31.10.2015

„Europa 2“: Kaviar für die Gäste, Nescafé für den Zoll

Europa 2 in Oslo
Die "Europa 2" in Oslo. Fotos: Jutta Lemcke

Als 5-Sterne-Schiff muss die „Europa 2“ auch kulinarisch überzeugen. Hundert Tonnen Getränke und Essen – vom sündhaft teuren Krug Champagner bis zur Tüte voller Haribos – lagern in den Kühlräumen und sichern drei Wochen feinsten Luxus. Sogar Kapitäne anderer respektabler Kreuzfahrtschiffe sind erpicht darauf, einmal an Bord der „Europa 2“ zu gehen, um das laut Berlitz Cruise Guide 2014 beste Kreuzfahrtschiff der Welt zu inspizieren.

„Wenn wir irgendwo auf der Welt im selben Hafen liegen, dann erreicht mich schon mal ein Anruf des Kollegen vom Kreuzfahrtschiff nebenan. Klar, darf der dann an Bord“, sagt Ulf Wolter, seit Anbeginn einer der Chefs auf der Brücke des 5-Sterne-Neuzugangs von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Stolz steht der gebürtige Hamburger auf der Brücke seiner schneeweißen XXL-Yacht und überwacht das Einlaufen durch den Oslo-Fjord in die norwegische Hauptstadt.

Die Sonne funkelt vom Himmel. Wind und Wellen können kein Wässerchen trüben. Begleitet von bunt bemalten Kuttern und Segeljollen geht es mit 17 Knoten vorbei an dicht bewaldeten Inseln bis ins Zentrum von Oslo. Der Kapitän lässt uns beim Navigieren und Anlegen an der Pier von der Schiffsbrücke aus zuschauen. Zentimeter um Zentimeter schiebt sich das prächtige 225 Meter lange und 27 Meter breite Schiff seitwärts an die Mauer. Nicht einmal das Wasser im Glas schwappt, als der stählerne Riese andockt. „Die ‚Europa 2‘ läuft extrem ruhig“, erklärt Wolter, „auch noch bei hohen Geschwindigkeiten, bei denen auf einem Containerschiff schon lange die Kaffeetassen auf- und abtanzen.“

 

Beste Bedingungen also für die maximal 500 Gäste, um die Annehmlichkeiten an Bord genießen zu können. Stets bleiben der Dom Pérignon-Champagner im Kelch und der Kaviar auf den edlen Porzellantellern von Dibbern. Etwa 100 Kilo des schwarzen Goldes lagern bei 8 Grad Celsius im begehbaren Kühlraum hinter Edelstahltüren und werden von Lutz Greffrath, dem Hotel Inventory Controller, bewacht. „Lagerverwalter hieß das früher“, klärt uns der Herr über den Kaviar auf. Eine recht bescheidene Bezeichnung, denn immerhin muss Greffrath rund 8.000 Artikel vom Edel-Gin über Bratfett bis zur Toilettenrolle im Blick behalten und mit Weitsicht über Monate vorher in den Häfen rund um den Globus bestellen.

Jeden Tag gibt Greffrath rund 5.500 Kilogramm an Waren aus. Wenn einmal die Woche  „Kaviar satt“ serviert wird, verlassen 20 Kilogramm der teuren Spezialität das Lager. Dazu kommen täglich 140 Flaschen Weißwein, 120 Flaschen Rotwein und 300 Kilo Fleisch. Der Reisverbrauch liegt mit 70 Kilogramm pro Tag erstaunlich hoch. Verantwortlich sind die zahlreichen philippinischen Crewmitglieder, die sich schon zum Frühstück mit einer ordentlichen Portion ihrer Lieblingsspeise stärken.

 Dolce Vita an Deck

 

Während Greffrath auf Deck 2 knapp unter der Wasserlinie seine Vorräte zählt, sich mit Zollkontrollen herumschlägt und – vor allem in asiatischen Ländern – auch einmal eine Packung Nescafé oder eine Stange Marlboro zur schnelleren Abwicklung weiterreicht, geben sich zwei Decks darüber die Gäste losgelöst von allen Alltagssorgen dem Dolce Vita hin. Noch nicht einmal über das angemessene Outfit fürs Captain‘s Dinner müssen sie sich Sorgen machen, denn das wurde auf der „Europa 2“ abgeschafft – eine erfreuliche Nachricht für alle, die es im Urlaub gerne leger haben, ohne auf Komfort verzichten zu wollen.

 

Der Luxus auf der „Europa 2“ kommt auf leisen Sohlen daher: Spitzenküche, Golfsimulator, Kunstwerke von Gerhard Richter bis Damien Hirst, für jeden Gast eine Suite mit eigenem Balkon und viel Platz – die weltweit meisten Quadratmeter auf einem Kreuzfahrtschiff pro Passagier. Kritik an diesem so stilvollen wie lässigen Luxusliner fällt nicht leicht. Allein der Preis mag davon abhalten, an Bord zu gehen. Die gute Nachricht: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten bietet immer wieder Kurztrips an für alle, die das Schiff testen oder herausfinden möchten, ob eine Kreuzfahrt grundsätzlich für sie in Frage kommt.              Jutta Lemcke / www.shiptrips.de

 

Eine große Reportage über die „Europa 2“ lesen Sie im Kreuzfahrtmagazin WELCOME ABOARD Ausgabe 2015.

 

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