30.04.2013

Nervenkitzel auf der „Norwegian Breakaway“

Ganz schön innovativ: die neue "Norwegian Breakaway". Foto: NCL
Heutzutage auf ein nagelneues Kreuzfahrtschiff zu gehen, kann einem schon einiges abverlangen. Als gewissenhafte Berichterstatterin von der ersten Fahrt der „Norwegian Breakaway“ hätte ich es eigentlich ausprobieren müssen: Angeseilt auf einer superschmalen Rampe („The Plank“), die sich zweieinhalb Meter über die Reling hinaus und gleichzeitig gefühlte 500 Meter frei über dem Meer befindet, zu bibbern. Oder in der gigantischen Wasserrutsche einige Augenblicke im freien Fall durch eine Röhre zu plumpsen, und Sekunden später mit einem Schwall Wasser wieder an die kalte Nordseeluft ausgespuckt zu werden.  Zugegeben: da bekam ich kalte Füße…
Als „mission impossible“ hatte sich auch die Aufgabe erwiesen, sich durch die vielfältige Restaurant-Landschaft des neuesten NCL-Cruiser zu futtern. Immerhin gibt es 28 dining options an Bord. Ebenfalls vorzeitig abgebrochen (die Leber dankt!): der Versuch, sämtliche Bars und Lounges – es sind 22 – zu testen. Fazit meiner Stippvisite: Um die unglaubliche „Breakaway“ wirklich zu entdecken, braucht man Zeit, viel Zeit. Landausflüge und Ruhezeiten im Liegestuhl wären geradezu kontraproduktiv.
Im Fat Cats Jazz & Blues Club geht die Post ab
Richtig Glück hatte ich, am ersten Abend nach einem netten Essen im französischen „Le Bistro“ noch ein Plätzchen im rappelvollen Fat Cats Jazz & Blues Club zu ergattern. „Wer hat den Rock’n Roll erfunden? Na, wer? Ihr wisst es nicht?“ Und schon legt Slam Allen mit seiner unter die Haut gehenden Stimme los, lässt Little Richard auferstehen und sein Publikum auf die Tanzfläche rennen. „Stand by me“, „My girl“, die ganzen Klassiker lassen uns selig mitgehen. Plötzlich ziemlich warm hier, im schummrigen New Yorker Jazz Club. Oder sind wir doch noch auf dem Schiff? – Schiebetür auf, frische Seeluft rein, und eine Bar gibt’s draußen auch noch. Denn hier auf Deck 8 befindet sich „The Waterfront“, insgesamt acht Essstationen und Lounges im Freien, darunter die für Norwegian Cruise Line typische Moderno Churascaria, Cagneyʼs Steakhouse, La Cucina, Shakerʼs Cocktail Bar, Maltingʼs Beer & Whiskey Bar sowie das neue Seafood-Restaurant Ocean Blue. Die Outside-Locations sind in südlichen Gefilden bestimmt der Renner, im April auf der Nordsee nur mit Daunenjacke ein Vergnügen.
Am nächsten Morgen sehen wir uns alle wieder zur Pressekonferenz im Jazzclub – manche mit sehr, sehr kleinen Augen. „Wer von Ihnen ist gestern Nacht hier gewesen“, fragt Kevin Sheehan, President und Chief Executive Officer bei NCL, und lässt seinen Blick streng über die  Journalisten streifen. Offenbar  erfreut über das Ergebnis nickt er uns zu und stellt befriedigt fest: „Na, dann wissen Sie ja jetzt, dass unser Konzept funktioniert. Bis zum frühen Morgen haben die Leute hier Spaß gehabt.“
Hommage an New York City
Richtig stolz ist Sheehan auf die vielen Details, die die „Breakaway“ mit seiner Heimatstadt New York verbinden. „Um mein Studium zu finanzieren, habe ich als Taxifahrer in New York gearbeitet. Meistens wusste ich erst mal nicht, wo es lang ging“, plaudert der NCL-Chef jovial in die Runde. Den richtigen Weg schlug er diesmal mit seinem neuesten Schätzchen „made in Germany“ (Meyer Werft!) bestimmt ein. Beim Testlauf ab Rotterdam überzeugte der Cruiser schon mal den „europäischen Geschmack“ der ersten Mitfahrer. Und das lag eindeutig nicht nur daran, dass NCL inzwischen dazugelernt habe, was z.B. die Deutschen gerne mögen. Wie Andy Stuart, Executive Vice President, verriet, sei Nutella in diesem Zusammenhang eine „ganz große Sache“ gewesen: „Die gibt es jetzt bei uns!“
Drei Seetage für das Erlebnis Schiff
Nun wartet aber erst mal Amerika gespannt auf den NCL-Neubau. Die „Norwegian Breakaway“ startet nach ihrer Taufe durch das berühmte Tanzensemble „The Rockettes“ bis Mai 2015 ganzjährig von Manhattan aus zu mindestens 88 Kreuzfahrten. Kein schlechter Deal zudem für New York City: Die Stadt, die niemals schläft, darf sich auf rund 140.000 zusätzliche Kreuzfahrtgäste und geschätzte Mehreinnahmen von 35 Millionen US-Dollar innerhalb dieser zwei Jahre freuen.  
Wer die „Breakway“ mit allem Zip und Zap (inklusive „The Plank“ natürlich) kennenlernen möchte, hat dazu in der Sommersaison auf 7-Nächte-Kreuzfahrten von New York nach Bermuda Gelegenheit (drei Seetage sowie drei ganze Tage im historischen King's Wharf, Bermuda). Oder Sie kaufen sich die nächste WELCOME ABOARD 2014 (ab November am Kiosk) – da gibt es einen ausführlichen Schiffstest!
Susanne Müller
 
Schiffsdaten                    
Bruttoraumzahl: 146.600
Länge: 324 Meter
Breite: 40 Meter
Höhe: 55 Meter über Wasserlinie
Tiefgang: 8 Meter
Decks: 18
Passagiere: 4.028 (bei Doppelbelegung)
Crew: 1.595


Rutschen bis der Arzt kommt auf der "Norwegian Breakaway".


Nur etwas für Nervenstarke: The Plank.


Auf Messners Spuren: Kletterwand auf der "Breakaway".


Ein nettes Plätzchen nah am Meer: The waterfront.


Zentraler Treffpunkt: das Atrium.


Wie im Dschungel: Dinner Jungle Fantasy heißt die exotische Show im farbenfrohen Spiegel Tent.


Italienische Küche gibt's im La Cucina.


Hierfür braucht man die richtige (Suiten-) Keycard: The Haven Courtyard.


Family Mini Suite auf der "Norwegian Breakaway".

Alle Fotos: Susanne Müller
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