitzt auf deine Schulter für Foto. Sugarboy macht special price für meine Freund.“

Jetzt hilft nur noch eine Affen-Allergie vorzutäuschen und sich rasch zu verabschieden. Sugarboy nimmt’s nicht krumm. Graziös wirft er seine Rasta-Locken zurück und wendet sich seinem nächsten Klientel zu: „Du aus Germany…?“

Schon am nächsten Morgen erreicht die „AIDAluna“ Barbados, von wo aus die meisten Gäste nach Hause fliegen. Eigentlich schade.  Denn von Tag zu Tag, von Insel zu Insel, hatten sich die Passagiere verändert. Fast alle waren gelassen geworden und fröhlicher. Und sie hatten auch wirklich weniger Liegen reserviert…

Susanne Müller

 

    

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Dann jetzt teilen auf Facebook, Google+ und Twitter

Magazin verpasst?

Jetzt das aktuelle Magazin oder ältere Ausgaben direkt im Shop bestellen.

Jetzt bestellen