10.02.2020

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten…?

Die „Vista Explorer“ in Bratislava. Foto: Claudia Emrich

Gerade einmal neun Monate sind es noch, dann öffnen die ersten Weihnachtsmärkte. Es ist also Zeit für die Planungen der (Vor-)Weihnachtszeit. Wer besonders viele und schöne Christkindl- und Weihnachtsmärkte erleben möchte, der kann es unserem Autor Dirk Kröger samt Lebensgefährtin gleichtun und in den Tagen vor dem Fest der Feste eine Donau-Kreuzfahrt machen. Mit der „Vista Explorer“ von 1AVista Reisen fuhren sie im vergangenen Jahr sechs Tage lang über den längsten Strom Europas. Aber Vorsicht: Erste Kontingente der beliebten Kurzreisen zu dieser Jahreszeit sind schon ausgebucht. Es sind ja auch gerade einmal nur noch neun Monate …

 

Abfahrt in Passau

Los ging’s in Passau, wo an einem Sonntag die Einschiffung vorgesehen war – eine lange Anreise von mehr als 600 Kilometern für uns. Aber aus der Not lässt sich ja eine Tugend machen: Mit dem Auto fuhren wir einfach einen Tag früher in die Drei-Flüsse-Stadt, so dass hier genug Zeit blieb, um den kleinen, aber wunderschönen Christkindl-Markt vor dem Dom zu besuchen, in dessen Inneren die größte Kirchenorgel Europas zu bestaunen ist. Eine vergleichsweise preisgünstige Unterkunft ließ sich auch finden: An der Pension Gambrinus darf das Auto für drei Euro am Tag stehen bleiben, der Beherbergungsbetrieb bietet zudem einen Shuttleservice zum und vom Hafen für fünf Euro pro Person und Strecke an. So blieb uns am Sonntagvormittag noch genug Zeit, um den Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz sowie die liebenswerte Passauer Altstadt einer etwas genaueren Inspektion zu unterziehen.

Weihnachtsmarkt in Passau.

Weihnachtlich geschmückt: die "Vista Explorer".

Viel zu früh waren wir am Nachmittag am Schiffsanleger und überlegten, wie die Zeit bis zur Einschiffung noch halbwegs sinnvoll verbracht werden kann, als es eine angenehme Überraschung gab: Wir durften schon an Bord und uns dort in der Lounge mit Kaffee und Tee aus dem Automaten versorgen.

Weihnachtsmarkt in Wien.

Nach einer geruhsamen Nacht, einem ausgiebigen Frühstück und dem wie immer mit Menüwahl (als Hauptgang gibt es stets ein Fleisch-, ein Fisch- und ein vegetarisches Gericht) servierten sehr schmackhaften Lunch erreichten wir am nächsten Tag gegen Mittag Wien. Hier hatten wir fast neun Stunden Zeit, um die österreichische Hauptstadt in der Vorweihnachtszeit zu erkunden. Unser Schiffs-Reiseleiter Cem hatte uns erklärt, wie diejenigen am einfachsten in die Stadt kommen, die keinen Ausflug gebucht hatten, nämlich für zwei Euro pro Person mit der Straßenbahn. Deren Haltestelle ist gerade einmal 500 Meter vom Anleger entfernt und nach rund 20 Minuten sowie handgezählten 17 Haltestellen stiegen wir aus, orientieren uns kurz per Stadtplan und steuerten dann die ersten Weihnachtsmärkte an.

Wiener Weihnachtsmärkte

Der Altwiener Christkindlmarkt auf der Freyung sorgte für erste kulinarische Genüsse (absolut zu empfehlen ist das warme über Holzkohle zubereitete Trdlnik), ein paar Schritte weiter gab es hochwertiges Kunsthandwerk und eine phantastisch schmeckende Krakauer auf dem Weihnachtsmarkt „Am Hof“. Und dann waren es nur noch ein paar Schritte bis zum Stephansdom, der rundherum umgeben ist von schönen Buden mit allem, was das vorweihnachtliche Herz begehrt – von Leckereien bis zu Weihnachtsdeko aus Papier oder Glas. Schließlich zog es uns zum größten jahreszeitlichen Markt der Stadt, dem Weihnachtstraum am Rathaus mit seinem meterhohen Turmbogen und vielen erleuchteten Kerzen. Rund 150 Verkaufsstände bieten hier jedes Jahr Weihnachtsgeschenke, Christbaumschmuck, Kunsthandwerk, kulinarische Köstlichkeiten, Süßigkeiten und wärmende Getränke an. Die Bäume im Rathauspark und entlang der Ringstraße erstrahlten in festlichem Glanz. Ein besonderer Anziehungspunkt für Verliebte war der Herzerlbaum. Besucher konnten zudem auf Schlittschuhen über eine 3.000 Quadratmeter große Eisfläche und zahlreiche Pfade durch den Park gleiten. Die Kinderwelt bot ein Karussell, einen Rentierzug und wunderschöne Licht-Installationen im Park.

Perfekt ohne gebuchten Ausflug

Mit vielen Eindrücken aus der österreichischen Hauptstadt ging es wieder per Straßenbahn zurück aufs Schiff. Auf den abendlichen Besuch im Prater verzichteten wir – der nämlich hätte wohl lediglich eine Reiz-Überflutung bedeutet. Und so genossen wir einfach das Abendessen und verbrachten bei den im Reisepreis inkludierten Getränken wie Hauswein und Bier noch ein paar nette Stunden in der Bar des Schiffes, wo unter den Reisenden schnell die Tages-Erfahrungen ausgetauscht wurden und wo zudem zu den Klängen des Bordmusikers manches Paar das Tanzbein schwang. Das Buchen eines Ausflugs hätte sich zumindest für uns nicht gelohnt – wir haben auch so all das gesehen, was wir sehen wollten.

