30.03.2016

20 Jahre AIDA – eine Erfolgs-Story

AIDAcara Kreuzfahrtmagazin Welcome Aboard
Mit der "AIDAcara" fing alles an. Foto: AIDA Cruises

Als ich im November 1996 in die Karibik flog, verband ich mit dem Namen Aida nur die Oper mit dem Namen der Prinzessin aus dem alten Ägypten. Aber nun hieß auch noch das Kreuzfahrtschiff so, dass ich mir in Vertretung meines erkrankten Chefs der Reiseredaktion des Westfalen-Blatts ansehen sollte. Mit Kreuzfahrten verband ich zu diesem Zeitpunkt die Vorstellung von alten Leuten auf Reisen, die von morgens bis abends essen und sich gerne dreimal am Tag umziehen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Doch dann kam die „AIDA“ (heute: „AIDAcara“). Eine Begrüßung mit feuerrotem Kussmund und blauen Augenaufschlag, mit bunten Farben und jungen Leuten an Bord, fantastischen Buffets, Sport bis zum Abwinken, gute Musik und Partys am Pool. Kreuzfahrten? – Klasse!

Ich erinnere mich aber auch, dass einige meiner Kollegen damals die Nase rümpften. Diese bunten Farben – O Gott. Kein Teak auf dem Sonnendeck, kein Marmor im Bad. Das konnte ja nicht gutgehen. Tja, irren ist menschlich.

AIDA-Kreuzfahrt vor 20 Jahren: Die Wanne ist voll...

Heute, 20 Jahre nach besagter Pressereise, gibt es zehn AIDA-Schiffe, das elfte, die „AIDAprima“, wird im Mai getauft. 2017 kommt die „AIDAperla“ und danach folgen zwei weitere Neubauten von der Meyer Werft in 2019 und 2020. Über 70 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren kennen mittlerweile die Marke AIDA. Wenn das keine Erfolgs-Story ist…   

                                                                                                                                                        Susanne Müller

 

Mein 2014 verstorbener Kollege Peter Tönnishoff, der Gründer unseres Kreuzfahrtmagazins WELCOME ABOARD, hatte sich schon vor ein paar Jahren mit dem Geheimnis hinter der Erfolgsmarke AIDA beschäftigt. Lesen Sie hier Auszüge aus seinem detailliert recherchierten Artikel:

 

…. Die Aida-Story begann im Frühjahr 1993 mit der Privatisierung der staatseigenen Deutschen Seereederei (DSR). Die Rostocker Company mit zuvor 164 Schiffen und 13.000 Mitarbeitern wurde von ihren Käufern Horst Rahe und Nicolaus Schües neu strukturiert. Die von der DSR als Holding gegründete Arkona Gruppe zeichnete für alle touristischen Aktivitäten verantwortlich. In dieser Zeit entstand auch die Idee, im Kreuzfahrt-Business neue Akzente setzen zu wollen. Mit Blick auf den deutschen Markt, der in den 90er Jahren mit jährlich etwa 250.000 Kreuzfahrtgästen vor sich hin dümpelte, war das ausgesprochen mutig. Und so dachte das Unternehmen, das zu dieser Zeit als Passagierschiff allein den klassischen Kreuzfahrer „Arkona“ ex „Astor I“  (später außerdem die „Astra II“) vermarktete, zunächst auch noch nicht an einen Neubau.

Für das zum Verkauf stehende, zwischen Helsinki und Stockholm eingesetzte 25.000-Tonnen-Kreuzfahrtschiff „Sally Albatros“ (Indienststellung 1980) erhielt das Hamburger Architektenbüro Partner Ship Design den Auftrag, es in ein Clubschiff umzuwandeln. Eine Havarie dieses Schiffes, bei der es stark beschädigt wurde, machte einen Strich durch die Rechnung. Michael Thamm, damals für die Umsetzung eines Club-Konzeptes verantwortlich, erfuhr auf der finnischen Werft, dass die Kosten für Reparatur und Umbau der „Sally Albatros“ sehr hoch, die Differenz aber zur Alternative Neubau „deutlich kleiner als befürchtet“ (Thamm) ausfallen würden. Startschuss für den Bau der „Aida“ (mit einem Heck, das stark an die „Sally Albatros“ erinnert) bei den Kvaerner Masa Yards in Turku im August 1994.

