10.08.2015

Wie sicher sind Kreuzfahrten?

CSMART Simulator
In Almere kann alles simuliert werden, auch die EInfahrt nach Fort Lauderdale. Foto: Susanne Müller

„Was meinen Sie, lassen sich Unfälle auf See zu hundert Prozent vermeiden?“ Captain Hans Hederström blickt uns herausfordernd an. Alle schütteln die Köpfe. Hederström, der Direktor des Center for Simulator Maritime Training, kurz CSMART genannt, kennt diese Reaktion und kontert: „Na gut, Unfälle von Gott wie etwa Tsunamis oder Vulkanausbrüche können wir nicht verhindern. Menschliche Unfälle allerdings schon – mit dem richtigen System, mit Kontrolle.“

 

Checklisten wie im Flugzeug-Cockpit

Er zeigt uns eine Karte von Stockholm. Hunderte von kleinen Inseln, Schnee und Eis im Winter. Ein Kunststück, hier zu navigieren.  So waren es die Fährreedereien, die vor einigen Jahren ein System verlangten, um die vielen Unfälle in diesem schwierigen Fahrtgebiet zu vermeiden. Bis dahin sah die übliche Praxis auf jedem Schiff so aus, dass ein Mann auf der Brücke das Sagen hatte. Niemand kontrollierte ihn, das konnte schiefgehen. „Mindestens zwei, besser drei Leute sind nötig um falsche Entscheidungen zu vermeiden“, erklärt der aus Schweden stammende Hederström. Erkenntnisse aus dem Flugverkehr wie etwa die Verwendung von Checklisten hielten Einzug in die Fährschiffe. Und schon bald verzeichneten sie weniger Unfälle.

Training im Simulator

 Zusammen mit zwei Kollegen gründete Hederström 2008 das maritime Trainingscenter im niederländischen Almere.  2013 absolvierten alle nautischen Offiziere der 102 Kreuzfahrtschiffe der Carnival-Gruppe hier ihr Training. 46 Prozent des Kreuzfahrt-Weltmarktes. „Wir sind ziemlich beschäftigt“,  stapelt Hederström tief  und berichtet von einem neuen Simulator Trainingscenter, dreimal so groß wie das jetzige, das 2016 ein paar Kilometer weiter eröffnet wird. Zunächst aber führt er uns in das bestehende CSMART-Gebäude. Wir dürfen zusehen, wie junge Offiziere – alle von unterschiedlichen Kreuzfahrtreedereien – ein gemeinsames Training im Simulator absolvieren.

Hier wird ein Feuer im Maschinenraum simuliert.

 

Nebel vor Fort Lauderdale

Keiner kannte den anderen vor der Lagebesprechung, bei der jeder seine Funktion und die bevorstehende Aufgabe erhält. Wir nehmen Fahrt auf Fort Lauderdale. Der Simulator schwankt leicht auf imaginären Wellen und gibt einem das Gefühl auf einer echten Brücke zu stehen. Schiffe kommen uns entgegen, dann sogar Wale. Und plötzlich bildet sich Nebel, die Sicht ist erheblich eingeschränkt. Doch mit dem neuen System des CSMART bekommt das neu zusammengewürfelte Team jedes Problem in den Griff. Der Navigator und der Co-Navigator, in brenzligen Situationen sogar noch eine dritte Person, müssen sich einig über jedes Manöver sein.

Kreuzfahrt wird noch sicherer

 „Wir versuchen die Leute dazu zu bringen, dass der Kapitän – ihm hätte ja früher niemand gewagt zu widersprechen – nun der Co-Navigator oder der Operation Director ist“, erklärt Hans Hederström. In dieser Funktion hält sich der Kapitän ein wenig im Hintergrund und kann die Gesamtsituation so besser bewerten. Gemäß den neuen Aufgaben-Konstellationen sind nun sogar die Brücken auf den modernen Kreuzfahrtschiffen entsprechend anders designed.  Unsere Simulator-Brücke z.B. ist der auf der „Royal Princess“ nachempfunden.

Üben für den Ernstfall: Simulator bei CSMART in Almere.

Vorbesprechung der Offiziere bei CSMART.

Auch wenn vielleicht nicht ganz hundert Prozent der Unglücksfälle auf See vermieden werden können,  so dürfen Kreuzfahrer doch über eines gewiss sein: „Eine Kreuzfahrt ist bereits eine sehr sichere Reiseart. Aber in Zukunft wird sie noch viel sicherer werden“, ist Captain Hans Hederström überzeugt.

Was ist mit dem „Costa Concordia“-Unglück?

 Und was ist mit dem „Costa Concordia“-Unglück? Hätte es vermieden werden können? – Hederström lächelt. „Dieser Unfall hätte mit unserem System definitiv leicht vermieden werden können. Das war ganz einfach nur eine Frage der Kontrolle.“ Übrigens:  Costa Crociere hatte acht Monate vor dem Unglück entschieden, dass alle ihre nautischen Offiziere am CSMART-Training in Almere teilnehmen.  Francesco Schettino, der Kapitän der „Costa Concordia“, war allerdings nie in Almere gewesen. Er hätte seinen Holland-Termin kurze Zeit nach der Tragödie gehabt.                                           Susanne Müller (Text & Fotos)

Infos: www.csmartalmere.com

 

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