26.11.2015

Literatur-Kreuzfahrt auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt

Literatur-Kreuzfahrt
(V.l.n.r. hinten) Thomas Blubacher, Prof. Dr. Guido Knopp, Günter Klose, Christoph Stampfl und Günther Arnoldt. Vordere Reihe: Heidrun von Gössel, Christine E. Hoffmann, Angela Klose und Wladimir Kaminer. Fotos: Max M. Hoffmann

Was ist eigentlich eine Literatur-Kreuzfahrt? – Christine E. Hoffmann, Verfasserin von „Ausgeschlafen durch die Welt – Tipps, Erlebnisse und Erfahrungen einer Reiseleiterin“, war im Herbst 2015 selbst als Mitwirkende dabei, als die „Allure of the Seas“ mit namhaften  Buchautoren an Bord in See stach. Das sind ihre Eindrücke:  Die „Allure of the Seas“ wurde ihrem Namen (deutsche Übersetzung: „Entzückung der Meere“) mehr als gerecht: das Schiff ist eine schwimmende Kleinstadt mit einem überwältigenden Angebot. Erstes Erstaunen löste das schnelle Einchecken von nur etwa zehn  Minuten bei einem Schiff dieser Größenordnung aus.

An Bord befanden sich 5.362 Passagiere aus 65 Nationen, davon 707 aus dem deutschsprachigen Raum, sowie 2161 Besatzungsmitglieder aus aller Welt. Zitat aus dem Cruise Compass am ersten Tag: „Wenn Sie sich mit dem Schiff vertraut machen, werden Sie feststellen, dass es überall an Bord von unerwarteten Überraschungen nur so wimmelt.“  Das lässt sich ohne Einschränkung bestätigen.

Vielleicht gerade deswegen war das von Atlantis Reisen aus Wunstorf zusammengestellte   Literatur-Programm ein ausgleichender „Ruhepol“. Es gab den zehn Seetagen Struktur, ein verbindendes Zusammensein mit Gleichgesinnten. Start der Transatlantikfahrt (4.462 nautische Meilen) war die katalonische Metropole Barcelona, Ziel das in Florida liegende Fort Lauderdale, unterbrochen durch einen Aufenthalt in Malaga. Morgens und  nachmittags war jeweils eine Stunde für Lesungen im „Brillance Conferenz Room“ auf Deck 3 reserviert. Neun Mitwirkende boten in 20 Veranstaltungen eine breite Palette von Themen an, die bei den 150 Gruppenmitgliedern sowie bei weiteren Reisenden guten Zuspruch fand.

Der Schweizer Sachbuch-Autor, Publizist, Theater- und Hörspiel-Redakteur Dr. Thomas Blubacher versetzte das Publikum mit drei Biographien in die zwanziger Jahre sowie in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Humorvoll war seine „Gebrauchsanweisung“ für Bali. Auch der Bestseller-Autor und Initiator der "Russen-Disko", Wladimir Kaminer, unterhielt glänzend mit seiner unnachahmlichen Beschreibung des deutschen Alltags. Verstärkt durch seine Mimik, Gestik und dem unverwechselbaren russischen Akzent.

Glücklicherweise kam nur an wenigen Tagen ein kräftiger Nordwestwind auf, den Captain Johnny Faevelen mit „motion in the ocean“ ankündigte. Diese lässige Bemerkung klang angenehmer als: „Mit ziemlichem Seegang muss gerechnet werden.“

Als ehemalige „Kaum-noch-Schläferin“ schilderte ich meine persönliche Bewältigung von Schlafproblemen verbunden mit praktischen Hinweisen. In einem weiteren Buch berichtete ich über meine langjährigen Erlebnisse und Erfahrungen als Reiseleiterin rund um den Globus, verbunden mit nützlichen Tipps und ergänzt durch amüsante Anekdoten. Singend als „Dame ohne Unterleib“ stellte sich die frühere TV-Moderatorin Heidrun von Gössel vor. Die ehemalige Kreuzfahrtdirektorin, der „Deutschland“ unterhielt unter dem Titel „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorenen Tag“. Gewohnt locker moderierte sie eine Talkrunde mit Gästen.

