18.01.2018

Interview mit Eric Emmanuele

Eric Emmanuele
Ihn kennen viele Kreuzfahrer: Eric Emmanuele. Foto: Dirk Kröger

Unser Mitarbeiter Dirk Kröger traf den Entertainer, Tänzer und Sänger Eric Emmanuele bei einer Kreuzfahrt auf der „Hamburg“ und interviewte ihn für WELCOME ABOARD.  

Herr Emmanuele, wann hat es Sie zum ersten Mal auf ein Kreuzfahrtschiff gezogen?

ERIC EMMANUELE: Ich habe seit 1980 eine  Event-Agentur in Hamburg, durch einen Zufall habe ich 1985 Kontakt zu Hapag Lloyd erhalten. Und für die Reederei habe ich von 1986 bis 1996 das erste Schiffs-Ballett organisiert – das war auf der alten „Europa“. Dann kamen andere Reedereien und andere Schiffe, so die „Astor“ oder die „Arkona“, auf der ich auch als Cruise-Direktor gearbeitet habe. Später habe ich auch Konzepte für AIDA entwickelt.

Sie sind gelernter Tänzer. Die Kreuzfahrt-Passagiere aber kennen Sie in erster Linie als Sänger. Wann haben Sie die eigene Stimme entdeckt?

EMMANUELE: Das war vor genau zehn Jahren, 2007. Auf der „Delphin Voyager“ gab es eine Vakanz, die haben mich allein als Moderator und Entertainer engagiert. Damals musste ich mir innerhalb von zehn Tagen ein Visum besorgen und dann nach Australien jetten. Vor fünf Jahren habe ich dann eine Gesangslehrerin engagiert und mich intensiv damit beschäftigt. Ich hatte ja so viel zu lernen, so musste ich zum Beispiel meine Atemtechnik komplett umstellen.

Wie viele Schiffe haben Sie aus beruflichen Gründen kennen gelernt – und welches davon war für Sie das schönste?

EMMANUELE: Es dürften etwa 15 gewesen sein. Ich habe die alte „Delphin“ geliebt, an Bord war es einfach nur schön. Die „Deutschland“ dagegen ist für mich furchtbar, weil ich da als Solo-Künstler viel zu weit vom Publikum entfernt bin.

Inzwischen managen Sie keine anderen Künstler mehr?

EMMANUELE: Ja, das stimmt, ich habe meine Agentur aufgegeben und arbeite jetzt als freiberuflicher Berater für verschiedene Veranstaltungs- und Unterhaltungs-Agenturen. Da gibt es viele Aufgaben, beispielsweise auch im Bereich der Logistik.

 

Machen Sie eigentlich bei Kreuzfahrten auch Landausflüge mit?

EMMANUELE: In der Vergangenheit habe ich viele mitgemacht, das aber habe ich zuletzt etwas zurückgeschraubt, weil es an Bord für mich viel Büro-Arbeit gibt. Die anderen Mitarbeiter sehen mich ja als singenden Reiseleiter an.

 

Welche Reisegebiete waren für Sie bislang die schönsten?

EMMANUELE: Die Ostküste Südamerikas hat mir wunderbar gefallen. Und die Malediven, Vietnam. Und Myanmar. Besonders beeindruckend war, als wir mit der „Hanseatic“ in Tokio eingelaufen sind. 

 

Und welche ist für Sie der schönste Hafen?

EMMANUELE: Sydney hat mich besonders beeindruckt, ich denke gerne an diese imposante Brücke zurück. Aber auch Hongkong, Singapur und Stockholm haben mich beeindruckt. Wunderschön ist es auch, wenn ein Schiff in St. Petersburg direkt auf der Newa ankert.

Wo ist für Sie der schönste Platz auf einem Schiff?

EMMANUELE: Das ist eindeutig meine Kabine. Auf der alten „Europa“ habe ich mich außerdem sehr gern in der Clipper-Bar aufgehalten, die hatte so einen herrlichen Rundum-Blick.

Wer ständig auf Schiffen unterwegs ist, hat kaum Zeit für eine Partnerschaft. Oder?

EMMANUELE: Ja, das ist schwierig. Aber ich habe elf Jahre lang in einer Partnerschaft gelebt, die wurde durch eine Krankheit beendet.

Wo ist eigentlich für Sie als Kosmopolit das Zuhause?

EMMANUELE: Ganz klar in Hamburg. Ich bin stolz, ein Hamburger zu sein. Und ich bin heilfroh, in Deutschland zu sein – vor allem jetzt bei Donald Trump. Hier in Deutschland ist es sicher, es ist ausgewogen und geht sozial zu, hier kann kein Freak Präsident sein. Aber gerade das Sozialsystem finde ich gut, ich zahle eben mehr für die Krankenkasse, um auch anderen zu helfen. In Deutschland liegt einfach niemand auf der Straße und stirbt.

 

Böse Zungen behaupten, dass Künstler gern auf Schiffen auftreten, weil das Publikum da nicht fliehen kann. Ist da etwas Wahrheit dabei?

EMMANUELE: Das Gegenteil ist der Fall. An Land kommen Leute zu Konzerten, die den Künstler sehen wollen. Auf einem Schiff muss man Rückgrat und Nerven haben, um sich das Publikum zu erobern.

 

Zur Person: Eric Emmanuele 

Eric Emmanuele, inzwischen 62 Jahre jung, ist Kosmopolit. Sein Vater stammt aus Sizilien, aufgewachsen ist er in New York, wo er eine Ausbildung als Tänzer absolvierte. Er lebte in New York, Brüssel und Hamburg. Während eines Engagements in der belgischen Hauptstadt wurde er von John Neumeier angesprochen und erhielt anschließend ein Engagement an der Staatsoper in Hamburg. Von 1975 bis 1979 war er dort im Thalia-Theater zu sehen. Danach widmete sich Emmanuele der Choreographie, war dabei auch fürs Fernsehen tätig. Gleich seine erste Choreographie erstellte er für Gitte Haenning, die im „Musikladen“ von Mike Leckebusch auftrat. Es folgten Engagements für den „Show-Express“ im ZDF, die „Lustigen Musikanten“, „Geld oder Liebe“, „Donnerlippchen“ und „Melodien für Millionen“.

Emmanuele arbeitete auch am Landestheater Detmold für die Landgraf Konzert-Direktion, wo er vier Monate lang für Inszenierung und Choreographie bei „Maske in blau“ und „Les Miserables“ zuständig war.  Seit 1986 ist Emmanuele als Showproduzent auf Kreuzfahrtschiffen tätig, in dieser Zeit entdeckte er auch seine eigene Stimme. Er interpretiert Hits seiner großen Vorbilder wie Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davies jun. – mit einem unverwechselbaren Gesangsstil.  Viele Kreuzfahrt-Reisende kennen den gebürtigen Amerikaner, der schon auf vielen namhaften Schiffen tätig war.

 

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