Besuch in Budapest

Esztergom in Ungarn.

Am nächsten Tag ging es auf dem sachte dahinfließenden Wasser einmal mehr durch eine Reihe von Schleusen. Wir passierten das Donauknie und fotografierten vom Fluss aus Esztergom, wo für die „Vista Explorer“ dieses Mal kein Halt vorgesehen war. Und dann, gegen Mittag, erreichten wir Budapest. Perfekt: Das Schiff lag genau zwischen Parlament und Kettenbrücke, die Innenstadt konnte völlig problemlos zu Fuß erreicht werden. Wir erkundeten die ungarische Metropole erneut auf Schusters Rappen und sahen viele kleine, bunt-kitschig anmutende Weihnachtsmärkte, wobei die Fashion Street in der Fußgängerzone Deak beinahe vom überbordenden Lichterglanz erstickt wurde.

Wunderschön: Budapest.

 Wir besuchten auch das Café New York an der Erszebet Korut, wo wir uns in längst vergangene Zeiten zurückversetzt fühlten. Zugegeben: Richtig preisgünstig ist der Cappuccino für umgerechnet 7,50 Euro nicht, aber er lohnt sich. Nicht, weil der Kaffee so phantastisch schmeckt (das tut er!), sondern vor allem, weil wir uns in längst vergangene K&K-Zeiten zurückversetzt fühlten. Das Interieur des weitläufigen Cafés ist schlicht überwältigend und zeigt den Wind der Grandeur, der bis zum Ersten Weltkrieg durch die Donaumonarchie wehte. Neu-Renaissance, Ekklektik, ein Pianist und abwechslungsweise ein kleines Orchester verbreiteten den Charme einer anderen Zeit. Die Servicemitarbeiter waren freundlich, korrekt und schnell.

St. Stephans Basilika

Aber wir wollten ja Weihnachtsmärkte besuchen. Und das taten wir auch.  Am eindrucksvollsten ging es vor der St. Stephans Basilika zu, wo das eine oder andere Stück Gebäck ebenso zwingend probiert werden musste, wie all die ebenso schmackhaften wie vielfältigen Heißgetränke. Besonders schön aber wurde es, als die Basilika durch eine Licht-Projektion in immer neuem Gewand erschien.  Das ließ sich sogar fotografieren – ebenso wie wenige Stunden später vom Wasser aus das hell beleuchtete, majestätische Parlament der Magyaren-Hauptstadt. Wir waren an diesem Tag nicht auf der Fischer-Bastei, haben das königliche Schloss nicht besichtigt. Aber: Budapest war wunderschön. Und wir können ja wiederkommen.

Bratislava

Die Zeit für die Landgänge wurde mit fortschreitender Reise immer kürzer. Aber die fünf Stunden, die wir in der slowakischen Hauptstadt Bratislava hatten, reichten aus – vor allem, weil ein kostenloser Shuttle-Bus die Passagiere vom Schiff zur knapp einen Kilometer entfernten Altstadt brachte. Und wieder einmal gab es eine Eislaufbahn, viele Verkaufsbuden mit Süßem und Deftigem. Aber: In Bratislava entdeckten wir für Mitbringsel die bislang niedrigsten Preise, weswegen da noch so manches aus zartem Holz gefertigte Deko-Objekt mitgenommen wurde.

Sonnenschein und 14 Grad Wärme sorgten für Glühwein-Abstinenz, stattdessen aber schmeckte ein großes Glas eines nicht ganz unbekannten tschechischen Bieres. Zudem sorgten die vielen Skulpturen in der Stadt für Gesprächsstoff. Eine der bekanntesten und meist bestaunten, wie fotografierten dieser Skulpturen in Bratislava war Čumil, der „Gaffer“. Seit 1997 ist er in der Altstadt an einer Straßenkreuzung zu finden.  Wer aber zu sehr in die Auslagen der Schaufenster vertieft ist, muss man aufpassen, dass er nicht über diese Skulptur fällt – sie nämlich schaut aus einem Gully hervor.

Melk

Hatten wir nun genug Weihnachtsmärkte gesehen? Nein, hatten wir nicht! Wir freuten uns auf den letzten Halt der Reise im österreichischen Melk. Nach der Fahrt, durch die im Sommer sicher anziehender wirkende Wachau, legte das Schiff noch einmal an – und erneut ging es per pedes an den Ort der Sehnsucht. Aber welche Enttäuschung wartete zur Mittagszeit auf uns: In der schönen Altstadt waren zwar die Holzhütten aufgebaut, aber allesamt geschlossen. Der Weihnachtsmarkt öffnet hier nur an den Wochenenden, und das dann auch erst ab 16 Uhr. Und so schauten wir uns eben Melk ein wenig an, und taten das, was wir überall getan haben: Wir verzichten auf die größte Sehenswürdigkeit, kraxelten nicht zum Stift hinauf. Ein Heißgetränk in einem Café erschien uns irgendwie angenehmer. Nach zwei Stunden ging es ja auch schon zurück auf die „Vista Explorer“, wo wir am Abend mit einem Gala-Menü verwöhnt wurden, ehe wir am nächsten Tag wieder in Passau landeten. Nun gut: Irgendwie waren das genug Weihnachtsmärkte für dieses Mal. Aber am Rhein soll es ja auch noch ein paar besonders schöne geben …

Text: Dirk Kröger, Fotos: Claudia Emrich 

 

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