 

Guido Knopp referierte über Putins Russland

 

Der langjährige Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte (TV-Serie „History“), Prof. Dr. Guido Knopp, beeindruckte mit seinen Dokumentationen über „Die glücklichste Stunde der deutschen Geschichte“ (friedliche Revolution 1989, Wiedervereinigung 1990), die alle Zuhörer bewegte. Als überaus kenntnisreicher Journalist und Publizist präsentierte er seine Sicht über „Putins Russland – Mythos und Wahrheit“ sowie „Vatikan – Die Macht der Päpste“. Ein Höhepunkt war zweifellos sein letzter Auftritt während der Veranstaltungsreihe. Mit „Meine Geschichte“ las er erstmals Teile seiner ganz persönlichen Lebensgeschichte vor. Sie soll im Jahr 2018 anlässlich seines ganz besonderen Geburtstags erscheinen.

 

Bereichert wurde die Literatur-Kreuzfahrt auch durch eine Tauschaktion von Buch- und Hörbüchern durch den Veranstalter Günter Klose Er „testete“ und erweiterte unterhaltsam das Wissen der Reiseteilnehmer über Kreuzfahrten anhand 20 kurzweiliger Fragen. Ein anspruchsvolles Quiz zum Thema „Literatur“ mit Angela Klose beendete das breit gefächerte Angebot.

Das alles erlebten die Literatur-Interessierten zusätzlich zu dem vom Schiff der Reederei Royal Caribbean gebotenen umfangreichen Programm. Hier in Auszügen: Im Aqua Theater wurde mit „OceanAria“ sportliche Höchstleistungen im und über dem Wasser geboten. Als ein Akteur aus 17 Meter Höhe in den kleinen, 5,50 Meter tiefen Pool sprang, blieb nicht wenigen Zuschauern kurz die Luft weg. Das „Amber Theater“ bot mit dem Musical „Mamma Mia“ in der Original Broadway-Besetzung, das schon große Erfolge in London feierte, sowie der Inszenierung von „Blue Planet“ ein Highlight in der Unterhaltung. Ob im „Studio B“, in dem tagsüber Schlittschuhlaufen möglich war und abends in fantasiereichen Kostümen „Ice Games“ gezeigt wurden, in den insgesamt 37 Bars, 25 Restaurants oder den zahlreichen Locations verschiedenster Art: Das Aufkommen von Langeweile hatte keine Chance. Eine wohl besondere „Verzücktheit“ erlebten die Mitreisenden beim Halloween. Die Vorstellung, das der Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes auf einer „Harley“ mit Wikingerhelm auf dem Kopf die Halloweenparade anführt, ist schon „crazy“, oder?

Promenade auf der "Allure of the Seas".

 

Einer meiner Lieblingsorte: der „Central Park“ auf Deck 8. Der nach oben offene Bereich (bis Deck 16/17) bietet das mediterrane Ambiente einer im südlichen Europa gelegenen Straße mit Cafés, Bistros und Restaurants. Mit seinem Mikroklima (12.500 echte Pflanzen), dem Vogelgezwitscher, Grillenzirpen und verschiedenartigen Sitzmöglichkeiten vermittelt er das Gefühl einer kleinen tropischen Gartenlandschaft. Durch plötzlichen Regen auf See wirkte die Szenerie noch authentischer. Dem Rat meines Mond-Kalenders einen Tag nach Vollmond: „Bitte verwöhnen Sie sich nicht nur mit ‚kaloriellen‘ Freuden; kümmern Sie sich lieber um die anderen Sinne wie Riechen, Hören und Fühlen!“ war mühelos nachzukommen.

Der Central Park auf Deck 8.

 

Zu guter Letzt: Die südliche Transatlantik-Route bot Ende Oktober in Barcelona sonniges Wetter um 20 Grad Celsius, einen kühleren Regentag in Malaga und wechselte zu 15 Grad Celsius im Atlantik. Bereits fünf Tage vor Anlandung in Florida stieg die Temperatur von 20 auf 30 Grad Celsius. Der Jetlag oder „Zeitzonenkater“ (deutsche Bezeichnung) war sehr angenehm zu überbrücken. Insgesamt sechsmal durften wir nachts eine Stunde länger schlafen, bis die „Allure of the Seas“ in Fort Lauderdale eintraf.

 

                                                                          Christine E. Hoffmann,

Autorin von „Ausgeschlafen durch die Welt – Tipps, Erlebnisse und Erfahrungen einer Reiseleiterin“

 

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Dann jetzt teilen auf Facebook, Google+ und Twitter

Magazin verpasst?

Jetzt das aktuelle Magazin oder ältere Ausgaben direkt im Shop bestellen.

Jetzt bestellen