06.04.2020

Wenn die Kreuzfahrt plötzlich zu Ende geht …

Seabourn Encore
Die Kreuzfahrt mit der Seabourn Encore startete in Sydney. Foto: Dietmar Schulte

Das Corona Virus hat die weltweite Kreuzfahrt gestoppt. Was es bedeutet, von einen Tag auf den anderen in einem Hafen zu stranden, der ziemlich weit von zu Hause entfernt liegt, habe ich selbst am 17. März erfahren. Ich war für eine große Reportage in der WELCOME ABOARD 2021 mit der „Seabourn Encore“ in Australien unterwegs.

Beim Einchecken in Sydney war noch alles in bester Ordnung gewesen. Zwar gab es Covid 19 zu dieser Zeit schon, doch die wenigsten ahnten, wie schnell sich die Situation in den nächsten Tagen weltweit zuspitzen würden. Ich füllte einen Zettel aus, dass ich weder aus China noch aus dem Iran, aus Südkorea oder Italien einreisen würde und dass ich auch keine Anzeichen der Krankheit verspüre. Dann ging’s an Bord.

Mit einer grandiosen Ausfahrt unter der Harbour Bridge startete die „Seabourn Encore“ am Abend ihre Fahrt Richtung Tasmanien und Südaustralien. Die Lichter der Metropole spiegelten sich auf der ruhigen Wasseroberfläche. Das Opernhaus strahlte in gleißendem Licht. Die Gäste – viele Australier und US-Amerikaner, aber auch rund 25 Deutsche – stießen mit eisgekühltem Champagner auf eine schöne Reise an. Noch war Corona hier nicht das große Thema.

Aber es wurde auch nicht völlig unter den Tisch gekehrt. Wiederholte Ansagen vom Kapitän und vom Kreuzfahrtdirektor erinnerten die Passagiere daran, sich so oft wie nur möglich die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Sich nicht mit Handschlag zu begrüßen, sondern den ‚Elbow bump‘ zu verwenden. Beim Frühstück las man in der Zeitung von den verschärften Sicherheitsbedingungen in Deutschland. Die Sorge wuchs.

Ankunft in Tasmanien (Foto). Auf der wunderschönen Insel am gefühlten Ende der Welt lenkten uns Wombats und Kängurus, rauschende Wasserfälle und sattgrüne Wälder aus Farnbäumen von den Bedrohungen des Virus ab.

Urwald in Tasmanien.

Wombat auf Tasmanien.

Doch das sollte nicht lange andauern. Nach einigen Tagen auf See erreichten wir Adelaide und erfuhren, dass die Kreuzfahrt aufgrund der Corona-Situation hier beendet wird. Alle Passagiere dürften das Schiff sofort verlassen oder noch eine Nacht an Bord verbringen, bevor sie endgültig auschecken müssten. Für die vielen Australier an Bord war das kein großes Problem. Von Adelaide gab es von morgens bis abends zahlreiche Flüge in alle möglichen australischen Städte. Internationale Flüge gab es nur wenige – und die waren sofort ausgebucht.

Am „Seabourn Square“, wo sich auch die Rezeption des Schiffes befindet, bildeten sich lange Schlangen. Seabourn ließ seine Gäste kostenlos telefonieren und schaltete das Internet für alle frei. Schnell kam man mit anderen Gästen ins Gespräch – jetzt vor allem auch mit den deutschen Schicksalsgenossen. Was macht ihr jetzt? Wie kommt ihr nach Hause? Ist die Lage denn wirklich so ernst?

Beim letzten Abendessen an Bord hatte sich das Schiff schon deutlich geleert. Wer einen Flug bekommen hatte, war abgereist. Die Crew versuchte, gute Stimmung zu vermitteln. Obwohl die Situation auch für sie total ungewiss war, servierten sie das Essen und Drinks mit einem Lächeln auf den Lippen, sprachen allen Mut zu und hofften auf ein baldiges Wiedersehen.

„Meine Mutter lebt in Polen. Jetzt sollen die Grenzen da zugemacht werden. Ich weiß gar nicht, ob ich noch zu ihr kann“, erzählte uns ein Kellner. Er zuckte mit den Schultern. „Irgendwie wird es schon weitergehen. Darf ich Ihnen noch etwas bringen?“

Stündlich wurden die Nachrichten, die wir im Internet lasen, nun schlimmer. Immer mehr Länder wollten die Grenzen schließen – auch Deutschland. Jetzt war der Ernst der Lage auch im „Don’t worry, be happy-Land“ Australien angekommen. Neuankömmlinge mussten 14 Tage in Quarantäne, Hamsterkäufe griffen um sich, das öffentliche Leben wurde mehr und mehr eingeschränkt.

In meiner Facebook-Gruppe ‚Australien, Australien!“, in der vor kurzem noch niedliche Koala-Bilder gepostet wurden, gaben sich die Mitglieder nun Tipps, wo man noch Flüge nach Hause bekommt. Wildfremde Menschen sprachen sich Mut zu und halfen sich. Und dennoch fühlte man sich doch verloren. Airlines gingen nicht mehr ans Telefon, beantworteten keine Mails. Hotlines waren hoffnungslos überlastet. Die Preise für Flüge stiegen rasant. Wer jetzt nicht schnell handelte, hatte das Nachsehen.

Ich buchte übers Handy neue Flüge, reiste von Adelaide nach Perth, dann nach Tokio und schließlich nach Düsseldorf. Nach über 50 Stunden war ich wieder zu Hause. Ich wünsche uns allen, dass wir gesund bleiben. Dass dieses furchtbare Virus schnell besiegt wird. Und dass wir bald wieder reisen können – auch auf den Meeren, Seen und Flüssen unserer schönen Welt.

                                                                Susanne Müller

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