11.11.2012

Kapitän Karl Jacob ist gestorben

Kapitän Karl Jacob steuerte u.a. die berühmte "Bremen".
Kapitän Karl Jacob, seit der Jungfernfahrt des Magazins WELCOME ABOARD im Jahre 1999 als Redaktionsmitglied auf der „Brücke“, hat uns am 2. Januar plötzlich und unerwartet im Alter von 71 Jahren für immer verlassen. Wir verlieren mit Kalle, wie er bei uns nur hieß, nicht nur einen lieben und stets hilfsbereiten Freund, sondern auch einen fachkundigen Ratgeber in nautischen Fragen und vielen Themen rund um die Schifffahrt.
Mit dem auf der Bremer Seefahrtsschule erworbenen Patent A 6 in der Tasche war er der einzige in der WELCOME ABOARD-Redaktion, der ein Hochseeschiff auf allen Weltmeeren führen durfte. Die längste Zeit in seinem seemännischen Leben stand der gebürtige Wesermünder (Wesermünde wurde 1947 in das Land Bremen eingegliedert und in Bremerhaven umbenannt) auf den Kommandobrücken diverser Frachter der Bremer Traditionsreederei Norddeutscher Lloyd, ab 1971 Hapag-Lloyd. Aber es war auch einmal ein Passagierschiff dabei: die berühmte „Bremen“ ex „Pasteur“, Deutschlands schwimmendes Vorzeigestück in den Wirtschaftswunderjahren. Dieser 32.000-Tonnen-Liner pendelte von 1959 bis zu seinem Verkauf an die griechische Chandis Line im Jahr 1971 im typischen Lloyd-Kleid mit dem ockerfarbenen Schornstein überwiegend im Liniendienst zwischen Bremerhaven und New York, machte aber manchmal auch Kreuzfahrten. An eine Reise zu den Kanaren erinnerte sich Kalle, damals noch junger Offizier, gerne mit einem Schmunzeln. In Santa Cruz de Tenerife gab's ein Treffen mit der „Hanseatic“, dem Flaggschiff der noch jungen Reederei Hamburg Atlantik Line (HAL). Und in den Läden dieser Hafenstadt beobachtete unser Kalle total gestresste HAL-Stewards auf der Suche nach Menthol-Zigaretten. Denn an Bord der „Hanseatic“ befand sich der damals schon prominente SPD-Spitzenpolitiker Helmut Schmidt, der bekanntlich solche Zigaretten bevorzugt und „seine Marke“ an Bord schmerzlich vermisste. Kalle, den in seiner aktiven Fahrenszeit die für ihren Service berühmte Reederei in Bremen prägte, hatte dafür nur einen Kommentar: „Das wäre bei uns, beim Lloyd, NIE passiert – einen entsprechenden Vorrat hätte man mit Blick auf die Passagierliste schon bei der Einschiffung an Bord gehabt.“

Trocken und treffend – unser Kapitän Kalle brachte es stets auf den Punkt. Sein Rat und seine Geschichten aus der Seefahrt werden uns sehr fehlen.

Tö.
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