Club-Idee chancenlos?

Vorangegangen waren Gespräche mit deutschen Banken als mögliche Geldgeber für das neue Aida-Projekt, die sich aber ausnahmslos nicht einschiffen wollten, weil sie die Club-Idee im Kreuzfahrtmarkt für chancenlos hielten. Rückblickend erstaunlich, denn ein Blick über den großen Teich hätte den mutlosen Bankern schon damals gezeigt, dass sich mit neuen Konzepten in der Kreuzfahrt durchaus das Geschäft beleben lässt. Die von der heutigen Aida-US-Mutter Carnival  erfundenen Funships lockten schon damals Massen auf ihre Planken und waren Auslöser für den Bau von immer größeren Einheiten, sogenannten Megalinern. Happy End bei Aida: eine finnische Exportkreditfinanzierung kam schlussendlich zustande - grünes Licht für das erste Aida-Clubschiff. Pünktlich, 22 Monate nach Baubeginn, hieß es am 10. Juni 1996: Leinen los zur Jungfernfahrt nach Palma de Mallorca, zugleich Jungfernfahrt eines neuen Konzepts.

Kapitän Adrian und Michael Ungerer.  Foto: AIDA Cruises

Unverwechselbar wie bei Lacoste das Krokodil

Das Clubschiff – von nicht wenigen Berufs-Touristikern anfangs belächelt – tat sich zunächst sehr schwer. Gewiss, es sorgte für Gesprächsstoff, denn so vieles war so neu. Kein anderes Kreuzfahrtschiff hatte ein so markantes Outfit. Der leuchtend rote Kussmund und das strahlende Auge am Bug als Erkennungszeichen der „Aida“ – so unverwechselbar wie bei Lacoste das Krokodil. Dann natürlich die vom Robinson-Club-Mitgründer Johann Friedrich Engel geschaffene Erlebniswelt nach dem Vorbild eines Ferienressorts für Familien, Junge und Junggebliebene. Aber die neuen Zielgruppen, die man erreichen wollte, blieben anfangs aus. Und die Kooperation mit einem großen Reiseveranstalter kam nicht zustande. Es sah nicht gut aus.  

Blazer und Ballkleid adé

Aber schon bald half  Mund-zu-Mund-Propaganda. Es zahlte sich aus, dass man, wenn auch aus der Not heraus und um leere Betten zu belegen, Journalisten und Reisebüro-Expedienten in „Bataillonsstärken“ eingeladen hatte zum Er-fahren des neuen Konzeptes. Dazu muss man wissen, dass noch Mitte der 1990er Jahre die Mehrzahl der in Deutschland angebotenen Schiffe auf den konservativen Seereisenden zugeschnitten waren. Also für jene, für die Blazer und Ballkleid, Brillanten und Bingo zusammen gehören wie der Wind und das Meer.

 Wer eine lockere Atmosphäre bevorzugte, musste seinerzeit fremdgehen und mit einem Funship à la Carnival, Royal Caribbean, Princess, Norwegian Cruise Line in der Karibik oder mit einem Segler vom Club Med in See stechen. Hier aber sind die Bordsprachen Englisch oder Französisch („Club Med“), was nicht Wenige als Handicap empfinden. Italienische oder griechische Schiffe, besondere jene mit Familien-Programmen in den Sommermonaten, hatten sich zwar auch sprachlich auf deutsche Gäste eingestellt, aber ihre Familienfreundlichkeit (noch) nicht überall richtig rüberbringen können.

Der Erfolg des Aida-Marke ist sicher darauf zurückzuführen, dass man in den schwierigen Anfangsjahren durchgehalten hat, immer an die Idee glaubte.

So sieht die neue "AIDAprima" aus.                    Foto: AIDA Cruises

 

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